Duesen Bayern Mystar

Duesen Bayern Mystar

— 12.01.2004

Der Stern von Nagoya

Sushi oder Weiwurst, Reis oder Sptzle? Der Kompromiss heit Duesen Bayern Mystar. Sieht aus wie ein Mercedes-Benz, ist ein BMW und kommt augenzwinkernd aus dem Land des Lchelns.

Mercedes-Benz 190 SL lsst gren

Duesen Bayern. Duesen Bayern? Wie um alles in der Welt kommt jemand auf so einen Firmennamen? Noch dazu, wenn man in Japan residiert und mit Ottomotoren hantiert statt mit Flugzeugantrieben? Und ein blau-weies Propeller-Emblem prangt auch nicht auf dem neuesten Produkt, sondern so etwas wie ein Stern. Die spinnen, die Japaner. Oder doch nicht? Kenji Takehora, PR-Mann bei Duesen Bayern, lchelt verschmitzt: "Die Erklrung ist eigentlich ganz einfach", sagt er freundlich. "Sie werden das schon verstehen, wenn Sie Ihren Besuch beendet haben ..."

Okay, lassen wir uns auf die Folter spannen. Wir befinden uns im Sdosten Japans. Genauer gesagt in Nagoya. Hier in den Industriegebieten der Zweimillionenstadt keine 20 Kilometer entfernt vom Toyota-Hauptsitz Toyoda hat fast jeder zweite Betrieb mit der Autoindustrie zu tun. Ein perfekter Ort fr eine kleine Exoten-Schmiede wie Duesen Bayern. Und hier entsteht der ganze Stolz der Firma: der Duesen Bayern Mystar.

Von weitem sieht der "Meinstern" wie er wrtlich bersetzt und vielsagend heit aus wie der legendre Mercedes-Benz 190 SL aus den Fnfzigern. Irgendwie fehlt die schwungvolle Eleganz der Karosserie, die damals vor allem Frauenherzen dahinschmelzen lie. In den USA schaffte es der echte Benz zum Film: Grace Kelly machte in "Die oberen Zehntausend" eine glnzende Figur am Steuer. Daheim bei uns buhlte die Frankfurter Edelprostituierte Rosemarie Nitribitt im 190 SL um prominente Kundschaft ihr gewaltsames Ableben vermehrte den skandaltrchtigen Ruhm ihres Dienstwagens sogar.

Waschechter Bayer unterm Schwabenrock

Htte sie sich auch im Mystar so gekonnt gerkelt? Der wirkt bei nherem Hinsehen eher wie eine eigenwillige Bausatz-Interpretation. Und ehrlich gesagt: Er ist es auch. Denn unter dem Schwabenrock befindet sich ein waschechter Bayer. Die gesamte Basis samt Antriebsstrang, das komplette Interieur mit Cockpit, Innenverkleidung, Schaltern alles stammt vom BMW Z3. Auch die Motorenpalette vom 2,0- bis zum 3,0-Liter haben die Japaner bernommen.

BMW... Mnchen ... Bayern ... Bayern! PR-Mann Takehora grinst. "Genau", besttigt er den Gedanken. "Das Wort "Bayern" ist eine kleine Verbeugung an die Herkunft von BMW. Denn ohne den Z3 gbe es auch keinen Mystar."

Whrend wir noch ber den Zusatz "Duesen" rtseln, heit uns Chefdesigner Kudo Takuya willkommen. Was sofort auffllt: In seinem Bereich geschieht alles in Handarbeit. Der Weg vom Entwurf bis zum fertigen Auto war genauso "klassisch" wie das Design des Mystar. Computer-Retuschen? Gibt es nicht. Ausschlielich Zeichnungen dienten als Vorlagen fr das handgemachte Tonmodell. Als Nchstes entwarfen die Duesen-Konstrukteure eine Fiberglas-Schale, die als Basis fr die Karosserieteile verwendet wurde.

Markante 300-SL-Lftungsschlitze

Die BMW-Roadster, auf denen die Mystar aufbauen, sind alles gebrauchte Z3 mit einer Laufleistung zwischen 15.000 und 20.000 Kilometern, keiner lter als September 1999. Grundstzlich werden BMW-Komponenten wie Kotflgel, Fronthaube oder Heck entfernt nur die Tren bleiben an ihrem Platz. Dadurch soll die Torsionssteifigkeit der Karosserie gewahrt und der seitliche Aufprallschutz gewhrleistet werden. Hinter der vorderen Chromstostange garantiert eine Spezialanfertigung Schutz bei einem Frontalcrash. Sind die neuen Fiberglas-Anbauteile montiert, wird die gesamte Karosse zum Abschluss gesandstrahlt. Dann noch eine der sechs lieferbaren Farben (Wei, Gelb, Rot, Silber, Blau, Schwarz) auswhlen fertig.

