Camaro ZL1: Fahrbericht

Chevrolet Camaro ZL1 Chevrolet Camaro ZL1

Chevrolet Camaro ZL1: Fahrbericht

— 22.06.2012

Radikaler V8-Rambo

580 PS und rund 750 Newtonmeter Drehmoment: Das ist der Chevrolet Camaro ZL1. Und wie fährt sich das Monster aus den USA? Erster Fahrbericht.

Drei, zwei, eins – los: Kaum springt die Ampel auf Grün, hämmert man das Gaspedal ans Bodenblech. Dann geht ein kurzes Vibrieren durchs Auto, 1,5 Tonnen Stahl bäumen sich auf, acht Zylinder proben den automobilen Urschrei und die 305er Walzen auf der Hinterachse hüllen die Welt in den beißenden Qualm verbannten Gummis: Willkommen auf dem Dragstrip, Willkommen im Camaro ZL1. Indianapolis oder Iserlohn – egal wo man ans Steuer dieses Camaro kommt, immer fühlt man sich so, als müsse man gleich ein Viertelmeilen-Rennen fahren. Ob Innenstadt oder Landstraße, Autobahn oder Nordschleife – zivil und züchtig kann man dieses Auto kaum fahren. Denn der ZL1 sieht mit seinen dicken Backen und der Carbonhutze auf der endlos langen Motorhaube nicht nur urgewaltig aus, sondern er ist mit 580 PS, 754 Nm und maximal 290 km/h auch der stärkste und schnellste Camaro, den Chevrolet je auf die Straße gelassen hat.

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Wenn 580 PS an der Hinterachse zerren, steigt Rauch auf und Gummi wird verbrannt.

Möglich macht das eine Organspende aus der Corvette ZR1. Die schärfste Version des großen Bruders tritt dem Muscle-Car ihren Kompressor ab. So steigt die Leistung des 6,2 Liter großen V8 mal eben um 150 PS und katapultiert den Camaro auf ein Niveau mit Supersportwagen wie dem Audi R8, dem BMW M3 oder gar dem Mercedes SLS. Wo die Tiefflieger aus Good Old Germany allerdings auf Präzision und Perfektion setzten, gibt der Camaro den Rambo unter den Rennwagen und überzeugt mit der Holzhammermethode: Brachial und brutal ist der Vortrieb, wenn 754 Nm zu Werke gehen und die 20 Zöller um Halt auf dem Asphalt ringen. Wenn Fahrwerk und Traktionskontrolle in fünf Stufen auf den Performance-Modus getrimmt sind, reichen knapp vier Sekunden für den Sprint auf Tempo 100, die Viertelmeile fällt nach zwölf Sekunden und weil die Ingenieure auch ordentlich an der Abstimmung gearbeitet haben, schafft der ZL1 die Nordschleife in respektablen 7:41,27 Minuten.

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Innen sieht es auf den ersten Blick ganz gut aus, die Verarbeitung hat aber Luft nach oben.

Unter dem Blech gibt es tatsächlich viel Feinschliff – von der verstärkten Kupplung über das Differenzial bis hin zu Achslagern, Getriebe und dem Magna-Ride-Fahrwerk haben die Ingenieure wirklich jedes Teil angefasst, optimiert und auf die extremen Belastungen von über 1000 Kavalierstarts ausgelegt. Und auch die Designer haben den Camaro ordentlich nachgeschärft. Nur das Interieur bleibt wie es ist – ein wenig lust- und lieblos. Je näher man dem Camaro kommt, desto ernüchternder sind deshalb die öden Plastikwüsten rund ums Lenkrad, die billigen Recaro-Sitze und die altbackenen Instrumente.

In den USA ist der ZL1 ein Schnäppchen

Aber andererseits: Wen interessiert das in so einem Auto, wo es um Adrenalin geht und nicht um Ambiente. Wer 580 Pferde reiten will, der hat ohnehin keinen Blick mehr für Softtouch-Oberflächen, Ledernähte und Spaltmaße. Und falls doch, dann muss man sich nur den Preis in Erinnerung rufen.  Zwar diskutieren die amerikanischen Schnellfahrer gerade, ob 30.000 Dollar Aufpreis auf das Basismodell für das ZL1-Paket nicht doch ein bisschen viel sind. Doch im Vergleich zu den Konkurrenten aus der alten Welt bleibt der ZL1 auch mit seinen 54.995 Dollar ein Schnäppchen. Dumm nur, dass die Europäer davon nichts haben werden. Denn offiziell wird es den ZL1 diesseits des Atlantiks nicht geben. Und wer ihn bei einem freien Importeuer bestellt, ist mit fast 80.000 Euro dabei. Das ist eine Menge Geld, für das man auch einen zivilisierteren Sportwagen kaufen kann. Mehr zum Thema Chevrolet Camaro.

Autor: Thomas Geiger

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