Formel 1: Die Hinterbänkler

Formel 1: Nach Stroll-Abgang

Kommt der nächste Millionärssohn?

Die erfolgreichen Jahre von Williams sind längst vorbei. Die Zukunft sieht düster aus – auch finanziell. Williams braucht 2019 einen neuen Bezahlfahrer.
Kaum ist Force India gerettet, sorgt sich die Formel 1 um den nächsten Rennstall – und dieses Mal ist eines von nur 16 Weltmeister-Teams in der Geschichte betroffen: Williams. Mit sieben Fahrertitel ist das Traditionsteam die dritterfolgreichste Mannschaft der Formel 1. Doch jetzt steht Williams mit dem Rücken zur Wand.
Das verdeutlicht auch schon die sportliche Situation. Aktuell ist Williams Zehnter und damit Letzter in der Konstrukteurs-WM. Nur zwei Mal in der 68-jährigen F1-Geschichte wurde ein Weltmeisterteam in dieser Wertung Letzter. 1993 und 1998 erwischte es jeweils das Tyrrell-Team. Und das verschwand Ende 1998 komplett von der Bildfläche. Der aktuelle Williams-Mercedes ist aerodynamisch eine Wundertüte. Die Aerodynamik ist sogar so instabil, dass das Auto immer wieder ohne Vorwarnung ausbricht und die Fahrer überrascht. Ausritte und Unfälle sind die Folge. Teamchefin Claire Williams hat sogar einen Rücktritt nicht ausgeschlosse.
Das andere große Problem ist die dramatische finanzielle Lage. Williams verliert am Saisonende zwei große Sponsoren: Neben dem IT-Konzern Avanade auch den Titelsponsor Martini. Zudem hat sich Lawrence Stroll das Force-India-Team unter den Nagel gerissen, um seinen bisher für Williams fahrenden Sohn ein besseres Cockpit zu besorgen. Damit werden auch die geschätzten 30 Millionen Euro der Stroll-Familie dem britischen Traditionsteam künftig fehlen.

Die Strolls pumpen ihre Millionen künftig ins Force-India-Team

Williams hat aber schon eine Idee, wie zumindest ein Teil des wegfallenden Budgets aufgefangen werden könnte. Man kauft Teile wie das Getriebe bei Mercedes ein – adaptiert also das Haas-Ferrari-Modell. Dagegen hatte sich Williams lange gewehrt, weil das Team die Formel 1 als Konstrukteursmeisterschaft sieht, in dem jede Mannschaft sein Auto selbst bauen sollte. Damit ignoriert Williams aber die eigene Geschichte. Die ersten Jahre kaufte sich Williams Kundenautos von Brabham und March. Eigene Autos wurden erst viel später angefertigt. Es ist aber günstiger, Teile bei einem anderen Team zu kaufen, als sie selbst zu entwickeln. Personell lässt sich das Team so verschlanken. Tests und Simulatoren können reduziert werden.

Wer bietet am meisten Geld?

Doch das wird nicht reichen, um Williams langfristig zu retten. Wahrscheinlich werden die zwei Fahrer 2019 im Cockpit sitzen, die am meisten Geld bieten. Das Problem: In den Nachwuchsserien tummeln sich gerade außergewöhnlich viele Rennfahrer mit schwerreichen Eltern. Aber viele davon scheitern an den Kriterien für die Formel-1-Superlizenz, dem Formel-1-Führerschein. Die sehen vor, dass ein Fahrer in drei Jahren mindestens 40 Lizenzpunkte sammeln muss – und die gibt es nur für Erfolge in den Nachwuchsserien.
Das trifft zum Beispiel auf Sean Gelael zu. Dessen Vater Ricardo betreibt in Indonesien die Fastfood-Marke KFC. Doch mit den Plätzen 15, 15 und 14 in der Formel 2 hat sich Gelael, der für Toro Rosso schon mehrere Formel-1-Trainings bestritt, noch keinen Lizenzpunkt sichern können. Alfonso Celis, dessen gleichnamiger Vater in Mexiko mit dem Handel von Lebensmitteln schwerreich wurde und selbst zwei Mal die 24 Stunden von Mexiko gewann, hat daher seinen Testfahrerposten bei Force India schon aufgegeben und ist nach Amerika in die IndyCar gewechselt. Ein anderer Force-India-Tester, Nicholas Latifi, fährt ebenfalls seit Jahren dem Erfolg hinterher. Sein Vater Michael hat sich inzwischen bei McLaren für 200 Millionen Pfund eingekauft. Nikita Mazepin, dessen Vater Dmitry Mazepin mit Düngemittel üppigen Wohlstand generierte, hat ebenfalls keinen F1-Führerschein.
Bleibt eigentlich nur Artem Markelov, der schon seit fünf Jahren Formel 2 fährt – für ein Team, das von seinem Vater finanziert wird. Er würde die Superlizenzkriterien erfüllen. Robert Kubica soll ebenfalls auf der Suche nach Sponsorgelder für sein Comeback sein. Eine weitere Option: Mercedes könnte sich bei Williams für einen vom Konzern unterstützten Fahrer wie Esteban Ocon (derzeit Formel bei Force India) oder George Russell (derzeit in der Formel 2) kaufen.

Formel 1: Die Hinterbänkler

Autor: Michael Zeitler

Fotos: Picture-Alliance

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