Unser Vorfhrmodell ist eine echte Nullnummer (Entwicklungsmodell Nr. 000) und erstrahlt in klassischem Silber. Darin macht der Mystar eine recht gute Figur. Die Front mit den typischen Knopfaugen-Scheinwerfern reicht weitgehend an das 55er Original heran. Schn sind die wiederbelebten "Hrner" in der Chromstostange. Und auch die seitlichen Chromleisten ber den Radhusern finden sich beim Mercedes-Benz wieder.

Beim Kotflgel haben die Konstrukteure des Mystar allerdings ein bisschen gemogelt. Sie entwarfen eine Kreuzung aus 190 SL und 300 SL, indem sie die markanten 300-SL-Lftungsschlitze in die Kotflgel des kleinen Bruders integrierten. Abgerundet wird das uere Erscheinungsbild mit einem etwas krzeren Heck als beim Original. Dadurch verliert der Mystar zwar an Eleganz, gewinnt aber an Dynamik. Sagt Duesen Bayern.

Biederes Z3-Groserien-Interieur

Innen kann der schwbische Bayern-Japaner leider nicht halten, was die Verpackung verspricht. Der Anblick der durch integrierte Kopfsttzen hoch herausragenden BMW-Seriensitze passt so gar nicht zur klassischen Linie des Mystar. Und auch beim Blick ins Cockpit macht das Auge keine Freudensprnge: Alles ist nchtern-funktional angeordnet, sehr gut verarbeitet und prima ablesbar Z3 pur.

Im Grunde ist auch die Frage mig, wie sich der Mystar fhrt: Fast genauso wie der Z3 Bremsen, Fnfstufenautomatik, Leergewicht (1380 Kilo) und Motor haben sich nicht gendert. Der Dreiliter-Reihensechszylinder schnurrt mit seinen 231 PS im "Bayern"-Roadster genau wie im Roadster aus Bayern.

Trotzdem ist es ein merkwrdiges Gefhl, in einem Oldie samt frisch veralteter Technik zu sitzen. ber mangelnde Aufmerksamkeit der Passanten knnen sich Mystar-Besitzer jedenfalls nicht beklagen. Wenn ein Japaner staunt, ist das nicht zu bersehen ...

In zwei Jahren Europa-Export geplant

Im Moment beluft sich die aktuelle Mystar-Produktion auf drei bis vier Fahrzeuge im Monat. Zwlf Wagen haben die kleinen Werkshallen bis jetzt verlassen, und die Auftragsbcher sind voll. "Wenn alles gut luft, wollen wir in zwei Jahren auch nach Europa exportieren", sagt Takehora.

Vorerst will sich die kleine Firma aber auf dem japanischen Markt behaupten. Dort kostet ein Mystar je nach Motorisierung zwischen 5,5 und sieben Millionen Yen (rund 43.000 bis 54.000 Euro). Viel Geld fr einen Gebrauchtwagen mit halbechter Retro-Karosserie, aber zumindest in Japan gibt es genug Interessenten, die Oldtimer mit Neuwagen-Komfort fahren wollen. Takehora ist sich sicher: Der Duesen Bayern Mystar wird sich in Japan ganz bestimmt einen Namen machen.

Apropos Namen: Da war doch noch was. Richtig was ist nun mit "Duesen"? "Das stammt von der amerikanischen Marke Duesenberg", erklrt uns Takehora stolz. Zur Erinnerung: Die deutschstmmigen Konstrukteure Fred und August Duesenberg bauten in den 30er Jahren unter ihrem Namen Gefhrte, die zu den teuersten und nobelsten Autos der Welt zhlten. Soso. Duesenberg, BMW, Mercedes-Benz bei der Auswahl der "Zutaten" fr ihren Mystar haben sich die Japaner wohl an Oscar Wilde gehalten: "Von allem nur das Beste!"

Technische Daten Reihensechszylinder, vorn lngs 4 Ventile je Zylinder Hubraum 2979 cm3 Leistung 170 kW (231 PS) bei 5900/min maximales Drehmoment 300 Nm bei 3500/min Hinterradantrieb Fnfstufenautomatik rundum Einzelradaufhngung, Querlenker vorn Scheibenbremsen, vorn belftet Reifen 245/40 ZR 17 rundum Rder 9 x 17 Lnge/Breite/Hhe 4660/1750/1280 mm Radstand 2445 mm Leergewicht 1380 kg Kofferraumvolumen 145 l Tankinhalt 51 l 0100 km/h in 6,0 s Hchstgeschwindigkeit 240 km/h Preis 54.000 Euro

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