Fiat Barchetta (ab 1995)

Fiat Barchetta (ab 1995) Fiat Barchetta (ab 1995)

Fiat Barchetta (ab 1995)

— 25.02.2002

Viel Ärger für die Anhänger

Die italienische Primadonna ist für jede Überraschung gut. Noch immer müssen ihre Verehrer zu Zugeständnissen bereit sein.

Emotionen kontra Erfahrungen

Keine Frage, aufregend ist der Fiat Barchetta im klassischen Stil zweisitziger Rennwagen. Hoch gewölbte Kotflügel, seitliche Blechfalten und ein stramm gezeichnetes Heck verraten die Nähe zum legendären Ferrari 166 (1948-51) deutlich. Das schürt Emotionen und führte schnell zu einer großen Fangemeinde (im Internet unter www.neidiger.de alles rund um den Barchetta-Kult). "Sonne für die Seele, Fahrspaß aus dem Drehzahlkeller und offene Verführung", hieß es nach den Fahrtests, die erste Sommerproduktion war schnell verkauft.

Doch im Alltag zeigte die italienische Primadonna sehr schnell ihr anderes Gesicht. So klemmte die erste Konstruktion des Verdeckgestänges leicht die Dachhaut ein, verursachte Scheuerstellen oder im schlimmsten Fall Löcher. "Offen für alles" wurde das Schlagwort für den 95er Jahrgang, den gleich drei Undichtigkeiten quälten: Die schlecht versiegelten Rückleuchten liefen voll Wasser, das wiederum just die Behälter der Scheibenwaschanlage nicht für sich behalten konnten. Abhalten sollten wiederum die Fensterdichtgummis den Regen. Doch trotz Nachbesserungen und späterer Querschnittsänderung (Mai 96) der Gummilippen führte die Paßungenauigkeit oft zu nassen Sitzen. "Das ist ein Cabrio und kein U-Boot" - mit diesen und ähnlichen Worten wurden Fiat-Mitarbeiter in Trockenübungen über den wahren Barchetta-Charakter aufgeklärt.

Der steht beim Publikum nach wie vor in hoher Gunst, bietet doch der Rivale zu Mazdas MX-5 ein günstiges Vergnügen unter 40000 Mark. Da werden Qualitätsschwächen am Italo-Spider noch geduldet. Dazu zählen auch kleine Dellen in den Hauben, die vor allem bei älteren Barchetta auftauchen. Das Blech war zu dünn und weich. Wer Kofferraumdeckel oder Motorhaube mit der Hand zudrückte, riskierte unschöne Beulen oder Knicks, so wie beim Testmodell von 97. Verschleiß dort schon nach kurzer Zeit im Detail: Die Blenden der Türschlösser verlieren ihre schmucke Chromschicht, das Dach scheuert im ausgefahrenen Zustand auf der Lackierung des Verdeckdeckels, und die Gummidichtungen rund um den Verdeckkasten reißen allzu schnell ein.

Technik und Innenraum

Alles unschön, aber kein Drama. Das kam erst mit dem Motor. Gerade das Triebwerk mit seinen knapp 1,8 Litern Hubraum und 131 Pferdestärken versprach Fahrspaß satt - und machte schon im ersten Jahr mit einem Trecker- oder Dieselgeräusch von sich reden. Ursache: Der Phasenschieber oder -wandler der Einlaßnockenwelle. Die variable Ventilsteuerung, erstmals von Fiat eingesetzt, sorgt bei niedrigen Drehzahlen bis 2000 Touren für mehr Leistung. Die Ventile öffnen früher, der Motor spurtet unten herum gleich richtig los.

Klingt gut, wenn es funktioniert. Tat der Wandler aber sehr schnell nicht mehr, weil seine innere Feder erlahmte. Dann begann das große Klappern im Bereich um 2000 Touren wie Nageln beim Diesel. Barchetta-Fans tauften den Wandler bald das "Dieselteil". Fiat versicherte zwar, der Sound sei nur ein Schönheitsfehler, der Motor ginge trotz Leistungsverlust nie kaputt. Doch die Kundschaft war verunsichert. Denn selbst nach der mehr als 1000 Mark teuren Reparatur tauchte der Fehler bei vielen Barchetta erneut auf. Knapp vier Jahre dokterte Fiat am Phasenschieber herum. Die aktuelle Form vom Februar 99 soll jetzt störungsfrei laufen.

