Gebrauchtwagentest: Saubere Alternativen

Gebrauchtwagentest: Saubere Alternativen

— 14.12.2007

Autos fürs grüne Gewissen

Klimaschutz und günstiger Verbrauch - darauf stehen auch Gebrauchtwagenkäufer. AUTO BILD zeigt, welche Modelle in den vergangenen Jahren in AUTO BILD-Tests besonders sparsam und sauber über die Runden kamen.

Der Klimawandel ist da. Vor allem in den Vorstandsetagen der Automobilindustrie. Siehe Frankfurter IAA. Bei fast allen Herstellern sind in diesem Jahr die besonders sauberen und sparsamen Fahrzeuge die Stars. Doch die sind oft so teuer, dass viele umweltbewusste Autokäufer passen müssen. Wer trotzdem ökologisch korrekt fahren möchte, muss sich auf dem Gebrauchtwagenmarkt umschauen - und darf sich wundern. Denn es gibt Alternativen. Mit dem Sprit knausern nicht nur Stadt-Minis wie der Smart. Auch größere Burschen besitzen bei vorausschauender Fahrweise oft ein erstaunliches Spar-Potenzial. Dazu zählt beispielsweise der Ford Mondeo 1.8 SCI, der in unserer Datenbank mit einem Testverbrauch von durchschnittlich acht Litern geführt wird. Mit einem sanften Gasfuß lässt sich der stattliche Mittelklassewagen sogar problemlos mit sechs Litern fahren. Verbrauch und CO2-Ausstoß (rund 140 g/km) bewegen sich dabei auf dem Niveau vieler Kleinwagen.

Für deutlich weniger Verbrauch ist wesentlich mehr Aufwand nötig. Beste Beispiele sind der Drei-Liter-Lupo und der gleich motorisierte Audi A2. Doch die aufwendige Technik dieser extremen Sprit-Knauserer ist teuer, wartungsintensiv und nicht immer problemlos.

Ökologisch korrekt sind gebrauchte Dieselautos ohnehin nur mit einem Rußpartikelfilter. Wir nennen daher nur Typen, die mit einem Filter nachgerüstet werden können. Den gibt es bei Peugeot übrigens schon seit 2000 ab Werk. Die französischen Filter-Pioniere haben somit - zusammen mit Toyotas Hybrid-Entwicklern – maßgeblich zum Klimawandel in der Automobilindustrie beigetragen.

Fazit von AUTO BILD-Gebrauchtwagen-Experte Uli Holzwarth: Es macht wenig Sinn, sich bei der Suche nach einem sparsamen Gebrauchtwagen von Extremwerten leiten zu lassen. Denn die stehen oft nur auf dem Papier oder sind nur mit einem gehörigen technischen Aufwand realisierbar. Höhere Wartungskosten und auch eine gewisse Anfälligkeit im Alter zehren dann die Einsparungen beim Spritverbrauch ziemlich schnell wieder auf. Secondhand-Käufer fahren mit einfacheren Sparmobilen – siehe Ford Mondeo 1.8 SCI - auf Dauer günstiger.

Smart fortwo 0.6

Hubraum 599 cm³ • Leistung 61 PS • Höchstgeschwindigkeit 135 km/h • Abgasnorm Euro 3, 5L • Testverbrauch 4,9 Liter Super • CO2-Ausstoß 114 g/km • ab 3000 Euro bei Laufleistungen um 70.000 Kilometer

Der Smart ist zwar kein Typ für jedermann, besitzt aber Sparpotenzial.

Trotz der Startschwierigkeiten hat der Smart fortwo (bis 2003 hieß er city-coupé) doch noch die Kurve gekriegt. Das Gebrauchtangebot ist groß, sollte aber mit Bedacht sondiert werden. Denn der kleine Stadtflitzer war anfänglich nicht ausgereift und wurde in vielen Punkten nachgebessert. Wir empfehlen, die Auswahl auf Facelift-Modelle ab Baujahr 2003 zu beschränken. Die besitzen ein modifiziertes automatisiertes Schaltgetriebe mit verkürzter Zugkraftunterbrechung und Kick-down-Funktion sowie ein vollwertiges ESP. Eine neue Vorderachse mit herkömmlichen Federbeinen verbessert nicht nur den Komfort, sondern auch die Sicherheit: An der älteren Achskonstruktion bricht nämlich immer mal wieder die Querblattfeder. Kleiner Nachteil: Die seit dem Facelift eingesetzten 0,7-Liter-Motoren brauchen etwas mehr Sprit als der sparsame 0.6.

