Capito

Formel 1: Interview Jost Capito

— 24.08.2016

2017 kein schlechter McLaren

Volkswagen-Motorsportchef Jost Capito wechselt in der nächsten Woche aus der Rallye-WM zu McLaren in die Formel 1. Hier spricht er über Ogier, Alonso und Co.

Herr Capito, vom Volkswagen-Motorsportchef wechseln Sie in der kommenden Woche als Geschäftsführer zu McLaren in die Formel 1, werden in Spa das Team schon einmal beobachten. Wie besonders war es am Sonntag, zum Abschied noch einmal die Rallye Deutschland zu gewinnen?

Jost Capito: Wenn schon die letzte Rallye, dann will man diese natürlich auch gewinnen (lacht). Ist natürlich ein komisches Gefühl, wenn man von der ersten Rallye an dabei war. Aber das Team ist in guten Händen. Das klappt auch ohne mich, das ist kein Problem.

Wenn Sie zurückblicken: Was bleibt hängen von der Zeit in der Rallye WM?

Bei VW tritt Jost Capito nach vielen Erfolgen ab

Alles. Von Anfang an war jeder Tag super gut. Speziell war die Rallye Deutschland letztes Jahr, als wir bei der Heimrallye einen 1-2-3-Sieg feiern konnten. Das bleibt natürlich hängen, so wie der erste Sieg auch. Der erste Weltmeistertitel. Da gibt es so viele Sachen, wo man das eine nicht über das andere stellen kann.
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Was können Sie mitnehmen aus der Rallye-WM in die Formel 1?

Viel. Ich war früher ja auch schon in der Formel 1 (bei Sauber; d. Red.). Man lernt natürlich immer dazu. Allerdings sind das mehr Soft-Factors als Hard-Factors. Denn im Prinzip ist der Motorsport überall gleich. Es geht darum, wie man sich teamintern aufstellt.

Wann funktioniert ein Team richtig gut?

Wichtig ist zum Beispiel, dass sich jeder als Teammitglied fühlt. Egal, welche Aufgabe er auch zuhause hat. Dass man wirklich mitfiebert und 150 Prozent gibt. Und das tut man nur, wenn man sich als Mitglied des Teams fühlt und nicht als letztes Rad am Wagen, das zuhause bleiben muss.

Sie haben miterlebt, wie Sebastien Ogier zum Superstar der Rallye aufgestiegen ist. Was macht ihn so stark?

Eine Kombination aus vielen Dingen. Er ist sehr egoistisch. Ich glaube jeder, der im Motorsport als Fahrer erfolgreich sein will, muss sehr egoistisch sein und immer das beste für sich wollen. Erst kommt für ihn Rallye und dann lange nichts. Er will jede Rallye gewinnen und ist sehr ehrgeizig. Ich glaube, er wäre auch in einem anderen Sport, für den er Talent hat, an der Spitze.

Und fahrerisch?

Er fährt relativ ruhig, sehr kontrolliert und hat ein super Gefühl fürs Auto. Er spürt früher, wenn das Auto rutscht, als jeder andere. Und er merkt den Grenzbereich viel exakter.

Ist da jemand, der ihm das Wasser reichen kann?

Bei McLaren hat Jost Capito noch einige Herausforderungen vor sich

Jari Matti Latvala fährt zwar einen anderen Stil, aber er ist genauso schnell. Und es gibt bei der Rallye nicht nur eine Linie oder einen Stil wie auf der Rundstrecke. Bei der Rallye kommt es darauf an, wie einer mit dem Auto am besten umgehen kann. Ich glaube der Jari Matti ist sicher genauso schnell. Auch wenn er mehr den skandinavischen Stil fährt – also mehr quer als eine gerade Linie.

Von Ogier wechseln Sie zu Fernando Alonso, ebenfalls einem Superstar des Motorsports. Inwieweit freuen Sie sich darauf, mit ihm zusammenzuarbeiten?

