Ford Explorer (1993-2001)

Ford Explorer (1993-2001)

— 16.05.2002

Raumgleiter ohne Nachfolger

Von 1993 bis 2001 bot Ford in Deutschland den Explorer aus den USA an. Wer jetzt einen will, muss ihn gebraucht nehmen, weil Ford den Nachfolger bei uns nicht mehr verkauft.

Modellpolitik und Dollarkurs

"Warum bietet Ford das neue Modell des Explorer nicht in Deutschland an?" - Diese Frage war auf nahezu jedem dritten der von den Lesern von AUTO BILD alles allrad eingesandten Fragebgen von Hand notiert. Die Antwort ist so einfach wie traurig: Weil sich fr Ford der Verkauf in Deutschland nicht mehr rechnen wrde.

Gebrauchtwagensuche: Ford Explorer



Das liegt vor allem am stark gestiegenen Kurs des Dollar, der in Wahrheit die Schwche des Euro nutzt. Die Gewinnspanne fr einen in Europa verkauften Explorer wre fr Ford gering. Das wrde sich nur bei greren Stckzahlen rechnen, die aber hierzulande nicht zu erwarten sind, solange es keine Dieselversion des Explorer gibt. Und die gibt es wiederum nicht, weil sich die Amerikaner nach wie vor nicht mit lauten und komplizierten Motoren sowie stinkenden und schmierigen Zapfsulen anfreunden knnen. Erst ab 2004 wre ein annehmbarer Diesel-Explorer vorstellbar, weil Dieselmotoren-Partner Peugeot bis dahin fr Ford einen adquaten 2,7-Liter-V6-TDI mit 175 PS fertig gestellt haben will.

Als es die D-Mark noch gab, konnte Ford den Explorer in Deutschland zu attraktiven Preisen anbieten. Der Dollar-Kurs war niedriger, der Einkauf in den USA profitabler. Und deshalb finden sich gehuft die Jahrgnge bis 1997 auf dem deutschen Gebrauchtwagenmarkt. Ab 1998 musste Ford den Neupreis fr den Explorer deutlich anheben, weil der Dollar stieg. Und schon blieben die Kufer weg.

Motor und Marktlage

Wer einen Ford Explorer will, hat beste Aussichten, denn das Angebot an gebrauchten Exemplaren bersteigt die Nachfrage. Wegen der gestiegenen Spritpreise wollen sich viele von ihrem Amerikaner trennen und auf einen der heute so gefragten Turbodiesel umsteigen. Ob das angesichts des hohen Risikos an Motordefekten bei den heutigen Turbodieselmotoren eine weise Entscheidung ist oder nicht, muss jeder mit sich selbst ausmachen.

Tatsache ist jedoch, dass gebrauchte Explorer hufig wie Blei bei den Hndlern stehen und derzeit auch von privat nur schwer zu verkaufen sind. Das drckt momentan gewaltig auf die Preise, und so kommt man bisweilen sehr gnstig zu einem gut erhaltenen Exemplar. Der gnstige Einstandspreis gleicht denn auch den relativ hohen Benzinverbrauch des vier Liter groen V-Sechszylinders wieder aus. Mit 15 Liter Normalbenzin/100 Kilometer sollte man im Alltag rechnen, die strkeren Versionen ab 1997 mit 207 beziehungsweise 204 PS sind im Schnitt 0,5 Liter sparsamer.

Auch bei zurckhaltender Fahrweise kommt man jedoch nicht unter 11,5 Liter/100 km, und wer auf der Autobahn gern Tempo 160 whlt, muss bereits mit 17 Liter/100 km rechnen. Alle Explorer bis Baujahr 1999 werden bei echten 170 km/h etwas unsanft abgeregelt. Nur die letzte Version ab Ende 1999 mit 204 PS (150 kW), verbesserten Bremsen und etwas hrteren Stodmpfern ist nicht elektronisch abgeregelt und erreicht echte 191 km/h.

Automatik und Getriebe

Dennoch gehren Schnellfahrten nicht zu den Strken des Explorer, unabhngig vom Modelljahr. Die Auswertung der Fragebgen zeigt, dass die bisweilen vorkommenden Getriebeschden (4,8 Prozent der Leserfahrzeuge) gehuft mit recht hohen Angaben ber den Benzinverbrauch in Zusammenhang stehen. Zwischen 80.000 und 120.000 Kilometer macht dann das Getriebe schlapp. Umgekehrt ist auffllig, dass von Fragebogeneinsendern mit relativ niedriger Verbrauchsangabe ganz selten Getriebeschden angegeben werden, selbst wenn der Kilometerzhler die 200.000-Kilometer-Marke schon deutlich berschritten hat.

Der Rekordhalter dieses Praxistests kam mit seinem Explorer auf 292.000 Kilometer - ohne Getriebeschaden; er gab allerdings typischerweise einen Verbrauch von gemigten 13,5 Liter/100 km an. Insgesamt lsst dies den Rckschluss zu, dass das Automatikgetriebe hohe Dauergeschwindigkeiten mit berdurchschnittlichen Ausfallquoten quittiert. Bei der Probefahrt sollte man deshalb intensiv das Automatikgetriebe ausprobieren. Sprbare Schaltrucke, verzgertes Herauf- oder Herunterschalten sind Alarmzeichen. Ebenso brunliche oder trbe Verfrbungen im idealerweise klaren und erdbeerroten Automatikl, dass ber den separaten Messstab des Getriebes gut kontrolliert werden kann.

