Diesel-Kombi-Vergleich: V60/A4 Avant/3er Touring

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Diesel-Kombi-Vergleich: Volvo V60/Audi A4 Avant/BMW 3er Touring

— 21.01.2011

Was kann der neue Volvo V60?

Mit neuer Dynamik fordert der Volvo V60 zwei bayerische Lifestyle-Kombis zum Wettstreit. Wird es jetzt wirklich eng für Audi A4 Avant und BMW 3er Touring? Ein Vergleich der Zweiliter-Diesel.

Mit echter Lust an der Last können Premium-Kombis oft genug nicht dienen. Die meisten transportieren eher Lifestyle als sperriges Ladegut. Und fahren dennoch gut damit, wie der Erfolg von Audi A4 Avant und 3er Touring von BMW beweist. Deshalb verabschiedet sich jetzt auch der neue Volvo V60 vom nüchternen Nutzwert-Charme der Ahnen. Klare Kante war gestern, der jüngste Schwedenlaster strahlt mit modischen Rundungen und keilförmiger Silhouette schon im Stand viel Dynamik aus. Die der Volvo mit seinem neuen Diesel, einem Zweiliter-Fünfzylinder mit 163 PS und bulligen 400 Newtonmeter Drehmoment, auch auf die Straße bringen soll. Mal sehen, ob der Schwede damit die Diesel-Konkurrenten von Audi und BMW verladen kann.

Überblick: Alle News und Tests zum Volvo V60

Klare Kante war gestern: Der neue Volvo V60 strahlt mit modischen Rundungen.

Beim Einfädeln in den Volvo-Fond packt Hinterbänkler erst mal das Grauen. Im Rückraum des 4,63 Meter langen V60 geht es enger zu als in den meisten Kompakten. Erwachsene zwingt der Jung-Dynamiker mit seiner coupéartigen Dachlinie zu einer ungemütlichen Demutshaltung, ab Schuhgröße 43 fehlt es zudem an Fußraum. Knapp geschnitten zeigt sich ebenso das Gepäckabteil, das zwischen 430 und bescheidenen 1241 Litern schwankt. Immerhin: Nach Umklappen der dreiteiligen Rücksitzlehne entsteht nur im Volvo ein komplett ebener Ladeboden. Versöhnlicher wird der nordische Kombinierer auf den vorderen Plätzen. Den etwas hoch positionierten Sesseln fehlt es zwar an Seitenhalt. Komfort und Ergonomie werden dem Premium-Anspruch des V60 aber gerecht. Ebenso das kühl gestylte Ambiente mit seinen hochwertigen Materialien. In dieser Hinsicht lässt sich auch der Audi nicht lumpen, er überzeugt mit sorgfältiger Verarbeitung, handschmeichelnden Oberflächen, simpler Bedienung – und spürbar mehr Platz: Obwohl der A4 den V60 nur um sieben Zentimeter überragt, wirkt er innen eine ganze Klasse luftiger, vorn wie hinten haben selbst Große nichts zu meckern. Vorteil Ingolstadt heißt es auch beim Kofferraum, der bis zu 1430 Liter fasst.

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Fahrer-Kombi: Passagiere auf den hinteren Plätzen sitzen im BMW 3er Touring beengt.

Da muss der BMW, mit 4,53 Metern der Kürzeste hier, passen. Sein zerklüfteteres Staufach schluckt einen Koffer weniger (maximal 1385 Liter). Wie beim Volvo müssen die Fond-Passagiere mit gespreizten Beinen ausharren, weil die Füße nicht recht unter die vorderen Sitze passen. Wegen der tiefen Sitzbank fällt zudem der Kniewinkel unangenehm spitz aus. Dadurch haben allerdings selbst gestandene Mannsbilder noch genügend Luft überm Scheitel – immerhin. Doch auch als Touring bleibt der 3er ein Fahrer-Auto. Vorn fühlt man sich auf den straffen, gut konturierten Sesseln jedenfalls bestens integriert. Ab Werk bieten vor allem Audi und BMW nur einen Hauch von Luxus. Wer mehr will, zahlt kräftig drauf. Merkwürdig die Sicherheitspolitik von Volvo: City-Safety, die automatische Notbremsfunktion bei drohenden Auffahrunfällen bis 30 km/h, ist Serie. Hintere Seitenairbags gibt es aber nicht mal gegen Aufpreis.

So dynamisch, wie er aussieht, lässt sich der V60 nicht um Kurven zirkeln. Freunde des Komforts kommen beim Nordlicht viel eher auf ihre Kosten. Mit dem verstellbaren Four-C-Fahrwerk des Testwagens (im Dynamik- Paket für 1150 Euro) bügeln die sensibel ansprechenden Federelemente nahezu alle Grobheiten glatt. Sehr sympathisch auch der neue Diesel. Ein kultivierter, sanft grummelnder Fünfzylinder, der bereits knapp über Standgas mächtig anschiebt. Seine Bullenkraft ermöglicht eine entspannte, schaltfaule Fahrweise. Gut so, denn über 3000 Touren geht dem Triebwerk die Puste aus, außerdem wandert der Schalthebel des lang übersetzten Sechsganggetriebes nicht besonders präzise durch die Gassen. Mit 6,1 Litern schluckt der Volvo-Fünfzylinder genauso wenig wie der ebenfalls laufruhige 170-PS-TDI des Audi.

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Das serienmäßige Ambition-Sportfahrwerk sollte man im A4 am besten abwählen.