Die Schwächen des Smart fortwo 0.6 Blattfeder-Brüche der Vorderachse • Ölverlust am Antriebsstrang • Wassereinbrüche, platzende Glasdächer • permanente Klappergeräusche • Motorschäden bienachlässiger Wartung

Die AUTO BILD-Bewertung Der Smart ist zwar kein Typ für jedermann, besitzt aber Sparpotenzial. Empfehlenswert sind vor allem Typen ab 2003.

VW Lupo 3L TDI

Hubraum 1191 cm³ • Leistung 61 PS • Höchstgeschwindigkeit 165 km/h • Abgasnorm D3, 3L • Testverbrauch 3,8 Liter Diesel • CO2-Ausstoß 100 g/km • ab 5500 Euro bei Laufleistungen um 120.000 Kilometer

Großer Sparer: Der Dreizylinder des Lupo verbrauchte im Test-Schnitt nur 3,8 Liter Diesel.

Wer sparen will, muss verzichten können – im Dreiliter-Lupo bleibt vor allem der Fahrspaß auf der Strecke. Im per Knopfdruck abrufbaren Eco-Modus (Leistung auf 41 PS limitiert) schaltet das automatisierte Schaltgetriebe viel und mit lästig langen Pausen, um dem aerodynamisch und gewichtsmäßig optimierten Lupo die beste Energie-Effizienz zu ermöglichen. An der Ampel schaltet die Start-Stopp-Automatik den Motor nach drei Sekunden auf der Bremse ab. So schafft der kleine Wolf tatsächlich Verbrauchswerte von durchschnittlich weniger als vier Litern. Der Spareffekt verpufft allerdings, wenn die immer mal wieder zickende Technik in die Werkstatt zwingt. Kurze Wechselintervalle für den Zahnriemen, teures Spezialöl und Defekte an Nockenwelle, Kurbelwellenlager, Turbolader oder Getriebesteuerung können die Bilanz beim Lupo 3L jedenfalls kräftig verhageln.

Die Schwächen des Lupo 3L TDI lästig lange Schaltpausen • anfälliges automatisiertes Schaltgetriebe • Defekte an Nockenwellen und Turbolader • Elektronikprobleme • undichte Tandempumpe (Öl/Unterdruck)

Die AUTO BILD-Bewertung Der Drei-Liter-Lupo besitzt ein großes Spar-Potenzial, macht mit seiner nicht immer soliden Technik aber bisweilen Ärger.

Fiat Punto 1.2 16V

Hubraum 1242 cm³ • Leistung 80 PS •  Höchstgeschwindigkeit 172 km/h • Abgasnorm Euro 4 • Testverbrauch 5,2 Liter Super • CO2-Ausstoß 121 g/km • ab 3000 Euro bei Laufleistungen um 70.000 Kilometer

Wenig Durst, aber auch wenig Drehmoment: Dem Punto mit 1,2-Liter-Motor fehlt der Durchzug.

Die zweite Generation des Fiat Punto ist noch immer sehr ansehnlich. Und zeitgemäß sparsam, wenn der 1,2-Liter-Motor mit 80 PS unter der Haube steckt. Im Test begnügte sich der laufruhige Vierventiler im Schnitt mit 5,2 Liter Super. So bescheiden wie der Durst ist bei vielen Exemplaren aber die Zuverlässigkeit. Ärger bereitet vor allem die störanfällige Elektrik. Schlampig verlegte Kabel, korrodierende Verbindungen und streikende Kombiinstrumente, Lichtmaschinen, Anlasser oder Kraftstoffpumpen zwingen den Italiener überdurchschnittlich oft auf den Pannenstreifen. Kummer machen darüber hinaus häufige Defekte an Kupplung und Getriebe sowie die klapprige Verarbeitung.

Die Schwächen des Fiat Punto 1.2 16V störanfällige Elektrik • überdurchschnittlich oft Getriebedefekte • Kupplungsprobleme • Verarbeitungsmängel, Wassereinbrüche • Ölverlust an Motor und Getriebe

Die AUTO BILD-Bewertung Beim Punto kann Sparen teuer werden, weil überdurchschnittlich oft Defekte den Verbrauchsvorteil zunichte machen.

Audi A2 1.2 TDI

Hubraum 1191 cm³ • Leistung 61 PS • Höchstgeschwindigkeit 168 km/h • Abgasnorm Euro 3, 3L und D4 • Testverbrauch 3,3 Liter Diesel • CO2-Ausstoß 87 g/km • ab 8500 Euro bei Laufleistungen um 100.000 Kilometer

Geiz ist nicht geil: Der Audi A2 ist zwar knauserig, bringt aber wenig Spaß.

