Fahrbericht Ford Mustang GT

Fahrbericht Ford Mustang GT Fahrbericht Ford Mustang GT

Fahrbericht Ford Mustang GT

— 06.10.2004

Mythos Mustang

Der neue Mustang erinnert wieder stark an sein kultiges Vorbild aus den 60ern. Leider will Ford ihn nicht zu uns bringen. Vorerst jedenfalls.

300 PS – soviel wie noch nie im Mustang

Kein Auto in der Geschichte Amerikas hat soviel Staub aufgewirbelt wie der Mustang. Weder 1930 der 16-Zylinder-Cadillac, noch 1953 die legendäre Chevrolet Corvette. Was sich im April 1964 in der Neuen Welt bei den Ford-Händlern abspielte, ist einmalig. Hunderte von Kunden campierten über Nacht vor den Türen der Showrooms, nur um eines der ersten Exemplare zu ergattern. Und am Ende des Tages lagen 22.000 Bestellungen vor.

Auch wenn mit dem neuen Mustang, der mittlerweile achten Auflage, wahrlich kein schlechter Wurf gelang, wird sich so eine Euphorie nicht wiederholen. Wahrscheinlich sogar nie mehr. Retro-Designer J. Mays, der unter anderen den VW New Beetle oder die Neuinterpretation des Ford Thunderbird schuf, zeichnete einen klassischen GT, ganz so, wie ihn die Amerikaner lieben: lange Schnauze, muskulöse Flanken, kurzes Heck.

Der Neue erinnert stark und sicher nicht zufällig an das 66er Modell, als der Mustang noch Fastback GT hieß. Ebenso klassisch ist der Antrieb. Er hört auf die Zahl 281. US-Spezis wissen sofort, was gemeint ist: Hubraum, gemessen in Kubik-Inch. Macht umgerechnet 4,6 Liter. Verteilt auf acht Zylinder natürlich, die 300 PS an die Hinterräder schicken. Die höchste Power, die Ford jemals seinem Wildpferd serienmäßig spendierte. Zwar gibt es den Wagen auch mit einem Sechszylinder (210 PS), doch diese Version gilt unter den Mustang-Machos als Fall für Sekretärinnen.

Retro der "Roaring Sixties" im Cockpit

Innen setzt Mays auf schnörkellose Symmetrie, mit kleinen Anlehnungen an die großen Sechziger: Chromringe um Luftaustrittsdüsen und Armaturen, geschlitztes Dreispeichenlenkrad. Ja selbst das Design der Ziffern ist wie damals. Retro der "Roaring Sixties". Mit einem Unterschied. Als Gimmik ließen sich die Ford-Elektroniker "My Color" einfallen. Dahinter steckt die Idee, sich die Instrumentenbeleuchtung selbst zu konfigurieren – 125 Farben sind möglich. Würde sich vielleicht mancher Golf-Fahrer auch wünschen, der das blaue Licht nicht mehr sehen kann.

Überraschend stimmig ist die Qualität im Mustang. Von amerikanischer Schludrigkeit nichts zu spüren. Die Oberflächen fühlen sich gut an, das Billigplastik des Vorgängers flog komplett raus. Fahrer und Beifahrer genießen ausreichend Platz. Eine angenehme Sitzposition findet sich schnell, auch wenn das Lenkrad nur in der Höhe, nicht aber in der Tiefe verstellbar ist.

Klagen kommen höchstens aus dem Fond. Der GT hat dort zwar Sitze, doch die sind Erwachsenen schlichtweg nicht zumutbar. Mag man die Beine noch so hinter die Vordersitze quetschen, der Kopf stößt direkt gegen die Heckscheibe. Unbequemer geht's wirklich nicht. Also besser die Rücksitzlehnen ganz umklappen und den Mustang so nutzen, wie Ford in einst erschaffen hat: als sportlichen Zweisitzer.

Europäisch straffes Fahrwerk

Zum Glück hat der V8 seinen herrlichen Sound behalten. Das weckt den Steve McQueen (Bullit, 1968) in uns. Nur sollte hierzu vorher das ASR raus (heißt bei Ford TCS, Traction Control System). Knopfdruck genügt. Wer es drauf anlegt, kann jetzt mit dem Mustang filmreife Drifts hinlegen oder an der Ampel die Reifen zum Rauchen bringen. Er schafft dann natürlich nicht die versprochenen sieben Sekunden auf hundert.

Aber was soll's? Show zählt beim Mustang ohnehin mehr. Hätte er sonst einen Heckspoiler? Natürlich völlig Banane so ein Hecktablett. Vor allem hier in Kalifornien, wo wir den ersten Ausritt wagen durften. Mit Highspeed über den Freeway oder wildes Kurvenräubern auf dem Pacific Coast Highway haben wir uns schweren Herzens verkniffen. Die spiegelbebrillten Sheriffs im Sonnenstaat sind ebenso cool wie gnadenlos. Mehr als 65 Meilen (105 km/h) wird richtig teuer.

Aber gute Anlagen, das spürt man schon jetzt, sind durchaus vorhanden. Das Fahrwerk fühlt sich europäisch straff an, die Lenkung reagiert ungewohnt direkt, und auch die Schaltung flutscht knackig durch die Gassen. Okay, die Schaltwege könnten etwas kürzer sein.

Technische Daten und Preise

Insgesamt ist der Mustang ein GT, wie er eigentlich auch gut nach Europa passen würde. Aber noch macht Ford für sein Wildpferd offiziell nicht das Gatter auf. Doch jede Wette: Es werden trotzdem schnell welche bei uns auftauchen. Schon wegen des Preises. Der GT kostet in den USA nur 24.995 Dollar, also rund 21.000 Euro. Die Sechszylinderversion gibt es bereits für 19.410 Dollar. Günstiger ist ein V8 mit 300 PS nicht zu bekommen. Die Grauimporteure reiben sich schon jetzt die Hände.

Technische Daten V8-Motor, vorn längs eingebaut • je eine obenliegende Nockenwelle • drei Ventile pro Zylinder • Bohrung x Hub 90,2 x 90 mm • Verdichtung 9,8:1 • Hubraum 4606 cm3 • Leistung 220 kW/300 PS bei 5750/min • maximales Drehmoment 434 Nm bei 4500/min • Fünfganggetriebe • Hinterradantrieb • ASR • Einzelradaufhängung vorn • Starrachse hinten • vier Scheibenbremsen • ABS • Reifen 235/55 ZR 17 • Kofferraum 371 l • Tank 62 l • Länge/Breite/Höhe 4780/ 1877/1407 mm • Leergewicht 1580 kg • Preis 24.995 Dollar

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