Ganzjahresreifen 195/65 R 15 T

Ganzjahresreifen-Test Ganzjahresreifen-Test

Ganzjahresreifen-Vergleich 195/65 R 15 T

— 19.02.2002

Ein Reifen für alle Tage?

Sicherheit bei jedem Wetter, 365 Tage im Jahr ohne Reifenumrüstung - können Ganzjahresreifen zaubern? Im Test: vier angebliche Alleskönner.

Testkandidaten

Jedes Jahr die gleiche Prozedur: Im Frühjahr kommen die Winterreifen runter, im Herbst wieder drauf. Das ist mühsam, kostet Zeit, Geld und reichlich Nerven. Da stellt sich die Frage: Können wir uns diesen Aufwand nicht einfach sparen? Unsere Winter sind doch ohnehin meist nur niedriger temperierte Sommer, und mit modernen Ganzjahresreifen sind wir doch auch bei Schietwetter sicher unterwegs. Von einem Typ für alle Tage will die Reifenindustrie natürlich nichts wissen. Sie verkauft uns lieber Winter- und Sommerreifen separat.

"Ganzjahresreifen fehlt die teure Winterreifenmischung, sie leisten im Wintereinsatz daher nur unwesentlich mehr als Sommerreifen", argumentiert Josef Folger, Kundendienstleiter der Continental AG. Immerhin gibt er einen wichtigen Rat für Wechsel-Muffel: "Wer ganzjährig nur eine Reifensorte fahren will, sollte Winterreifen nehmen." Die Deutsche Goodyear, Marktführer für Ganzjahresreifen, hält dagegen: "Selbstverständlich haben echte Ganzjahresreifen eine Gummimischung, die bis zu 50 Grad minus flexibel bleibt und außerdem bei hohen Plusgraden wie ein Sommerreifen eingesetzt werden kann." Wir wollten wissen, wer Recht hat, und haben die Allwetterqualitäten von vier Ganzjahresreifen überprüft. Im Test: Dunlop SP All Season M2, Toyo Vario-V1, Vredestein Quatrac 2 und der neue Goodyear Vector 5. Stellvertretend für Winterreifen war der Continental Winter-Contact TS 790 dabei. Als Sommerreifen rollte der ER 70 von Bridgestone mit über die Testrunden. Dass dieser bei den Wintertests kläglich abschnitt, war natürlich keine große Überraschung: Auf dem verschneiten Handlingkurs in den Bergen von Jokkmokk (Nordschweden) hat ein echter Sommerreifen keine Chance.

Schnee- und Nässetest

Wenn unserem Test-Audi der Schwung fehlte oder er an einer der zahlreichen Steigungen mit durchdrehenden Rädern zum Stehen kam, ging ohne Abschleppseil nichts mehr. Beim Bremsen aus Tempo 40 rutschte der Sommer-Pneu noch neun Meter am schwächsten Bremser unter den Ganzjahresreifen vorbei. Klar, dass hier der Conti-Winterreifen seine Stärken ausspielen konnte. Er punktete sich bei Traktions- und Bremstest locker in Führung, doch auch die Ganzjahresreifen von Goodyear und Toyo erwiesen sich als absolut wintertauglich. Sie konnten erstaunlich gut mithalten, erreichten auf dem verschneiten Kurs sogar das gleiche Durchschnittstempo wie der Winterreifen.

Für eine Überraschung bei den Nässetests sorgte Contis Winterspezialist TS 790. Beim Fahren auf Zeit belegte er hinter dem Sommerreifen Platz zwei - noch deutlich vorm Allwetter-Vector von Goodyear. Und das nicht nur bei niedrigen Temperaturen. Nässetests, bei denen die Temperatur eine Rolle spielen könnte, fahren wir zu unterschiedlichen Jahreszeiten. Uns interessiert dabei, ob die Gummimischung des Sommerreifens tatsächlich bei niedrigeren Temperaturen verhärtet und wie sich die Eigenschaften unserer Ganzjahresreifen verändern, wenn das Quecksilber nach oben schießt.

Erste Überraschung: Egal ob fünf oder 30 Grad, beim Nassbremsen kommt der Sommerreifen stets als Erster zum Stehen. Eine Verhärtung der Gummimischung ist kaum zu erkennen. Zweite Überraschung: Auch Ganzjahresreifen und Winterreifen zeigen sich unbeeindruckt von Temperaturen, werden selbst bei 30 Grad nicht schlechter, können ihre Rundenzeiten gar leicht aufbessern. Enttäuschend dagegen das Abschneiden der Allwetterkandidaten bei den Nassbremstests. Bis zum Stillstand brauchen sie einen bis zu 11,2 Meter längeren Bremsweg aus 100 km/h als der Sommerreifen. Ganz schlecht: der Toyo Vario-V1, der auch auf trockener Piste beim Bremsen am schlechtesten abschneidet. Er kommt erst zwei Fahrzeuglängen hinter dem Sommerreifen zum Stehen.

Reife(n)- Prüfung - Fazit

Als reiner Sommerreifen ist der Bridgestone ER 70 natürlich auf trockener Piste in seinem Element und nicht nur beim Bremsen die Nummer eins. In Kurven sorgt er für die beste Seitenführung, Lenkbefehle überträgt seine nicht von Lamellen zerklüftete Lauffläche am sensibelsten. Hier können Ganzjahresreifen nicht mithalten. Bei Fahrkomfort und Laufruhe hingegen brauchen sich die Allwetterkandidaten nicht mehr zu verstecken. Hier sind keine grundsätzlichen Unterschiede zum Sommerreifen auszumachen. Bei der Rollwiderstandsmessung auf dem Prüfstand hat der Sommerreifen sogar das Nachsehen - mittlerweile fährt man auf Reifen mit M+S-Kennung sogar oft spritsparender.

Fazit Bei der Schneetauglichkeit reichen die Ganzjahresreifen zwar nicht an die Leistung des Continental-Winterreifens heran, trotzdem ist man mit ihnen auch im Schnee sicher unterwegs. Doch für diese besondere Eignung müssen Ganzjahresreifen, genau wie Winterreifen auch, Kompromisse eingehen. Und die gehen zu Lasten ihrer Nass- und Trocken-Eigenschaften. Ihr leicht schwammiges Lenk- und Fahrverhalten können wir dabei noch akzeptieren. Doch es gibt auch ein gravierendes Sicherheitsmanko: Beim Bremsen auf nasser wie trockener Piste brauchen Ganzjahresreifen mindestens eine Wagenlänge mehr als Sommerreifen, um zum Stehen zu kommen. Wer ganz auf Nummer sicher gehen will, wechselt deshalb weiterhin zweimal im Jahr die Reifen. Nur wer unbedingt ohne Wechsel über die Runden kommen möchte und auch bei Schnee nicht auf sein Fahrzeug verzichten kann, sollte zum Ganzjahresreifen greifen.

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