Das gilt auch für die anfänglich sehr lauten Scheibenwischermotoren - die Serie wurde geändert. Fiat verbesserte ebenfalls die Gummidichtungen für die Türscheiben, die ab 120 km/h für orkanartiges Rauschen im Innern sorgten. Nur gegen das knackende Plastik der Mittelkonsole gibt es bisher keine Abhilfe. Selbst mit Dämmstreifen und einer Domstrebe konnte ein AUTO BILD-Leser seinem Barchetta das Knistern nicht abgewöhnen.

Nach vier Jahren Produktion gibt es besonders zum Herbst ein reichliches Barchetta-Angebot. Viele Besitzer sind nach wie vor von der Form begeistert, aber von der Qualität enttäuscht - und verkaufen. Das hat die Preise schnell gedrückt. Vierjährige Barchetta notiert DAT mit 20000 Mark, zweijährige nur 5000 Mark darüber. Für den Preisrutsch mitverantwortlich sind Import-Fahrzeuge (im Kfz-Brief vermerkt) aus den Jahren 95/96. Sie waren im Schnitt 20 Prozent günstiger und werden entsprechend billiger gehandelt. Kleines Geld für ein schickes Cabrio. Dann müssen Barchetta-Fahrer jedoch auch bereit sein, einiges an Ärger in Kauf zu nehmen.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 5/95 Neueinführung des Spider auf verkürzter Basis des Punto. Zweisitzer mit neuer 1,8-Liter-Maschine 16V (131 PS). Serie: Fahrerairbag, Sportsitze, elektrische Fensterheber, Wegfahrsperre, Radio. Basispreis ab 36800 Mark • 2/96 Beifahrerairbag serienmäßig. Basis ab 37650 Mark • 8/97 ABS serienmäßig. Basis ab 37990 Mark • 1/98 Sondermodell "Limited Edition" in Titansilber oder Stilfser-Joch-Grün. LM-Felgen, Leder, ABS, ZV für 41346 Mark • 3/99 Sondermodell "Limited Edition 99" in den Farben Corsarot und Seidenschwarz. LM-Felgen, Leder, ABS, ZV. Preis: 42990 Mark.

Schwachstellen Phasenversteller der Einlassnockenwelle, auch "Dieselteil" genannt. Wenn der Spider wie ein Trecker klingt und deutlich zu wenig Leistung hat, dann ist dies Teil kaputt. Reparaturkosten: mehr als 1000 Mark. Obwohl bei einigen Barchetta der Phasenversteller mehrfach getauscht wurde, tritt der Fehler immer wieder auf. Fiat verspricht Abhilfe mit der neuen Version seit Februar 99. • Gummiprofile des Verdecks sind schlecht geformt, produzieren Windgeräusche und garantieren früher oder später einen Wassereinbruch. • Rücklichter oft undicht - auch Scheinwerfer vorn auf Nässe prüfen. • Verdeckgestänge beschädigte bei den ersten Modellen die Dachhaut. • Motoren der Scheibenwischer mit nervigen Klickgeräuschen. • Dellen in Motorhaube und Heckdeckel wegen zu dünnen Blechs. Vorsichtsmaßnahme: Hauben fallen lassen.

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Fiat Barchetta 1.8, 96 kW/131 PS, Bj. 96. Kleiner Spider, große Preise: Teure Aggregate, aufwendige Reparaturen und ein Blechkleid mit geschweißten Kotflügeln - das geht richtig ins Geld.

Fazit und Urteil

Fazit Der Barchetta ist ein typischer Italiener - leider. Eine schnittige Karosserie, unter der etliche Detailmängel stecken. Dabei sind knisternde Plastikteile der Konsolen durch Verwindungen noch harmlos. Ärgerlicher sind undichte Gummis an den Türscheiben. Trotz vieler Nacharbeiten durch Fiat werden sie selten wasserdicht. Das aufgeklappte Dach scheuert den Lack auf der Verdeckklappe kaputt, und Türschlossblenden können einfach abfallen. Den größten Imageschaden verursacht aber der Motor. Der Phasenwandler des sonst spritzigen 1,8-Liters kann schon nach 10000 Kilometern kaputt sein. Dann läßt die Leistung spürbar nach, und der flotte Spider klingt nur noch wie ein alter Trecker.

AUTO BILD-Urteil: Bedingt empfehlenswert

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