Formel E

Formel E: Maro Engel exklusiv

— 07.10.2016

So kompliziert ist Formel E fahren

Die Formel E startet am Sonntag in Hongkong in die neue Saison. Neuzugang Maro Engel erklärt ABMS, wieso die Fahrer in der Formel E so extrem gefordert sind.

Am Sonntag geht es wieder los (ab 9.30 Uhr, Eurosport): Die Formel E startet in ihre dritte Saison. Unverändert bleibt: Die Leistung ist des Antriebsstrangs ist auf 170 Kilowatt im Rennen (ca. 230 PS) und 200 im Qualifying (ca. 270 PS) begrenzt.

Neu ist hingegen, dass beim Bremsen nun 150 Kilowatt statt 100 rekuperiert werden darf. „Du hast in der Formel E also einen Elektro-Motor an der Hinterachse, der mitbremst“, weiß Maro Engel. „Nur: Er bremst nicht immer mit. Das macht’s es für den Fahrer so schwierig. Er muss immer auf die richtige Bremsbalance achten."

Die Formel E startet am Wochenende in Hongkong

Engel, der dieses Jahr neu dabei ist und für das Venturi-Team an den Start geht, erläutert: „Wenn die Batterie am Start voll ist, dann kannst du keine Energie regenerieren und der Elektromotor bremst nicht mit. Bei nur noch 80% Ladezustand der Batterie hast du aber schon die volle Kraft der Motorbremse. Bis dahin gilt: Jedes Mal wenn du aufs Gas gehst und damit Saft aus der Batterie nimmst, bekommst du beim nächsten Mal Bremsen mehr Hinterradbremse. Der Fahrer muss die ganze Zeit an der Bremsbalance spielen."

Nicht einfach, schließlich ist das die Startphase des Rennens, wenn auf den engen, winkligen und unebenen Straßenkursen um Positionen auf der Strecke gerauft wird.

Dabei bleibt es auch nicht. Engel: „Die Batterie heizt sich durch das Be- und Entladen auf. Sobald sie 56 Grad erreicht hat, wird die Motorbremse wieder weniger. Du musst wieder verstärkt die normale Bremse drücken. Das heißt: Bremsbalance wieder zurück auf die Hinterachse stellen. Nur sind da die Bremsen etwas kälter geworden und müssen erst wieder auf Temperatur kommen. Bei 62 Grad Batterietemperatur ist ganz Schluss, so heiß darf sie also nicht werden."

Ein großes Thema in der Formel E ist auch das Haushalten mit der Energie. Das ist in dieser Saison durch die höhere Rekuperationsenergie zwar etwas einfacher geworden, aber immer noch ein Thema.

Maro Engel erklärt die Tücken der Elektro-Serie

Engel weiß: „Lift and coasting heißt das Zauberwort. Das muss man sich als normaler Autofahrer so vorstellen, dass du die Kupplung drückst und das Auto rollen lässt. Damit fährst du 100 bis 200 Meter weniger unter Volllast. Das senkt den Verbrauch."

Bei jedem Überfahren der Ziellinie wird dem Fahrer auf dem Display des Lenkrads angezeigt, wie viel Energie er noch zur Verfügung hat. So ergibt sich für jede Runde eine neue Zielvorgabe, wie viel Energie pro Runde verbraucht werden darf.

„Du musst also genau überlegen, wo es Sinn macht voll am Gas zu stehen und um Positionen zu kämpfen und wo du Energie sparen solltest“, schildert der Sieger des 24-Stunden-Rennens am Nürburgring 2016. „Typischerweise ist es so, dass du zu Beginn des Rennens mehr Energie verbrauchst, weil du noch keine Hinterradbremse hast und du ja verstärkt um Positionen auf der Strecke kämpfst. Und du musst schauen, dass du bei jedem Stint das Auto quasi mit 0% Energie abstellst, denn sonst hättest du schneller fahren können. Wir wechseln im Rennen ja einmal das Auto, das heißt, das ganze Spiel mit Energieverbrauch und Bremsbalance haben wir zwei Mal."

Auch im Qualifying spielt die Bremsbalance eine Rolle. Engel: „Im Qualifying hast du die Wahl, ob du mit Hinterradbremse fährst oder nicht. Du musst beim Rausfahren mindestens 92% Ladung der Batterie haben, du hast also auch da nicht gleich zu Beginn die volle Hinterradbremse und musst während der Qualirunde mit der Bremsbalance spielen." Engels Fazit: „Ich würde nicht sagen, dass ein 24-Stunden-Rennen auf der Nordschleife einfach ist“, lacht er. „Aber du bist in der Formel E definitiv mit neuen Herausforderungen konfrontiert.“

Autor: Michael Zeitler

Fotos: Picture-Alliance

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