Mit seiner Aluminium-Karosserie und dem daraus resultierenden Gewichtsvorteil bietet der Audi A2 beste Voraussetzungen für ein Sparmobil. Der aus dem Drei-Liter-Lupo stammende Dreizylinder-TDI mit 61 PS erfüllte im Test denn auch die Erwartungen: Im Schnitt flossen nur 3,3 Liter Diesel durch die Einspritzdüsen. Doch wie beim Lupo 3L macht das Sparen auch im A2 nur wenig Freude, denn das automatisierte Schaltgetriebe nervt im Audi ebenfalls mit Ruckeln, langen Zugkraftunterbrechungen und bisweilen versagenden Hydraulikeinheiten. Und für Motor und Turbolader gilt das Gleiche wie beim Wolfsburger Technikspender, weshalb wir eher zum problemlosen 1.4 TDI raten.

Die Schwächen des Audi A2 TDI automatisiertes Schaltgetriebe ruckelt • reißende Züge am Glasdach (Open Sky) • Störungen an Hydraulik des Getriebes • Elektronikfehler • Schäden an Motor und Turbolader

Die AUTO BILD-Bewertung Wie beim Drei-Liter-Lupo macht das Sparen auch mit dem Audi A2 nur wenig Spaß. Und ist auf Dauer ein teures Vergnügen.

Toyota Prius

Hubraum 1497 cm³ • Leistung 72 PS • Höchstgeschwindigkeit 160 km/h • Abgasnorm Euro 4 • Testverbrauch 5,5 Liter Super • CO2-Ausstoß 128 g/km • ab 10.000 Euro bei Laufleistungen um 80.000 Kilometer

Die Kraft der zwei Herzen: Der Prius beweist unbestreitbares Sparpotenzial.

Der Toyota Prius der ersten Generation ist auf den ersten Blick ein äußerst unscheinbares Pummelchen. Doch unter dem biederen Blechkleid arbeitet bereits seit 1997 die zukunftsweisende Hybridtechnik. Und das in der Regel völlig problemlos. Im Kummerkasten finden sich jedenfalls keine Klagen zu Antrieb oder Batterietechnik. Die Kombination aus einem 72 PS starken Benziner und einem 45 PS leistenden Elektromotor spielt ihre Vorzüge vor allem im Stadtverkehr aus. Wer das Gaspedal nur sanft streichelt, rollt nahezu lautlos durch die City, meist im reinen Elektrobetrieb. Dann schluckt er nur rund 5,5 Liter. Bei schneller Konstantfahrt ist der Verbrauchsvorteil jedoch rasch dahin.

Die Schwächen des Toyota Prius sehr geringes Angebot an Gebrauchtwagen (nur etwa 1200 Stück verkauft) • keine mechanischen Schwächen bekannt

Die AUTO BILD-Bewertung Schon die erste Generation des Toyota Prius beweist unbestreitbares Sparpotenzial und mechanische Zuverlässigkeit.

Opel Astra Eco4 1.7 DTI

Hubraum 1686 cm³ • Leistung 80 PS • Höchstgeschwindigkeit 178 km/h • Abgasnorm Euro 4 • Testverbrauch 4,6 Liter Diesel • CO2-Ausstoß 121 g/km • ab 8000 Euro bei Laufleistugen um 60.000 Kilometer

Mehr Laufruhe, weniger Verbrauch: Der Eco4 mit Common-Rail-Einspritzung überzeugte die AUTO BILD-Tester.

Schmale Energiesparreifen, ein verkleideter Unterboden, die längere Übersetzung der Gänge vier und fünf, das um rund 100 Kilogramm abgespeckte Gewicht sowie der dezente Heckspoiler verwandeln den Opel Astra 1.7 DTI in den besonders knauserigen Eco4. Und das schon seit dem Jahr 2000. Doch so richtig rund ist die Ecologie erst seit Modelljahr 2003, als der überarbeitete Motor eine Common-Rail-Einspritzung erhielt. Resultat: mehr Laufruhe und Leistung (80 PS), weniger Abgas (Euro 4) und Verbrauch. Vorausschauende Fahrer schaffen Verbrauchsschnitte knapp über vier Liter. Die typischen Astra-Schwächen wie Ölverlust oder anfällige Zahnriemen kennt aber auch der Eco4.

