Herstellerangabe gegen Testverbrauch — 20.02.2012
Die große Verbrauchs-Lüge
Unsere Autos verbrauchen zum Teil rund 50 Prozent mehr als die Hersteller versprechen. autobild.de zeigt 100 Autos, bei denen zwischen Herstellerangabe und Testverbrauch Welten liegen.
Scheitern Sie auch regelmäßig bei dem Versuch, den vom Hersteller versprochenen Durchschnittsverbrauch Ihres Neuwagens zu erreichen? Zu Ihrer Ehrenrettung sei gesagt: Es liegt nicht an Ihren Fahrkünsten. Vielmehr sind die Verbrauchsangaben, mit denen Autobauer in ihren Hochglanzprospekten locken, fern jeglicher Realität. Das beweisen die Testwerte von AUTO BILD. Mit teils erschreckenden Ergebnissen: So soll zum Beispiel der
VW Polo 1.2 TDI BlueMotion 87g laut Hersteller im Schnitt mit 3,3 Liter Diesel auskommen. Im Test genehmigte sich der Wolfsburger allerdings 4,8 Liter – das sind rund 45 Prozent Mehrverbrauch gegenüber der Werksangabe. Noch schlimmer: der
Audi A6 3.0 TDI DPF multitronic. Statt der angegebenen 5,1 Liter rauschten während der Testfahrt 7,8 Liter Kraftstoff durch die Einspritzdüsen – fast 53 Prozent mehr, als
Audi verspricht. Verbraucht Ihr Auto auch zu viel? autobild.de zeigt oben in der Bildergalerie 100 Fahrzeuge, bei denen der Testverbrauch mindestens 25 Prozent über den Herstellerangaben liegt. Als Basis für die Liste dienen alle von AUTO BILD getesteten Fahrzeuge aus den Jahren 2010 bis 2012.
Mit über 50 Prozent Mehrverbrauch ist der Audi A6 3.0 TDI der Spitzenreiter unter den Diesel-Fahrzeugen.
Hauptgrund für die haarsträubenden Verbrauchsunterschiede: Autohersteller ermitteln den Verbrauch der Fahrzeuge mit einem standardisierten Messverfahren auf dem Rollenprüfstand. Das schafft vergleichbare Verbrauchswerte – über Hersteller- und Ländergrenzen hinweg. Mit der Realität haben diese Werte aber kaum etwas gemeinsam!
So testet AUTO BILD den Verbrauch: Jeder Testwagen absolviert eine Vergleichsfahrt auf einem genau definierten Rundkurs. Dieser ist exakt 155 Kilometer lang und besteht aus Stadt- (40 Kilometer), Land- (61 Kilometer), und Autobahnabschnitten (54 Kilometer). Gefahren wird zügig, aber nicht sportlich. Tempolimits werden ausgenutzt, das heißt in der Stadt wird 50 km/h und über Land 100 km/h gefahren. Auf der Autobahn gilt 20 Kilometer Vollgas, die restlichen 34 Kilometer werden mit konstant 120 km/h gefahren. Zu Beginn und am Ende der Messung wird jedes Auto randvoll getankt. Eine Ausnahme in unserem Überblick stellt übrigens der
Opel Ampera dar, der beim Verbrauch gleich 225 Prozent über der Herstellerangabe lag. Die Erklärung: Der Hersteller gibt den Verbrauch für die ersten 100 Kilometer an. Unsere Teststrecke hat aber 155 Kilometer, von denen der Ampera nur etwa 40 mit ausschließlich elektrischem Antrieb abspult. So kommt der Opel bei uns auf einen Durchschnittsverbrauch von 5,2 statt der angegebenen 1,6 Liter.
So messen die Hersteller ihre Verbrauchswerte
1,6 Liter Sprit verbraucht der Opel Ampera laut Hersteller – das gilt jedoch nur für die ersten 100 Kilometer.
