Herold Audi S2

Herold Audi S2 Herold Audi S2

Herold Audi S2

— 30.04.2002

Mit roter Gewalt

In der STT (Spezial Tourenwagen Trophy) kämpfen Hobbyrennfahrer um die Ehre und mit den Tücken ihrer spektakulären Boliden. Ein Beispiel ist der beflügelte Audi von Willi Herold. AUTOTUNING-Probefahrt im 508 PS starken Coupé.

508-PS-Bolide mit tückischen Bremsen

Willi Herold, seit 1999 begeisterter STTler und Audi-Fan, setzte plötzlich eine ernste Miene auf. "Gib beim Bremsen Obacht", mahnte der Teamchef, Fahrer und Mechaniker. "Solange die Scheiben kalt sind, zeigt die Bremse fast keine Wirkung." Ein paar hundert Meter später stellte sich heraus, dass der Audi-Pilot gerade schamlos untertrieben hatte: Von "fast keiner Wirkung" konnte zunächst keine Rede sein. Das über 500 PS starke Auto betrieb schlicht und einfach Befehlsverweigerung. Selbst ein strenger Tritt auf das Bremspedal wurde vom roten Coupé glatt ignoriert.

Zum Glück hatte der Tester von AUTOTUNING brav den Ratschlag von Willi Herold beachtet und war zur Testfahrt im tschechischen Most mit verhaltenem Tempo aufgebrochen. Das gewöhnungsbedürftige Verhalten beim Verzögern liegt am System: Der Herold- Audi rennt mit einer originalen DTM-Bremsanlage aus dem Siegerwagen Audi V8 im sehr üppigen Maß von 356 Millimetern. Um ihrer aufreibenden Arbeit korrekt nachgehen zu können, benötigen sie eine wesentlich höhere Betriebstemperatur als konventionelle Serien-Stahlbremsen.

Schon das Studium der technischen Daten erzeugt beim sachkundigen Leser Spannung. Die Kombination aus 508 Turbo-PS, Allradantrieb und knapp über 1000 Kilogramm Leergewicht verspricht Fahrspaß und diffiziles Fahrverhalten gleichermaßen. Ein paar Facts noch, ehe es mit warmen Bremsen in eine fliegende Runde geht. 1997 hatte Willi Herold auf Basis einer Audi Coupé S2-Rohkarosse diesen STT-Star aufgebaut.

Vom Audi Coupé zur Rennmaschine

Das Triebwerk setzt sich aus folgenden Einzelteilen zusammen: 1,9 Liter TDI-Motorblock auf 2,0 Liter aufgebohrt, veredeltes Audi S2 6-Gang-Getriebe, KKK-Turbolader, spezielle Pleuel und Kolben und eine extra angefertigte Auspuffanlage mit 83 Millimetern Durchmesser. Letztere sorgt nicht nur für den guten Ton, sondern bei heißen Renneinsätzen auch für das eine oder andere Leuchtfeuer. Zusammen ergibt das eine Leistungsausbeute von 508 PS und 650 Newtonmeter Drehmoment. Gut genug um das beflügelte Coupé in nur 3,4 Sekunden auf Tempo 100 zu schießen und eine Höchstgeschwindigkeit von über 300 km/h zu erreichen.

Doch wie fühlt sich das Ganze auf der Strecke an? Der Rennmotor verblüfft den Gastfahrer im Audi-Cockpit zunächst mit ausgesprochen guten Manieren. Er springt spontan an und auch das Losfahren an der Box geht wegen einer sanft greifenden Kupplung so problemlos wie in einem x-beliebigen Audi A4. Auch in puncto Leistungsentfaltung gibt es keine Klagen. Der 2,0-Liter-Motor geht für einen Turbo relativ sanft zu Werke. Dabei bläst der KKK-Turbolader mit einem maximalem Überdruck von 2,5 bar in die vier Brennräume des Vierventilers. Das Ergebnis überzeugt auf der ganzen Linie: Bereits bei 2000 Umdrehungen hängt der Vierzylinder Turbo willig am Gas. Zwischen 4000 und 6000/min tritt er so grimmig an, dass man das Gefühl hat, im wahrsten Sinne des Wortes in einer Kanonenkugel zu sitzen.

Dennoch verlangt das Aggregat bei flotter Gangart von seinem Fahrer instinktwidriges Verhalten. Weil die Turbogedenksekunde ein ständiger Begleiter ist, muss man in Kurven schon weit vor dem Scheitelpunkt Vollgas geben. Und das obwohl Willi Herold eine Art Umluftsystem (Turbolader wird immer auf Druck gehalten) installiert, das für die Wagen in der Rallye-WM verwendet wird.

Technische Daten

Der Allradantrieb verhindert, dass man auch beim hastigen Herausbeschleunigen aus Spitzkehren mit durchdrehenden Rädern kämpfen muss. Traktion ist absolut kein Thema für den Herold-Audi. Dafür sorgt auch das hervorragend abgestimmte Alu-Rennfahrwerk. Der überdimensionale Flügel und der komplett verkleidete Unterboden lässt den Audi auch bei Geschwindigkeit über 250 km/h noch sehr wohl und ruhig wirken. Mal sehen, ob Willi Herold in der 2002er STT-Saison wieder ganz vorn mitmischt. Wir werden auf jeden Fall darüber berichten.





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