Formel 1: Kolumne zum Rosberg-Rücktritt
Kommt jetzt Vettel?

Nach Nico Rosbergs Rücktritt spricht vieles für eine Beförderung von Pascal Wehrlein. Aber F1-Reporter Ralf Bach schließt auch Sebastian Vettel nicht aus.
Bild: Picture-alliance
- Ralf Bach
Nico Rosbergs Rücktritt erscheint im ersten Moment als Sensation. Im Nachhinein betrachtet macht alles Sinn. Schon wie er sich in Abu Dhabi gefreut hatte. Das war keine Freude eines Weltmeisters, das war das befreite Durchatmen eines Suchenden, der gerade am Ende seiner Reise angekommen ist.Da stand einer, der gerade den Mount Everest ohne Sauerstoffmaske bestiegen hatte. Welcher andere Berg soll ihn da noch reizen? So ähnlich hat es Rosberg im Gruß an seine Fans ja auch formuliert. Die letzten drei Jahre kosteten Nico Rosberg unendliche Kraft. Besonders mental war er am Limit, er verlangte sich alles ab. Jetzt hat er sein Ziel erreicht. Er hat es besonders sich selbst bewiesen, dass er es schaffen kann. Es macht völlig Sinn, dass sich der Familienmensch jetzt auch der Familie widmet. Die ihm noch mehr bedeutet als der Erfolg auf der Rennpiste.
Ich hätte es wissen müssen: Gerhard Berger hat die ganze Zeit mir gegenüber so merkwürdige Andeutungen gemacht. Der Ex-Formel-1-Pilot, der im Sommer den neuen Vertrag Rosbergs mit Mercedes ausgehandelt hat, und den ich immer wieder nach Vertragsdetails löchern wollte, meinte auf eine verklausulierte Art: "Vielleicht fährt er ja umsonst, wenn er Weltmeister wird!" Umsonst könnte ja auch heißen in Bergers Denke: Gar nicht! Würde Sinn machen.

Tauscht Vettel seine rote Gurke gegen einen Mercedes?
Ich würde für Wehrlein sein, aber mein Gefühl sagt mir etwas anderes: Sebastian Vettel wird 2017 im Mercedes sitzen. Ich habe aus gut informierten Kreisen gehört, dass er bei Ferrari eine Ausstiegsklausel hat, wenn er 2016 nicht unter den drei besten der Fahrer-WM liegt. Zur Erinnerung: Er wurde Vierter. Die gleichen gut informierten Kreise versicherten mir, dass es sogar schon Gespräche zwischen ihm und der Mercedes-Spitze gegeben hätte.
Dritte Variante ist Fernando Alonso. Der Spanier soll bei McLaren eine Ausstiegsklausel haben, falls Mercedes anfragt. Es spricht aber vieles dagegen: Erstens die verbrannte Erde, die er bei seinem Rausschmiss 2007 bei McLaren-Mercedes in Stuttgart hinterlassen hatte. Zweitens: Eine Fahrerpaarung Lewis Hamilton und Fernando Alonso käme einer Kriegserklärung gleich. Drittens: Warum sollte Mercedes 35 Millionen Euro für einen Spanier bezahlen, wenn man dafür einen Deutschen (Vettel) haben kann oder für 33 Millionen weniger Jungstar Wehrlein. Vor allen Dingen könnte sich dann der Kreis des Juniormodells elegant und effizient schließen.
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