BMW C1 (2000-2002)

Gebrauchtmobil BMW C1 Gebrauchtmobil BMW C1

BMW C1 (2000-2002)

— 14.04.2005

Dieser Einser ist Ia

Wer wirklich auffallen will, braucht keinen Ferrari Enzo. Glauben Sie uns, ein alter BMW C1 ist weit billiger, zieht aber noch mehr Blicke an.

Marktlage und Verkaufskonzept

Nein, für schüchterne Geister ist der BMW C1 nichts. Fünf Jahre nach Markteinführung gucken die Leute noch immer, als würde ein UFO landen. Dabei symbolisiert der C1 in München Erfolglosigkeit – nur 33.500 Kabinenroller wurden international verkauft. Aus diesem Grund parkt heute auch nur noch Gebrauchtware auf den Händler-Höfen und wartet auf Käufer.

Meistens relativ lange, was ziemlich ungerecht ist. Technisch ist der C1 nämlich Ia, sein einziger Nachteil sind die zahllosen Marketingfehler von BMW. Der deutsche Markt zum Beispiel hatte ein Führerscheinproblem: Autofahrer, die vor dem 1. April 1980 ihre Dreier-Fahrerlaubnis bekamen, haben damit auch die Lizenz zum Gasseilziehen am 125-cm3-Roller. Alle anderen benötigen den Motorradschein und müssen auf die Fahrschulbank.

Hier kommen sie zwar mit jungen Mädels ins Gespräch, sind aber binnen weniger Wochen etwa 1200 Euro ärmer. Geizig durften C1-Fahrer der ersten Stunde nie sein, denn der Kabinenroller kostete neu bis zu 6240 Euro. Dafür gab es 2003, je nach Neigung und Führerschein, einen zwei Jahre alten Ford Ka oder eine neue Kawasaki ZR-7 mit 76 PS.

Karosserie und Wartung

Heute sind die Karten neu gemischt: Ein gebrauchter C1 trägt zwar ein vornehmes Preisschild, wechselt aber meist unter dem Listenpreis seinen Besitzer. Eines blieb nahezu jedem C1 erspart, nämlich hemmungslose Kilometerfresserei. Ein C1 rollt ins fünf Kilometer entfernte Büro oder auch zur Blumenpflege in den Kleingarten der Vorstadt. Mehr als 15.000 Kilometer hat kaum ein Exemplar bis heute drauf.

Das liegt auch an den Fahreigenschaften: Der Schwerpunkt ist ungewohnt hoch, die bequeme Sitzposition erinnert an enge, verflieste Räume, nicht aber an ein Auto oder ein Motorrad. Fällt der C1 auf die Seite, ist das auch kein Beinbruch – sondern von BMW bestens durchdacht: Der Roller plumpst auf ein austauschbares Styroporteil, dem sogenannten Deformationselement für 53 Euro.

Positiv auch, daß typische C1-Besitzer nicht an Wartung sparten und artig das Service-Intervall (7500 Kilometer) berücksichtigten. Trotzdem kann es natürlich zu Defekten kommen, etwa wenn ein unsauber verlegter Kühlwasserschlauch mit der Zeit durchscheuert. Dann verliert der C1 Kühlflüssigkeit, und wer es nicht bemerkt, darf bald darauf den 185 Kilogramm schweren Roller schieben. Das passiert auch dann, wenn der Deckel des Kühlflüssigkeits-Ausgleichsbehälters durch Überdruck abhebt; ein sicheres Zeichen für eine durchgebrannte Zylinderkopfdichtung.

Motor und Ausstattung

Diese beiden Szenarien sind das Schlimmste, was wir von C1-Fahrern in Erfahrung bringen konnten. Andere Krankheiten können selbst Laien ambulant heilen. Springt der Rotax-Reaktor nicht an, ist Panik fehl am Platz. Ein Griff in die C1-Abgründe prüft den Kerzenstecker und das Kabel am Einspritzventil. Jawohl, Einspritzventil! Unter dem Hintern des C1-Treibers bemüht sich High-Tech um urbane Fortbewegung. Also digitale Motorsteuerung, Lambdasondenheizung und Onboard-Diagnose.

Vor fünf Jahren hatten das viele Autos noch nicht. Nur davon spürt der C1-Fahrer nichts, denn für gewöhnlich funktioniert sein Zweirad zuverlässig wie ein Backofen von Miele. Eine weitere C1-Eigenheit ist die Ausstattung. Für viel Geld rüsteten seine Fans das Ei mit Sitzheizung, beheizbaren Lenkergriffen und Handyhalterung auf. Über die Sinnhaftigkeit von soviel Luxus wollen wir nicht urteilen.

Nicht diskutieren muß man allerdings über das ABS: Das gefährliche Vorderradblockieren gehört jetzt der Vergangenheit an, der C1 wird damit spürbar sicherer. Testen Sie das ABS bei der Probefahrt, wenn es einwandfrei funktioniert, pulsiert der Bremshebel. Über die weitere C1-Zukunft darf spekuliert werden. Fakt ist: Der Preis wird kaum noch sinken, das BMW-Ei tendiert bereits heute zur Kult-Kabine. Wer jetzt keinen C1 kauft, muß sich wohl in einigen Jahren von seinem Sohn unangenehme Fragen stellen lassen. Nikolaus Eickmann

Historie und Schwächen

Modellgeschichte 9/92 Die erste Roller-Studie wird auf der IAA in Frankfurt gezeigt 9/99 Produktionsstart für den C1 4/00 Verkaufsstart für den C1 mit 125 cm3 und 15 PS 3/01 Markteinführung des C1 mit 176 cm3 und 18 PS 12/02 Die Produktion wird vorläufig eingestellt 8/03 BMW verkündet den endgültigen Produktionsstopp

Schwachstellen • durchgebrannte Zylinderkopfdichtungen • durchgescheuerte Kühlmittelschläuche

Fazit und Modellempfehlung

Fazit "Kaum ein Fahrzeug polarisiert so stark wie der C1 von BMW. Ob einen das Konzept anspricht, hat jeder selbst zu entscheiden. Kein böses Wort aber über die Technik, hier zeigte BMW den italienischen Mitbewerbern, wie ein Roller zu funktionieren hat. Wer in seiner Garage noch neben den beiden Autos, der Enduro und der Harley etwas Platz findet, ist mit einem C1 bestens bedient." Nikolaus Eickmann, AUTO BILD-Redakteur

Modellempfehlung: BMW C1 (125 cm3, 11 kW/15 PS) Steuer: 9,20 Euro/Jahr Testverbrauch: Werksangabe 2,9 Liter, gemessen 3,2 Liter (Normalbenzin) Versicherung: Teilkasko (Tarifgruppe N/150 Euro SB): 24,81 Euro. Haftpflicht (Tarifgruppe N): 90,23 Euro (Basis: HUK-Jahrestarife für Regionalklasse Hamburg, 100 Prozent) Inspektion: 7500 Kilometer. Kosten: etwa 200 bis 300 Euro Wertverlust: Dreijährige verlieren rund 44 Prozent vom Neupreis

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