Intensiv testen sollte man auch die elektrischen Umschaltmglichkeiten des Verteilergetriebes fr den Allradantrieb. Beim Explorer I werden Allradantrieb und Gelndeuntersetzung per Drucktasten gesteuert, beim Explorer II geschieht dies ber einen Drehschalter. Bei beiden Versionen gibt es zuweilen Strungen am Verteilergetriebe (sechs Prozent), das man am besten dadurch kontrolliert, dass man smtliche Schaltstellungen nacheinander ausprobiert und dazwischen einige Dutzend Meter geradeaus fhrt.

Leser-Erfahrungen

Whrend der Probefahrt checkt man noch, ob die Klimaanlage funktioniert. Nach der Fahrt prft man, ob am Khler oder den Schluchen grnes Wasser austritt. Getriebe- und Khlerprobleme sind auch die einzigen Dinge, die beim Explorer zu einer Panne fhren knnen. Der Ami hat ein sehr zuverlssiges Startverhalten, und selbst die durch Getriebe- und Khlerprobleme ein wenig getrbte Pannenquote liegt noch bei guten fnf Prozent.

Fr immerhin 37 Prozent der Einsender des Fragebogens ist der Explorer nicht der erste Gelndewagen. Recht oft wurden davor ltere Allradler aus Japan gefahren. Der Zweitwagenanteil liegt bei 51 Prozent, hufig findet man dabei kleinere Ford-Pkw. Eher schlechte Noten erhalten die Ford-Werksttten. 41 Prozent der Fragebogeneinsender sind nicht zufrieden mit der Arbeitsleistung. Der Preis fr eine groe Inspektion liegt nach Leserangaben bei durchschnittlich 430 Euro.

Mager sieht die Wiederkaufquote aus. Klar, als Neuwagen wre der neue Explorer III nur ber den freien Import erhltlich. Nur 65 Prozent der Einsender wrden wieder zum Explorer greifen, wobei hufig bedauert wird, dass es keinen Diesel gibt. Entsprechend whlen die Abwanderer Mercedes ML 270 CDI und BMW X5 3.0d. Immerhin fnf Prozent bleiben Ford doch treu und whlen den Maverick V6.

Historie, Schwchen, Kosten

Modellgeschichte 1989 Modelleinfhrung des Explorer in den USA mit 4,0-Liter-V6-Benziner (165 PS) und Zuschalt-Allrad (Lnge als Viertrer: 4,68 m); Tankinhalt 72 Liter 1993 Deutschland-Einfhrung des viertrigen Explorer mit Automatik 1995 Facelift (Explorer II) mit neuer Frontpartie, Chromstofngern, neuen Heckleuchten; neuer Innenraum mit Airbags; permanenter Allradantrieb, neue Vorderachse (mehr Bodenfreiheit), neue Bremsen; 4.0 V6 jetzt 156 PS, Auenlnge jetzt 4,79 m, 80-Liter-Tank 1997 4.0 V6 mit oben liegenden Nockenwellen: 207 PS; ab 99: 204 PS 2001 Ablsung in den USA durch Explorer III; kein Deutschland-Import

Schwachstellen die innen belfteten vorderen Bremsscheiben halten beim relativ schweren Explorer je nach Fahrweise zwischen 40.000 und 80.000 km vor Rost ist der Explorer mig geschtzt. Die unteren Bleche sind zwar verzinkt, aber kaum versiegelt der Auspuff hlt dafr etwa acht Jahre die Getriebe machen in seltenen Fllen rger. Sowohl das Automatikgetriebe als auch das Verteilergetriebe mussten bei knapp fnf Prozent der Leserfahrzeuge ausgetauscht werden; meist nach rund 100.000 km, meist bei flotten Fahrern. Lstige Undichtigkeiten kommen beim Explorer selten vor die Zuverlssigkeit des Explorer ist sehr gut; das lieben die Amerikaner Probleme beim Anspringen machten weniger als drei Prozent der Leser-Explorer; fast immer lag es an der Wegfahrsperre eine Panne auf freier Strecke erlitten auch nur fnf Prozent. Grnde: Defekt an Khler oder Schluchen, seltener das Getriebe

Reparaturkosten Preise inklusive Mehrwertsteuer am Beispiel eines Ford Explorer 4.0 SOHC mit 207 PS, Baujahr 1998. Fr Motoren und Automatik gibt es annehmbare AT-Preise. Teuer sind Bremsscheiben und Anlasser, billig ist der Auspuff.

Fazit und Technik

Fazit "Der Explorer ist ein typisch amerikanisches Auto: robust, zuverlssig, problemlos bedienbar und gerumig. Typisch auch, dass die Hohlraumversiegelung fehlt, mal die Farbe an ein paar Plastikteilen abblttert und die Getriebe deutschen Schnellfahrern offenbar nicht immer gewachsen sind. Man sollte mit dem Explorer so fahren, wie die Amerikaner das tun." Martin Braun, Redakteur AUTO BILD alles allrad

Technik Allradantrieb: Explorer I mit zuschaltbarem Allradantrieb (bis 80 km/h whrend der Fahrt), Gelndeuntersetzung. Explorer II mit permanentem Allrad ber elektronisch geregelte lbadlamellenkupplung; Gelndeuntersetzung Aufbau: Leiterrahmen, aufgeschraubte Karosserie Verbrauch: I - 165/156 PS: 15 l Normal; II - 207/204 PS: 14,5 l/100 km Normal Hchstgeschwindigkeit: 165/156/207 PS: 170 km/h; 204 PS: 191 km/h

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