Der Gewinner des Jahres

Der Touran macht den Turan reich Der Touran macht den Turan reich

Der Gewinner des Jahres

— 19.12.2002

Der Touran macht den Turan reich

So ein Glück muss man haben: Weil VW seinen neuen Minivan Touran nennt, kassiert der Hamburger Türke Turan kräftig ab: drei neue Autos und reichlich Geld.

Zwei Touran und ein Touareg V10 – für lau

Die Billstraße in Hamburg-Rothenburgsort ist der Gegenpol zur vornehmen Elbchaussee: Hinter Maschendrahtzäunen kläffen Schäferhunde. Rechts flattern die zerfetzten Fahnen eines Reifenhändlers im Wind. Links liegt ein ausgebeinter Ford Orion am Straßenrand. Die Hinterhöfe sind schmutzig und mit öligen Pfützen übersät. Touristen gibt es hier nicht. Türken umso mehr. Fleißige Türken. Sie schuften auf Schrottplätzen, malochen im Matsch oder arbeiten an Autos. So wie Volkan (21), Ali (25) und Mehmet Turan (47). Im Türkischen ist dieser Name fast so häufig wie Meier in Deutschland.

Doch während Meier, Hinz und Kunz durch ihren Namen nie reich werden, ist er für Familie Turan Gold wert: Denn VW spendiert den Turans nächstes Jahr gleich zwei neue Touran. "Außerdem gibt's einen Touareg V10 TDI im Wert von 85.000 Euro geschenkt", freut sich Ali Turan. Geschenkt? Ja, geschenkt. Aber das ist noch nicht alles: "Neben den Autos kriegen wir einen sechsstelligen Betrag", sagt Ali. 100.000 Euro? Oder 900.000? Er guckt wie ein Croupier, dem ein Gewinner ein fürstliches Trinkgeld zugesteckt hat. Dabei hat er selber den Jackpot geknackt: Drei teure VW für lau und eine Traumsumme auf dem Konto – bingo, das ist wie sechs Richtige im Lotto. Das große Los. Das gibt es eigentlich nur im Märchen.

Die rührige Geschichte von Turan im Glück begann 1972. Mehmet wanderte von Anatolien nach Hamburg aus und startete eine Tellerwäscherkarriere: abgebrochenes Physikstudium, Konditormeister und Inhaber einer Wurstbude, dann Restaurantleiter bei Burger King. Anschließend eröffnete Mehmet eine kleine Autowerkstatt, später zusätzlich einen Teile- und Gebrauchtwagenhandel.

Einverständnis ohne Gegenleistung

Dabei ist es bis heute geblieben. Der Einmannbetrieb wuchs zu einem Unternehmen mit 16 Angestellten. 1998 übernahm Sohn Ali die Geschäftsführung. In Hamburg ist "Turan Motor's" vor allem bei Besitzern älterer Mercedes ein Begriff. "Unseren guten Ruf wollten andere Türken nutzen und kopierten unseren Namen schamlos", sagt Ali.

Deshalb meldete er im Dezember 2000 die Wortmarke Turan beim Deutschen Patent- und Markenamt an. Kosten: 1200 Euro. Eine gute Investition, wie sich im März 2002 herausstellte. "Ein Schreiben von VW ratterte aus meinem Faxgerät", erinnert sich Ali. Inhalt: VW möchte ein Auto Touran nennen.

Die Turans sollen ihr Einverständnis dafür geben. "Ich dachte, Freunde spielen uns einen Streich." Doch das war kein Witz. VW wollte tatsächlich eine Freigabe von Turan für Touran. "Ich sollte unterschreiben, ohne Gegenleistung." Ali nahm die Sache noch immer nicht ernst und fuhr erst mal in Urlaub. Dort nervte ihn ständig ein VW-Anwalt auf dem Handy. Plötzlich war von Geld die Rede. Erst von 3000, schließlich von 30.000 Euro.

Immer wieder Probleme mit Markenrechten

Ali wurde hellhörig und schaltete selbst einen Juristen ein. Die Dinge nahmen ihren Lauf. Drei lange Verhandlungsrunden, die letzte bis Mitternacht, waren nötig, bis das Ergebnis stand. "Das war wie Poker", sagt Ali. Und Ali kann pokern: Geld plus Touareg plus zwei Touran. Was will man mehr? Vielleicht noch einen Phaeton?

Zocker Ali weiß nicht, ob er den auch noch gekriegt hätte. Er ist jedenfalls zufrieden mit dem Ergebnis. "Auf den Touareg freue ich mich schon." Ali hat gespielt und gewonnen. Glückwunsch! Sein Dusel war, dass VW sich sehr spät um die Markenrechte bemühte und die Namensplanung schon fortgeschritten war.

Probleme mit Markenrechten gibt es immer wieder bei Volkswagen. So forderten die Brüder Antonio und Martino Lupo aus Attendorn Entschädigung, als VW den gleichnamigen Kleinwagen rausbrachte. Sie gingen aber leer aus. Dass VWs Touran nicht wie Turan, also mit ou statt nur mit u, geschrieben wird, spielt keine Rolle. Entscheidend ist, wie der Begriff gesprochen wird. Und da gibt es keinen Zweifel: Auto und Nachname klingen gleich. Pech für VW. Glück für Turan. Bleibt nur ein Weihnachtswunsch an VW: Bitte nennt das nächste Modell Maltzan. Schreibweise egal...

Autor: Jörg Maltzan

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