Ich sehe ihn als Menschen, nicht als Superstar. Man freut sich immer, mit Leuten zusammenzuarbeiten, die spitze sind in dem, was sie tun. Das ist die Voraussetzung, um erfolgreich zu sein. Man muss auf jeder Position die Besten haben. Und mit Alonso haben wir einen sehr guten Fahrer, für mich den derzeit besten Fahrer der Formel 1. Deshalb  macht es natürlich viel Spaß, mit so jemandem zusammenzuarbeiten. Aber es ist auch anspruchsvoll. Denn solche Sportler sind grundsätzlich einfach anspruchsvoll. Aber mir macht es mehr Spaß mit Leuten zusammenzuarbeiten, die wirklich gewinnen wollen als mit Leuten, mit denen man einfach arbeiten kann.

Wie wollen Sie ihn bei McLaren halten? Er hat ja bereits angekündigt, dass er nächstes Jahr bei fehlendem Spaß aufhören könnte.

Es macht keinen Sinn mit einem Fahrer zu arbeiten, der keinen Spaß mehr hat. Und man muss auch nicht unbedingt jemanden halten, der keine Lust mehr hat. Aber ich glaube, dass die neuen Autos wieder mehr Spaß machen werden. Und auch Fernando wird wieder Spaß haben. Dabei geht es auch darum, dass die Arbeit mit dem Team gut ist. Wenn das nämlich Freude macht, dann kann man auch ein schlechtes Auto mal überspielen. Ich bin aber überzeugt: Nächstes Jahr gibt es kein schlechtes Auto bei McLaren.

Sie rechnen also damit, dass sich das Team erneut steigern kann?

Ich traue dem Team relativ viel zu. Ohne, dass ich jetzt die Details kenne. Aber auch, wenn man nur von außen sieht, wie die Entwicklung voran geht, dann haben die Ingenieure sehr gute Arbeit geleistet. Und ich glaube, da ist noch mehr zu holen.

Auch bei Honda?

Honda ist immer noch in der Lernphase, auch weil sie ja später eingestiegen sind. Aufgrund des Reglements ist es auch schwer während der Saison große Schritte zu machen. Das geht immer nur von Jahr zu Jahr. Und ich glaube die Führung, die Honda jetzt hat, versteht Motorsport und die Bedürfnisse vom Team. Die Zusammenarbeit scheint jedenfalls sehr gut zu sein. Und dass die Basis, damit es wieder in die richtige Richtung geht.

Sind Sie bereits in gewisse Entscheidungen eingebunden?

Nein, bis zum 31. August bin ich noch bei Volkswagen. Das macht auch keinen Sinn. Man muss alle Informationen haben und dafür muss man immer vor Ort sein. Ansonsten trifft man Fehlentscheidungen.

Das zweite Cockpit ist ja noch offen. Werden Sie ab 1. September auch noch in die Fahrer-Entscheidung eingebunden und haben Sie sich da schon Gedanken gemacht?

Ja.

Wäre der Mix aus Fernando Alonso und dem aufstrebenden Stoffel Vandoorne ein guter?

Ich glaube, Stoffel ist generell reif genug für die Formel 1. Das hat er in Bahrain ja auch gezeigt. Ich war in Bahrain für die TCR und habe das beobachtet. Er hat das professionell gemacht – als hätte er in seinem Leben nie etwas anderes gemacht. Also er ist sicher reif für die Formel 1.

Die Rallye-WM bekommt nächstes Jahr neue Autos. Übergeben Sie ein Team, das weiterhin um die WM fahren wird?

Die Konkurrenz wird stärker und die Teams bereiten sich alle unterschiedlich auf das nächste Jahr mit dem neuen Reglement vor. Wir haben relativ früh mit der Entwicklung angefangen. Wir haben letztes Jahr schon aufgehört, an den bisherigen Autos zu arbeiten, sondern uns nur noch auf das 17er Auto konzentriert. Citroen geht einen anderen Weg. Sie können frei testen, weil sie nicht an der Meisterschaft teilnehmen. Sie arbeiten jetzt zu 100 Prozent an den 2017er Autos – ohne die Belastung an den Rallyes teilnehmen zu müssen. Toyota kommt von Null. Die brauchen sicher ein Jahr oder zwei, um ganz nach vorne zu kommen. Aber ich glaube das Potential haben die auch. Hyundai hat dieses Jahr ein hervorragendes Auto gebaut. Ich glaube, die Karten werden neu gemischt. Aber wir haben das Auto so weit, dass es mit der Homologation auch für drei Jahre konkurrenzfähig ist.

Autor: Bianca Garloff

Fotos: Montage/Hersteller

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