Formula Offroad

Formula Offroad

— 16.10.2009

Die übers Wasser fahren

Eine riesige V8-Maschine, 1000 PS und mehr, Lachgas-Einspritzung, ein Sicherheitskäfig und Reifen wie Schaufelradbagger. Fertig ist ein "Formula Offroad"-Renner. Der dazugehörige Sport kommt aus Island.

300 Meter weit wollte Gisli Gunnar Jonsson aus Island in der letzten "Wetten, dass..?"-Sendung mit seinem Monsterjeep über einen Baggersee brettern. Versucht hat er es, geklappt hat es leider nicht. Auf der Hälfte war Schluss, es machte gluck gluck und der Wagen war weg. Schade, vor allem deshalb, weil es sonst eigentlich immer funktioniert. Ja, richtig gelesen, der macht das öfter! Gisli Jonsson hat sich nämlich kein Auto extra für eine spektakuläre Wette gebaut. Der sympathische Wikinger ist "Formula Offroad"-Fahrer, genau wie Ragnar Robertsson aus Island, Arne Johanessen aus Norwegen, Kari Bäckroos und viele andere. Und die verbringen ihre Freizeit damit, mit ihren Extrem-Allradlern zum Beispiel übers Wasser zu heizen.

Bei den wilden Rennen fliegen die Fetzen

Arne Johanessen vom Team "Lightfoot" aus Norwegen im Hang. Er war der erste Nicht-Isländer hinterm Steuer.

Inzwischen ist "Formula Offroad" ein in ganz Skandinavien ausgetragener Sport mit vielen Fans. In Island, Norwegen, Finnland, Schweden und sogar in Dänemark treffen sich die wilden Nordmänner in erloschenen Vulkanen, in Steinbrüchen und Kiesgruben und dann fliegen die Fetzen. In sechs Sektionen pro Rennen geht es auf Zeit Steilwände rauf, quer an Schutthügeln entlang, über riesige Schlammfelder oder übers Wasser. Immer irgendwo zwischen spektakulär und eigentlich unmöglich. Ohrenbetäubendes Motorengebrüll hängt in der Luft, wenn die riesigen V8-Maschinen locker ihre 1000 PS und mehr loslassen. Schalldämpfer braucht keiner, viel wichtiger sind Vierradantrieb, Turbo oder Kompressor und Lachgas-Einspritzung oder Biokraftstoff für einen möglichst brutalen Antritt.

Es gibt zwei Fahrzeugklassen

Geschweißte Stahlrohre, Fiberglas, 7,4-Liter-V8. "Sandstorm" wird von Kari Bäckroos aus Finnland gefahren.

Die Jeeps sind in zwei Klassen unterteilt. Bei den "modified" muss wenigstens eine Ähnlichkeit mit einem Serienfahrzeug erkennbar sein, die Reifen sind weicher und haben weniger Grip als bei den "unlimiteds". In der Klasse "unlimited" gilt das nicht. Die Fahrzeuge sind da ganz individuell gefertigte Konstruktionen, aus Stahlrohr geschweißt, mit einem aufgeblasenen Riesen-V8 vorne drin und Platz für den Fahrer dahinter. Die "Karosserie" besteht aus Fiberglas, die Reifen sind Dragster-Slicks mit aufvulkanisierten Gummischaufeln. Streng ist das Reglement bei der Sicherheit. Da gelten internationale Standards wie Sicherheitskäfig, Fünfpunkt-Gurtsystem, Netz und Not-Aus. Sogar die Dicke des Polsters zwischen Helm und Schulter ist vorgegeben. 

Begonnen hat es in Island

"Formula Offroad" stammt aus Island. In den 70er Jahren kamen da ein paar Leute auf die Idee, dass man in den Vulkanfeldern auf der Insel mit den vor Ort überall verbreiteten 4x4-Fahrzeugen eine Menge Spaß haben kann. Die Rennen begannen, bald wurden sie schneller, die Fahrzeuge extremer, der Sport war geboren. Durch ein Show-Rennen in Schweden wurde der Rest Skandinaviens aufmerksam, heute gibt es mehrere nationale und internationale Wettbewerbe. Ob man verrückt sein muss, um mit so einer Höllenmaschine 60 Grad steile Hänge raufzublasen oder mit 80 Sachen über einen See zu fliegen? Wahrscheinlich. Gisli, Ragnar, Arne, Kari und die anderen würden "Formula Offroad" aber um nichts in der Welt eintauschen.

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