DKW 1000S von Charlie Jando

— 09.05.2008

Lebenswerk Tuning

Charlie Jando kaufte sich einen 63er DKW 1000S, um all das damit anzustellen, wovon er in seiner Jugend geträumt hatte. Und er wollte damit auch noch ein Rennen fahren – ein Rennen gegen sich selbst.



Als tunen noch "frisieren" hieß, waren Schrauber in erster Linie darum bemüht, auch das Letzte an PS aus dem Motor ihres Autos zu kitzeln. Zu jener Zeit hat sich Leistung eben noch gelohnt. Schließlich gab es bis Mitte der 60er-Jahre kaum einen Porsche mit mehr als 90 Pferdchen unter der Haube. Und Sportwagen aus Zuffenhausen waren in Tuning-affinen Kreisen schon damals das Maß aller Dinge. Wer es 1967 achtzehnjährig zu einem Führerschein und mehr als einem alten VW Käfer gebracht hatte, galt schon fast als Privilegierter. Mit einem DKW 1000 S Jahrgang 63 war man jedenfalls "ganz weit vorn". Nichts, was einen Charlie beeindruckt hätte. Ihn beschäftigten ganz andere Dinge.

Das letzte Rennen im aufgemotzten DKW

Dieser DKW ist Charlie Jandos Lebenstraum. Der 1000er wurde von vorne bis hinten aufgemotzt.

Dieser DKW ist Charlie Jandos Lebenstraum. Der 1000er wurde von vorne bis hinten aufgemotzt.

Wie gern hätte Charlie seinen DKW richtig aufgemotzt, um den Geldadel mit einem Wolf im Schafspelz so richtig aufzumischen. Doch dazu fehlten nicht nur die finanziellen Mittel. Es mangelte auch an geeignetem Material, das einer Mehrbelastung standhielt. Tuning machte ein Auto weniger zuverlässig und alles andere als langlebiger. Dinge wie Niederquerschnittsreifen und dreiteilige Aluräder harrten noch ihrer Erfindung. Heute, 40 Jahre später, sieht die Sache vollkommen anders aus. Charlie sieht jedoch leider fast gar nichts mehr. Er gilt amtlich als blind. Seine Weitsichtigkeit hat der ausgesprochen jung gebliebene Auto-Freak deshalb aber keinesfalls verloren. Das veranlasste ihn nun, erneut einen DKW 1000 S zu kaufen, um all das damit anzustellen, wovon er in seiner Jugend geträumt hatte. Darüber hinaus beabsichtigt er, sein letztes Rennen damit zu bestreiten – ein Rennen gegen sich selbst.

Der "Abi '67"-Aufkleber darf nie verblassen

Derart verbreiterte Kotflügel sind natürlich nicht original – aber schick anzusehen.

Derart verbreiterte Kotflügel sind natürlich nicht original – aber schick anzusehen.

Die Sponsoren setzen also in jedem Fall auf einen Sieger! Früher war das vor dem Start nicht unbedingt klar, doch immerhin gewann Charlie die bayerischen Slalom-Meisterschaften der Amateure 1975, 76 und 77. 1976 fuhr er sogar den deutschen Meistertitel ein, und 1978 stand er nach verschiedenen Rundstreckenrennen im seriennahen Audi 50 mehrfach auf dem Treppchen. Eine 1999 einsetzende, rasch fortschreitende Erblindung konnte den Motorsportler nicht entmutigen. Wie gesagt – er wollte wieder einen 1000 S haben, einen 63er, natürlich mit Scheibenbremsen vorn. 40 Jahre Tuningerfahrung und einige Errungenschaften des technischen Fortschritts sollten daraus ein Gefährt machen, in dessen Heckscheibe der Aufkleber "Abi ’67" niemals verblassen würde. Es ist keineswegs einfach, einem dreizylindrigen Zweitakter, dessen Hubraum knapp unter einem Liter liegt, 80 PS zu entlocken. Mit einer Transistorzündung allein war es jedenfalls bei Weitem nicht getan. Die Kolben bedurften liebevoller Bearbeitung.

1,0 Liter Hubraum und 80 PS

Sämtliche Atemwege wurden geweitet und geglättet. Ansaugseitig krönt das Ganze ein 40er-Weber-Doppelvergaser, während die Abgasführung in einer seitlich unter dem Fahrzeug hervortretenden Brülltüte endet. Logisch auch, dass man nach einem D-KW-Gewindefahrwerk vergeblich fahndet. Für Autos mit Querblattfederung und Schwebeachse gibt es keine edelstählerne Problemlösung. Charlie musste daher ganz tief in die Trickkiste greifen, wobei ihm die Spezialisten von Bilstein hilfreich zur Seite standen. Im wahrsten Sinne des Wortes angemessene 17 Zoll-Räder entstanden bei Kerscher. Die hinteren Kotflügel gingen deswegen pro Seite um 45 Millimeter in die Breite. Auf den Rennschalen liegen zwei nagelneue Bell-Helme bereit. Einer für Charlie und einer für seinen Bruder, der fleißig an diesem Projekt mitgeschraubt hat.

Autor: Guido Naumann

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