Check Mitsubishi L200

Gebrauchtwagen-Check Mitsubishi L200 Gebrauchtwagen-Check Mitsubishi L200

Gebrauchtwagen-Check Mitsubishi L200

— 26.01.2009

Der Dauerpatient im Draufgänger-Dress

Die eine Seite des Mitsubishi L200: einst einsamer Pick-up-Marktführer. Die andere: unlösbare Technikpannen. Weshalb Checker Wolfgang Blaube erstmals von einem Typen generell abrät.

Es hätte so schön werden können. Der Checker, Folge 25: klingt nach Jubiläum, nach ausgelassener Partylaune – wegen der großartigen Resonanz, die ich von Ihnen, liebe Leser, immer wieder erhalte. Und nun das. Na gut, Dienst ist Dienst. Also Augen auf und durch. Was diesmal so schlimm ist? Kurz: der Mitsubishi L200 selbst. Dabei geht es nicht primär um Rahmenbrüche, die etwa Camping-Aufbauten verursachen, nicht um brechende Blattfedern oder ausgeschlagene Vorderachsen. Weder stehen die Getriebe mit ihren unkalkulierbaren, schweren Schäden im Vordergrund noch die häufigen Havarien am Motor. Zahnriementrieb, Zylinderkopf, Turbo, Vorglühanlage: Alles verursacht hier horrende Kosten. Und macht den L200 in der Summe – sagen wir ruhig, wie es ist – zum Wegwerfartikel.

Manche dieser L 200 laufen sorglos, andere zicken ein Leben lang

Defektteufel ab Werk: Bei Normalfahrweise geht der Motor ständig ins Notprogramm.

Nein, hier geht es um ein Problem, das etwa ein Drittel aller Vertreter dieses Typs betrifft. Und dessen Symptome nicht für Geld und gute Worte kurierbar sind. Es ist konstruktiver Natur und betrifft die Einspritztechnik. Das will sorgsam erklärt sein, und zwar ganz von vorn. Am Anfang stand Ende der Siebziger ein Saugdieselmotor, 2,3 Liter, 73 PS. Einsatzgebiet: gemütliche Kleinlaster. Er erhielt 1983 – obwohl dafür überhaupt nicht ausgelegt – einen Turbolader (84 PS), wanderte so in der Ur-Pajero. 1986 wuchs er auf 2,5 Liter (auch 84 PS). 1988: Ladeluftkühlung (95 PS, später 99/100 PS). In der Folge erfuhr er eine Abgasentgiftungsmaßnahme nach der anderen, 2002 hielt in diesem Rahmen eine zusätzliche Steuerelektronik (115 PS) Einzug. Beim Rückblick auf diese Chronologie zeigt sich heute: Mit praktisch jedem einzelnen Evolutionsschritt wurde der konventionelle Wirbelkammerdiesel sukzessive kurzlebiger und anfälliger.

Es bleibt die Erinnerung an einen ewigen Alptraum

Bis auf die dramatischen Einspritzprobleme bereitete dieser L200 nie ernsthafte Sorgen.

Die Krönung aller Krankheiten erfuhr das Triebwerk also im Mitsubishi L200 der zweiten Generation (1996 bis 2005). Der viel bessere 2.8er-Diesel, bekannt aus dem Pajero, blieb dem Pick-up in Europa aufgrund der Einfuhrzollregeln für Nutzfahrzeuge stets verwehrt. Zum eigentlichen Problem, begonnen beim rein mechanischen Einspritzer (bis 2002): Ursache sind vor allem abenteuerliche Produktionstoleranzen der Einspritzpumpe (wie das ganze Auto made in Thailand), Streuungen zwischen 80 und 125 PS die Folge. Wie auch dramatische Variablen bezüglich Verbrauch, Charakteristik und Lebensdauer. Manche dieser L200 laufen sorglos, andere zicken ein Leben lang. Abhilfe: meist keine. Mit der wenig professionell adaptierten Elektronik ab Modelljahr 2003 verschiebt sich das Problem. Die digitale Regelung kompensiert zwar die mangelnde Präzision der Mechanik, gerät dabei aber selbst ins Straucheln und endet im leistungsverweigernden Notprogramm. Abhilfe hier: gleichsam keine.

Wie gesagt: Je rund ein Drittel aller Fahrzeuge ist betroffen. Gehört der hier gezeigte L200, für 14 500 Euro im Netz, zu den anderen zwei Dritteln? Der Erstbesitzer, ein liebenswerter, absolut ehrlicher Hobby-Landwirt, kommt sofort auf den Punkt: "Direkt nach dem Neukauf nervte schon die Sache mit dem Notprogramm. Bei jedem Beschleunigen vom niedrigen Drehzahlbereich auf über 3000 Touren." Zig Werkstattbesuche mit hilflosen Basteleien folgten, alle auf Garantie oder Kulanz. Bis ein Mitsubishi-Vertreter einen 136-PS-Tuningsatz installierte. "Seitdem hat der L200 genug Saft, um die kritischen Übergänge einigermaßen umschiffen zu können. Keine Lösung, aber immerhin die beste", stöhnt der gebeutelte Mann. Tags darauf ist der L200 verkauft, für 14.000 Euro. Inklusive der schonungslosen Bilanz seines Vorlebens. Was dem Erstbesitzer bleibt? Die Erinnerung an einen ewigen Alptraum. Außerdem ein zweiter L200, den er 2003 neu kaufte und parallel fuhr. Ein Auto übrigens, das zur Zwei-Drittel-Mehrheit gehört.

Fazit von Gebrauchtwagen-Experte Wolfgang Blaube

14.000 Euro: marktgerechter Preis – aber inakzeptabel. Denn angesichts der dramatischen Probleme muss ich vom L200 bis 2005 kategorisch abraten. Alternativen? Der recht solide, aber auch viel teurere Nachfolger in rundlichem Design. Oder der Toyota Hilux, im unteren Preisbereich der beste Pick-up.

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