Dessen drehfreudiger Zweiliter wirkt freilich deutlich spritziger, was forschen Piloten entgegenkommt. Doch selbst die kapitulieren vor der unbarmherzigen Härte des serienmäßigen Ambition-Sportfahrwerks. Unsere Empfehlung: Abwähl-Option nutzen! Mit Standard-Fahrwerk federt der A4 wesentlich angenehmer, ohne das flinke Handling zu beeinträchtigen. Anders beim BMW: Hier wünschen sich nicht nur Heißblütige straffer gedämpfte Federelemente. Frostaufbrüche und Kopfsteinpflaster werden zwar anständig weg gefiltert, auf holprigen Strecken kommt aber viel Bewegung ins Spiel. Tiefe Wellen lassen die Hinterachse bis zum Anschlag ausfedern. Mitunter verlieren die Räder dabei sogar den Bodenkontakt, was das fein abgestimmte ESP zu häufigen Regeleingriffen nötigt. Trotz der Schaukelei auf zerfurchten Landstraßen fährt der 3er jedoch stets sicher und dank feinfühliger Lenkung auch am agilsten. Unerreicht: der energische Vorwärtsdrang des 184-PS-Kraftwerks, der vom Drehzahlkeller bis zum roten Bereich anhält.

Und das bei nur 5,7 Liter Testverbrauch – ein Klasse-Diesel, dem man nur das kernige Nageln und leichte Vibrationen ankreiden kann. Zumal der überarbeitete Vierzylinder hier sogar Euro 6 erfüllt – allerdings für 1190 Euro extra. Dazu noch 17-Zoll-Bereifung – macht beim 320d Touring 38 050 Euro. Damit überbietet der BMW den Audi A4 Avant 2.0 TDI Ambition um 785 Euro. Mit 18-Zoll-Rädern (820 Euro), Fahrdynamikpaket (1150 Euro) und besser dämmendem Verbundglas (600 Euro) kommt der Volvo V60 D3 Momentum sogar auf 38 870 Euro. Glücklich, wer sich die Lust am Lifestyle-Laster leisten kann.
Fahrzeugdaten Audi BMW Volvo
Motor Vierzylinder, Turbo, vorn längs Vierzylinder, Turbo, vorn längs Fünfzylinder, Turbo, vorn quer
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb Zahnriemen Kette Zahnriemen
Hubraum 1968 cm³ 1995 cm³ 1984 cm³
kW (PS) bei 1/min 125 (170)/4200 135 (184)/4000 120 (163)/2900
Nm bei 1/min 350/1750 380/1750 400/1400
Vmax 222 km/h 233 km/h 220 km/h
Getriebe Sechsgang manuell Sechsgang manuell Sechsgang manuell
Antrieb Vorderradantrieb Hinterradantrieb Vorderradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 225/50 R 17 Y 225/45 R 17 W 235/40 R 18 W
Radgröße 7,5 x 17" 8 x 17" 8 x 18"
Abgas CO2 144 g/km 128 g/km 144 g/km
Verbrauch* 6,7/4,7/5,5 l 6,0/4,1/4,8 l 7,3/4,4/5,5 l
Tankinhalt 65 l/Diesel 61 l/Diesel 68 l/Diesel
Vorbeifahrgeräusch 73 dB (A) 75 dB (A) 73 dB (A)
Anhängelast gebr./ungebr. 1600/750 kg 1600/745 kg 1600/750 kg
Kofferraum 490–1430 l 460–1385 l 430–1241 l
Preis (wird bewertet) 37.265 Euro** 38.050 Euro*** 38.870 Euro****
*innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km; **inklusive 215 Euro für servotronic; ***inklusive Blue Performance (EU 6) 1190 Euro und 17-Zoll-Bereifung für 910 Euro; ****inklusive Fahrdynamikpaket 1150 Euro, Verbundglasscheiben 600 Euro und 18-Zoll-Bereifung für 820 Euro
Messwerte Audi BMW Volvo
Beschleunigung
0–50 km/h 3,4 s 2,7 s 3,5 s
0–100 km/h 9,1 s 8,1 s 10,1 s
0–130 km/h 14,9 s 13,3 s 17,1 s
Elastizität
60–100 km/h 6,5 s (4. Gang) 6,3 s (4. Gang) 7,7 s (4. Gang)
80–120 km/h 12,6 s (6. Gang) 12,1 s (6. Gang) 13,1 s (6. Gang)
Leergewicht/Zuladung 1618/472 kg 1594/451 kg 1719/461 kg
Gewichtsverteilung v./h. 57/43 % 49/51 % 61/39 %
Wendekreis links/rechts 11,9/11,7 m 11,3/11,1 m 12,9/12,5 m
Bremsweg
aus 100 km/h kalt 36,7 m 37,0 m 37,5 m
aus 100 km/h warm 36,5 m 36,8 m 36,4 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 60 dB (A) 61 dB (A) 60 dB (A)
bei 100 km/h 66 dB (A) 67 dB (A) 66 dB (A)
bei 130 km/h 70 dB (A) 72 dB (A) 71 dB (A)
Testverbrauch – CO2 6,1 l D – 161 g/km 5,7 l D – 152 g/km 6,1 l D – 161 g/km
Reichweite 1060 km 1060 km 1120 km

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Uli Holzwarth

Uli Holzwarth

Fazit

Angriff abgewehrt – vom neuen V60 lassen sich BMW und Audi nicht so schnell in die Enge treiben. Der Schwede landet hier auf Platz drei, vor allem wegen des geringen Platzangebots. Ein echter Verlierer ist er freilich nicht, eher eine komfortable Alternative für Genussmenschen. Platz zwei geht an den geräumigen Audi. Er muss sich dem BMW wegen des viel zu straffen Sportfahrwerks geschlagen geben. Und wegen des Klasse-Diesels des BMW, der Spurten und Sparen perfekt kombiniert. 

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