Gebrauchtwagenkauf

Gebrauchtwagenkauf: Schutz vor Betrug

— 17.12.2010

Lebenslauf für den Gebrauchten

In den USA gibt es für Gebrauchtwagen einen Online-Lebenslauf – Betrug durch manipulierte Tachos lässt sich damit schnell entlarven. In Deutschland gibt es gegen einen solchen Dienst noch Datenschutz-Bedenken.

Verschwiegene Unfallschäden, gedrehte Kilometerstände, manipulierte Wartungshefte, dazu eine unbekannte Zahl von Vorbesitzern: Die Liste der Unwägbarkeiten beim Gebrauchtwagenkauf ist lang. Und selbst Fachleute können eine saubere Fahrzeughistorie kaum von einer sauber frisierten unterscheiden. In den USA ist es leichter, die Spreu vom Weizen zu trennen: Die Firma Carfax sammelt dort seit 20 Jahren Zulassungs-, Unfall- und Reparaturdaten mit den jeweiligen Kilometerständen und bereitet sie zum "Vehicle History Report", kurz VHR, auf (Engl.: Fahrzeughistorie). Den VHR kann man sich bei Carfax herunterladen, wenn man die Fahrgestellnummer eines Wagens kennt. Meist kaufen jedoch Gebrauchtwagenhändler den Report und stellen ihn für Interessenten kostenlos zur Verfügung.

Gesetzesänderung notwendig

Carfax befindet sich auf Expansionskurs und möchte in Europa Fuß fassen. In Schweden läuft die Datensammlung schon, Spanien und Slowenien stehen in den Startlöchern. Und Deutschland? Hier gibt es Datenschutz-Bedenken. Problem: Die Daten, die das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) bei uns zentral erfasst, dürfen nur unter ganz bestimmten, gesetzlich geregelten Voraussetzungen herausgegeben werden. Für einen Lebenslauf à la Carfax bedürfte es einer Gesetzesänderung. Die zuständigen Bundesministerien sind sich aber offenbar noch nicht einmal einig, ob überhaupt Handlungsbedarf besteht. Das Verbraucherschutzministerium erklärte auf AUTO BILD-Anfrage, man sei nicht zuständig. Immerhin hat man den Nutzen des Auto-Lebenslaufs im Verkehrsministerium erkannt: Staatssekretär Andreas Scheuer (CSU) kennt Carfax aus persönlicher Erfahrung und setzt sich für die Einführung einer allgemeinen Fahrzeughistorie ein.

Manipulation um 90 Prozent zurückgegangen

Während Carfax in Deutschland noch mit dem Datenschutz ringt, hat Belgien eine andere, amtliche Lösung geschaffen: Seit Ende 2005 gibt es hier den "Car-Pass". Die Daten dafür verwaltet die staatliche Controle Technique (belgische Prüforganisation), der Car-Pass ist Pflicht bei jedem Gebrauchtwagenverkauf. Seit seiner Einführung seien Tachomanipulationen in Belgien um 90 Prozent zurückgegangen, behaupet eine Studie, die Car-Pass im Oktober veröffentlicht hat. Im kleinen Belgien liegt das Problem heute woanders: Weil viele Gebrauchtwagen aus dem Ausland kommen, gelangen immer wieder Autos ohne Historie ins Land. Deshalb hat Belgien kürzlich im EU-Parlament die Initiative gestartet, den Car-Pass europaweit verpflichtend einzuführen.

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