Citroën C3 Pluriel 1.4

Citroën C3 Pluriel 1.4 Citroën C3 Pluriel 1.4

Citroën C3 Pluriel 1.4

— 18.07.2003

Plural von Ente? Pluriel!

Der Pluriel ist Limousine, Cabrio und Pick-up in einem. Ein toller Typ voller Ideen – fast so wie die Ente. Doch wer cool sein will, muss auch leiden ...

Auf der Sonnenseite des Lebens

Von Magret Hucko Die coolsten Typen fuhren Ente: Sie waren ein bisschen schlampig in ihren zerissenen Jeans und ausgeleierten Strickpullovern. Wer lässig sein wollte, fuhr eben 2 CV. Heute heißt die Ente Pluriel. Und wer cool sein will, steckt sich eine Gucci-Brille ins Haar. Wie viel Ente steckt also noch im Nachfolger Pluriel?

Das besondere am Döschewo (Deux Chevaux) war die simple Konstruktion des Rollverdecks. Machen wir einen Versuch: Legen Sie die Zungenspitze an den Gaumen. Jaaa, genauso funktioniert das Enten-Dach. Einfach zurückklappen. Dann einrollen wie eine Lakritzschnecke und mit zwei Druckknöpfen festmachen.

Beim Enten-Nachfolger Pluriel reicht die Zunge nicht mehr aus, um den Mechanismus des elektrischen Stoffverdecks zu beschreiben. Auf Knopfdruck fährt das Schiebedach zurück und legt sich wie ein Mopsgesicht in Falten auf die Heckscheibe. Herzlich willkommen auf der Sonnenseite des Lebens.

Komplizierte Verwandlung in einen Spider

Die weitere Verwandlung des C3 in ein Spider-Cabrio, die ganz offene Variante, funktioniert nach dem Legostein-Prinzip: Die etwa zwölf Kilogramm schweren Dachholme müssen abgebaut werden, und die Heckscheibe verschwindet nach einem Salto rückwärts im Kofferraum. Klingt einfach, ist aber komplizierter, als man denkt. Wer in die doppelseitige Kurzanleitung schaut, ahnt das. In mehr als 15 Szenen beschreibt die Anleitung das Öffnen des Dachs, neunmal steht schwarz auf gelbem Grund "WICHTIG" dabei.

Wirklich blind wird man den Pluriel deshalb nie in ein Cabrio verwandeln können. Und damit wären wir bei seiner Schwachstelle: Das pfiffige Konzept ist gleichzeitig das größte Problem. Die Dachholme, mächtig wie Elefantenstoßzähne, sind nur schwer zu handeln. Das zahlen die Passagiere dem Multifunktionsauto unfreiwillig zurück: mit fiesen Dellen im Blech.

Bei unserem Testwagen rastete zu allem Überfluss die Windschutzscheibe aus, als wir sie im Gepäckabteil (266 Liter) verstauen wollten. Und bis man die etwa 15 Verwandlungsschritte im Schlaf beherrscht, bricht der Winter ein. Nach der Winterpause hat der Pluriel-Besitzer das Öffnungsprozedere womöglich wieder vergessen.

Kosten und Ausstattungen

Dann tröstet er sich mit dem fairen Preis für den Citroën, der ihn gelassen über die Macken des Franzosen hinwegsehen lässt. Mit kleinem 1,4-Liter-Motörchen (73 PS) kostet der Pluriel 15.850 Euro und ist damit das billigste Viersitzer- Cabrio auf dem Markt.

Technische Daten und Testwerte

Dafür aber auch nicht das schnellste. Von null auf hundert benötigt das Retro-Entlein 15 Sekunden. Denn der Vierzylinder trägt schwer an den 1160 Kilogramm Leergewicht. Aber wer will bei einem Cabrio ernsthaft über Geschwindigkeiten philosophieren, wenn der Wind ab Tempo 80 einem tosend um die Ohren braust?!

Die elektrische Servolenkung erleichtert das Kippeln durch die Kurve. Dieses sanfte, komfortable Schwingen des Fahrwerks erinnert dann tatsächlich an die alte Ente, die sich in jeder Windung so spektakulär zur Seite wirft, dass man glaubt, gleich kippt das Blechdöschen um. Tut der Döschewo aber nicht, sondern besteht den Elchtest. Genau wie der Pluriel, dessen Fahrwerk sich als belastbar, kurven- und krisenfest erweist. Der Fahrer wird das ESP (nur beim 1,6-Liter-Motor Serie) meistens nicht vermissen. Gute Bremsen dagegen schon: 42,7 Meter bis zum Stillstand sind eine Wagenlänge zu viel – und das trotz ABS plus Bremsassistent. So viel zur hässlichen Seite des Entleins. Wer lässig ist, schaut darüber ganz cool hinweg. Und wer könnte das besser als ein passionierter Entenfahrer?

Fazit und Wertung

Der Pluriel ist auf den ersten Blick so, wie jeder von uns sein will: kreativ, verwandlungsfähig und innovativ. Ein Multi-Talent. Ein Auto, das nicht nur Limousine, sondern auch Cabrio und Pick-up sein kann. Deshalb freute ich mich besonders auf die Testfahrt. Und wurde ein wenig enttäuscht. Die Verwandlung der Limousine in ein Spider-Cabrio – die ganz offene Variante – ist mühsam. Zwölf Kilogramm wiegt ein Dachholm, der leider nicht im Auto, sondern in der Garage bleiben muss. Das Ende jeder spontanen Ausfahrt. Pluriel-Fahrer müssen planen, Wetterkarten studieren, geduldig sein. Schade. Dabei dachte ich, der neue Citroën sei offen für alles.

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Testwerte sind harte Fakten, an denen nicht zu rütteln ist. Spätestens beim Design von neuen Autos scheiden sich aber bekanntlich die Geister. Ob ein Auto letztendlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig: Nehmen Sie sich einen Moment Zeit und vergeben Sie eigene Noten für den oder die Test-Teilnehmer. Den Zwischenstand sehen Sie direkt nach Abgabe Ihrer Bewertung.

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