Das standardisierte Messverfahren (Richtlinie 80/1268/EWG und 101 ECE) der Hersteller im Überblick: Jedes Auto muss einen knapp 20-minütigen Fahrzyklus auf dem Rollenprüfstand absolvieren, davon vier Stadtfahrten (je 195 Sekunden) und einen Überlandzyklus (400 Sekunden). Das Auto legt gut elf Kilometer zurück, erreicht ein Durchschnittstempo von 33,6 km/h. Vollgas ist tabu. Das Maximaltempo von 50 km/h (Stadt) wird nur zwölf Sekunden, die 120 km/h (außerstädtisch) nur zehn Sekunden lang gefahren. Weitere Kriterien: Jedes Fahrzeug muss mindestens 3000 Kilometer auf dem Tacho haben, der Tank zu 90 Prozent gefüllt sein. Die Lufttemperatur in der Prüfkammer beträgt zwischen 20 und 30 Grad Celsius, Luftdruck und Feuchtigkeit sind ebenfalls genau vorgeschrieben. Nach Abschluss der Fahrzyklen berechnen die Prüfer den Verbrauch aus den Abgaswerten.*
Chance auf Wandlung
Derartig hohe Abweichungen zwischen ECE-Norm und Alltagsverbrauch sind nicht nur ärgerlich für den Autokäufer, sondern unter Umständen auch für den Autobauer. Der Bundesgerichtshof hat bereits 1996 entschieden, dass ein Mehrverbrauch von über 13 Prozent zum angegebenen Verbrauch für den Käufer unzumutbar ist (
Az. VIII ZR 52/96). Ausschlaggebend dafür ist der Durchschnittswert aller drei Fahrzyklen (Stadtzyklus, 90 km/h, 120 km/h). Damit misst der Gesetzgeber dem Verbrauch ähnliches Gewicht bei, wie anderen Mängeln. Auch starke Zugluft, unangenehme Wind- oder auffallend störende Antriebsgeräusche können Mängel sein, die der Käufer nicht hinnehmen muss. Wird der Mangel durch ein Gutachten bewiesen, kann der Kunde entweder den Kaufpreis mindern oder das Auto wandeln – sprich: wieder auf den Hof des Händlers stellen und sein Geld zurückverlangen.
*Maßgebend für die Rangliste in der Bildergalerie ist die jeweilige Differenz zwischen Testverbrauch und ECE-Verbrauchsangabe zum Testzeitpunkt. ECE-Werte können sich im Laufe eines Modellzyklus' durch technische Modifikationen am Fahrzeug ändern.
Jan Kretzmann
Fazit
Willkommen in der Realität: Angaben zum Verbrauch sind eine sinnvolle Sache für den Kunden – aber nur, wenn sie der Wahrheit entsprechen. Und daran hapert es gewaltig. Über 50 Prozent Mehrverbrauch im Test, das ist nicht nur für den Kunden ärgerlich, sondern auch für den Hersteller, der sich damit rechtlich angreifbar macht. Also, her mit einer realistischen Verbrauchsnorm!
Kommentare zum Artikel (207)
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Also ich schaffe mit meinem Wagen den Normverbrauch 4,2l/100km ueberland.Aber ich fahre wahrscheinlich auch physikalisch sehr optimiert.Den Test von Autobild wird ebenfalls verfaelscht sein,da die 20km vollgas gar nicht hinein gehoert.Der Verbrauch steigt in 2.Potenz zur Geschwindigkeit, deshalb muss bei schnelleren Autos bei Vollgas weitaus mehr Verbraucht werden,als bei meinem Citroen C1,der gar keine 210 schafft.Viel liegt eben doch am Regler (Fahrer),wenn auch nicht alles...aber oftmals bis zu 25% Einsparungspotential.
@Georg: das hatten wir such schön bei BMW. Ein Mann klagte, dass sein 530d 50% mehr verbrauchten und bekam Recht.
@Georg:Es gibt keine Hasser der deutschen Automarken, sondern nur welche die sagen dass deutsche Autos noch lange nicht die besten der Welt sind!
all die deutsche Automarken Hasser...
in den USA ist Honda bei der Klage einer Kundin vor Gericht hinten runter gefallen.. ihr Honda Hybrid hat permanent 50% mehr verbraucht als die Verbrauchsangaben die Honda gemacht hat... Honda mußte der Frau knapp $10,000 für das zuviel verbrauchte Benzin zahlen...
In Europa werden alle Autos wenigstens nach einer einheitlichen Norm getestet...das die realitätsfremd ist dürfte jedem klar sein..
ist es ein Zufall das vor allem Fahrzeuge aus dem VW Verbund immer wieder extrem von den Normverbräuchen abweichen, (ähnlich bei 0-100 Angaben) gut BMW ist auch mal dabei aber ich finde es schon extrem auffällig, so wird in der Umweltbilanz doch letztendlich betrogen oder ?