Die Schwächen des Opel Astra Eco4 1.7 DTI Zahnriemen anfällig • Ölverlust an Motor und Getriebe • Knackgeräusche aus der Lenksäule • Defekte an Elektrik und Klimaanlage • reißende Auspuffkrümmer

Die AUTO BILD-Bewertung Mit einfachen Mitteln zum Ziel: Der Opel Astra Eco4 1.7 DTI ab 2003 beweist, dass weniger manchmal mehr sein kann.

Ford Mondeo 1.8 SCI

Hubraum 1798 cm³ • Leistung 130 PS • Höchstgeschwindigkeit 207 km/h • Abgasnorm Euro 4 • Testverbrauch 8,0 Liter Super • CO2-Ausstoß 186 g/km • ab 11.000 Euro bei Laufleistungen um 60.000 Kilometer

Leise und kultiviert: Der Mondeo 1.8 SCI verbraucht wenig.

Der Ford Mondeo der zweiten Generation zählt zu den empfehlenswerten Gebrauchtwagen der Mittelklasse. Fahrverhalten und Sicherheitsausstattung überzeugen, ebenso die ausgereifte und standfeste Mechanik. Das gilt vor allem für die anspruchslosen Benzinmotoren. Ein rundum harmonisches Triebwerk ist dabei der im Juni 2003 eingeführte 1.8 SCI. Dessen 130 PS starker Benzin-Direkteinspritzer ist ein kultiviertes und ausgesprochen leise arbeitendes Triebwerk mit einem beachtlichen Sparpotenzial. Dank des langen sechsten Gangs sind bei zurückhaltender Fahrweise Verbrauchswerte um sechs Liter problemlos möglich. Selbst der Testverbrauch von durchschnittlich acht Litern kann sich sehen lassen. Wer sich für einen gebrauchten 1.8 SCI entscheidet, profitiert außerdem vom umfangreichen Facelift. Mit dem bekam der Mondeo generell das ESP sowie höherwertige Materialien, ein überarbeitetes Cockpit und eine verbesserte Geräuschdämmung.

Die Schwächen des Ford Mondeo 1.8 SCI Rost an Scharnieren und Kanten der Türen • ausgeschlagene Hinterachslager • defekte Antriebswellenmanschetten • mitunter Elektronikstörungen • Defekte am Automatikgetriebe

Die AUTO BILD-Bewertung Der Ford Modeo ist zuverlässig, agil und günstig zu haben. Für Sparfüchse der saubere 1.8 SCI eine runde Sache.

Peugeot 406 2.2 HDi FAP

Hubraum 2179 cm³ • Leistung 133 PS • Höchstgeschwindigkeit 207 km/h • Abgasnorm Euro 3 • Testverbrauch 6,4 Liter Diesel • CO2-Ausstoß 168 g/km • ab 9000 Euro bei Laufleistungen um 100.000 Kilometer

Traditionell sauber: Schon seit 2000 gibt es Franzosen wie den Peugeot 406 mit serienmäßigem Partikelfilter.

Peugeot war im Jahr 2000 der erste Hersteller, der Dieselautos ab Werk mit einem weitgehend problemlos und effizient arbeitenden Rußpartikelfilter anbot. Nach der Premiere im Topmodell 607 erhielt ab 2001 auch die 406-Baureihe den sehr kultivierten 2,2-Liter-Common-Rail-Dieselmotor mit 133 PS. Das mit einem geschlossenen Filtersystem arbeitende Triebwerk zeigt harmonische Leistungsabgabe und niedrige Verbrauchswerte. Es passt damit sehr gut zum ausgewogen abgestimmten 406. Mit seiner zeitlos eleganten Linie, der guten Ausstattung und der einfachen Bedienung muss sich der 406 im Vergleich zur Konkurrenz nicht verstecken. Schon gar nicht als Kombi, denn der Gepäckraum ist der größte seiner Klasse. Schwächen leistet sich der Peugeot jedoch öfter mit seiner störanfälligen Elektronik, den nicht sehr standfesten Bremsen und der schwankenden Verarbeitungsqualität. Typisch sind auch gammelnde Abgasanlagen und Ölverlust an Motor und Getriebe.

Die Schwächen des Peugeot 406 2.2 HDi FAP schwankende Verarbeitungsqualität • rasch rostende Abgasanlagen • Kupplung nicht besonders standfest • Elektronikstörungen • Ölverlust an Motor und Getriebe

Die AUTO BILD-Bewertung Der 2.2 HDi FAP mit dem serienmäigen Rußfilter ist unser Tipp für 406-Interessenten mit Langstreckenambitonen.

Autor: Uli Holzwarth

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