Fahrbericht BMW Z4 3.0i

BMW Z4 3.0i BMW Z4 3.0i

BMW Z4 3.0i

— 11.10.2002

Jetzt boxt er gegen den Boxster

Auf Z3 folgt Z4. Klingt logisch. Doch der Neue will mit seinem Vorgänger nichts mehr zu tun haben. BMWs Roadster soll in der Eliteklasse jetzt gegen Porsche punkten.

Vorn klebt ein nichts sagender Bug

"Den neuen Z4 braucht kein Mensch." Burkhard Göschel, der BMW-Entwicklungschef, meint das natürlich ironisch und lacht fröhlich, als er das sagt. Er meint vor allem, dass ein offener Zweisitzer mit 231 PS, Stoffkapuze und eher winzigem Gepäckabteil natürlich immer ein sehr spezielles Angebot ist. Etwas, das tatsächlich nicht jeder braucht.

Andererseits bekommen seine Worte noch einen ganz anderen Sinn. Der mir in dem Moment klar wird, als ich tatsächlich vor dem Z4 stehe. Sicher, der ältliche Z3 braucht dringend eine Ablösung – aber muss die wirklich so aussehen?

Mich erinnert der Z4 mit seinem zerklüfteten Design eher an ein zusammengebasteltes englisches Kitcar als an das ausgefeilte Produkt eines deutschen Nobelherstellers. Die Flanke trägt den zerknitterten Faltenwurf eines schlecht gebügelten Hemds, das Heck wölbt sich so skurril wie am Marcos, und vorn klebt ein nichts sagender Bug.

Im Cockpit die feine Anmutung vom 7er

Der 231-PS-Z4 blickt so weich und schlaff, dass auch der Corsa-Diesel-Fahrer wahrscheinlich keinen Grund sieht, für ihn die linke Spur zu räumen. Wie gesagt, meine Meinung. Andere mögen das anders sehen. Doch nach einem ehernen Design-Lehrsatz – Form und Funktion bilden eine Einheit – müsste der Z4 durch die Gegend kreuchen wie ein lendenlahmer Pinguin auf Pitcairn Island.

Entwarnung. Solche Gedanken zerbersten nach den allerersten Metern. Weggeblasen vom wohligen Sound des Reihen-Sechsers, überrollt vom unerbittlich präzisen Fahrwerk, zerfetzt vom Fahrtwind, der ins Cockpit schlägt. Und zertrümmert von der ungestümen Macht, mit der der Z4 losfegt. Es ist dann doch wieder alles so, wie ich es von BMW erwartet habe. Und noch ein bisschen besser.

Im Cockpit die feine Anmutung vom Siebener – das ist jetzt als Kompliment gemeint – und keinerlei Erinnerung an irgendeinen Dreier. Den prachtvollen Dreiliter-Reihen-Sechszylinder haben die BMW-Leute endgültig derart in Form gebracht, dass ihm jetzt nur noch der Eingang in die Ruhmeshalle des Motorenbaus bleibt. Kräftig wie ein Steak vom Argentinier, sahnig wie Gelato vom Italiener, scharf wie Chili vom Mexikaner.

Exaktes Getriebe, unerhörter Vortrieb

Im Zusammenspiel mit dem exakten Sechsganggetriebe verhilft er dem Roadster zu unerhörtem Vortrieb (null bis 100 in 5,9 Sekunden, Spitze 250) und dreht dabei so unnachahmlich locker, wie es eben nur Reihen-Sechser können.

Eigentlich ist das alles ein bisschen zu viel des Guten – offene Autos müssen nicht unbedingt so schnell sein. Aber solch ein Gefühl stellt sich im Z4 überhaupt nicht ein. Denn der Bayern-Express fährt mit einer spielerischen Präzision und Leichtigkeit, dass es fast schon wieder unheimlich ist. Er liegt ausbalanciert und ruhig auf der Straße – Gewichtsverteilung 50:50. Und lenkt gleichzeitig so bissig ein wie Montoya auf der Jagd nach Teamkamerad Ralf.

Angesichts des Gebotenen verbietet sich jeder Vergleich mit dem Vorgänger. Absicht. Denn BMW hat entdeckt, dass sich teure offene Autos besser verkaufen. Das sieht dann so aus: Als wir den Z3 im November 1995 zum ersten Mal fuhren, war er ein Gegner für den Mazda MX-5, der für 43.700 Mark einen 1,8-Liter-Vierzylinder unter der Haube versteckte. Sie ahnen es: Das Gleiche wird der Z4 auch kosten, nur in Euro. Na ja, nicht ganz.

Preise und Technische Daten

Vierzylinder sind nicht vorgesehen, Einstiegsmotor wird zu Beginn der 2,5-Liter-Sechszylinder mit 192 PS sein. Kostenpunkt zum Start im nächsten Frühjahr: 35.500 Euro. Und der hier gefahrene Dreiliter mit 231 PS wird etwa 41.000 Euro kosten. Preis- und leistungsmäßig fährt der Z4 damit in einer ganz anderen Liga als bisher. Denn einen Mazda MX-5 mit 146 PS gibt es inzwischen für knapp die Hälfte. Aber so hat Göschel die einleitenden Worte sicher nicht gemeint.

Technische Daten Z4 3.0i Reihen-Sechszylinder • vier Ventile je Zylinder • Hubraum 2979 cm3 • Leistung 170 kW (231 PS) bei 5900/min • maximales Drehmoment 300 Nm bei 3500/min • Heckantrieb • Sechsgang • Einzelradaufhängung • Kofferraum 240 Liter (260 bei geschlossenem Verdeck) • Tankinhalt 55 Liter • Länge/Breite/Höhe 4091/1781/1299 mm • Reifen 225/45 R 17 • Leergewicht 1365 kg • 0–100 km/h in 5,9 Sekunden • Spitze 250 km/h • Verbrauch 9,1 l Super plus/100 km • Preis ca. 41.000 Euro

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