Herstellerangabe gegen Testverbrauch

— 11.01.2012

Die große Verbrauchs-Lüge

Unsere Autos verbrauchen zum Teil rund 50 Prozent mehr als die Hersteller versprechen. autobild.de zeigt 100 Autos, bei denen zwischen Herstellerangabe und Testverbrauch Welten liegen.
ANZEIGE
Von Jan Kretzmann Scheitern Sie auch regelmäßig bei dem Versuch, den vom Hersteller versprochenen Durchschnittsverbrauch Ihres Neuwagens zu erreichen? Zu Ihrer Ehrenrettung sei gesagt: Es liegt nicht an Ihren Fahrkünsten. Vielmehr sind die Verbrauchsangaben, mit denen Autobauer in ihren Hochglanzprospekten locken, fern jeglicher Realität. Das beweisen die Testwerte von AUTO BILD. Mit teils erschreckenden Ergebnissen: So soll zum Beispiel der VW Polo 1.2 TDI BlueMotion 87g laut Hersteller im Schnitt mit 3,3 Liter Diesel auskommen. Im Test genehmigte sich der Wolfsburger allerdings 4,8 Liter – das sind rund 45 Prozent Mehrverbrauch gegenüber der Werksangabe. Noch schlimmer: der Audi A6 3.0 TDI DPF multitronic. Statt der angegebenen 5,1 Liter rauschten während der Testfahrt 7,8 Liter Kraftstoff durch die Einspritzdüsen – fast 53 Prozent mehr, als Audi verspricht. Verbraucht Ihr Auto auch zu viel? autobild.de zeigt oben in der Bildergalerie 100 Fahrzeuge, bei denen der Testverbrauch mindestens 25 Prozent über den Herstellerangaben liegt. Als Basis für die Liste dienen alle von AUTO BILD getesteten Fahrzeuge aus den Jahren 2010 bis 2012.
Überblick: News und Tests zu allen Automarken
Mit über 38 Prozent Mehrverbrauch Spitzen-Säufer bei den Benzinern ist das A5 Cabrio 2.0 TFSI quattro S tronic.
Mit über 50 Prozent Mehrverbrauch ist der Audi A6 3.0 TDI der Spitzenreiter unter den Diesel-Fahrzeugen.
Hauptgrund für die haarsträubenden Verbrauchsunterschiede: Autohersteller ermitteln den Verbrauch der Fahrzeuge mit einem standardisierten Messverfahren auf dem Rollenprüfstand. Das schafft vergleichbare Verbrauchswerte – über Hersteller- und Ländergrenzen hinweg. Mit der Realität haben diese Werte aber kaum etwas gemeinsam! So testet AUTO BILD den Verbrauch: Jeder Testwagen absolviert eine Vergleichsfahrt auf einem genau definierten Rundkurs. Dieser ist exakt 155 Kilometer lang und besteht aus Stadt- (40 Kilometer), Land- (61 Kilometer), und Autobahnabschnitten (54 Kilometer). Gefahren wird zügig, aber nicht sportlich. Tempolimits werden ausgenutzt, das heißt in der Stadt wird 50 km/h und über Land 100 km/h gefahren. Auf der Autobahn gilt 20 Kilometer Vollgas, die restlichen 34 Kilometer werden mit konstant 120 km/h gefahren. Zu Beginn und am Ende der Messung wird jedes Auto randvoll getankt. Eine Ausnahme in unserem Überblick stellt übrigens der Opel Ampera dar, der beim Verbrauch gleich 225 Prozent über der Herstellerangabe lag. Die Erklärung: Der Hersteller gibt den Verbrauch für die ersten 100 Kilometer an. Unsere Teststrecke hat aber 155 Kilometer, von denen der Ampera nur etwa 40 mit ausschließlich elektrischem Antrieb abspult. So kommt der Opel bei uns auf einen Durchschnittsverbrauch von 5,2 statt der angegebenen 1,6 Liter.
So messen die Hersteller ihre Verbrauchswerte
Mit fast 46 Prozent Mehrvebrauch Spitzen-Säufer bei den Dieseln ist der Ford Fiesta 1.6 TDCi Econetic.
1,6 Liter Sprit verbraucht der Opel Ampera laut Hersteller – das gilt jedoch nur für die ersten 100 Kilometer.
Das standardisierte Messverfahren (Richtlinie 80/1268/EWG und 101 ECE) der Hersteller im Überblick: Jedes Auto muss einen knapp 20-minütigen Fahrzyklus auf dem Rollenprüfstand absolvieren, davon vier Stadtfahrten (je 195 Sekunden) und einen Überlandzyklus (400 Sekunden). Das Auto legt gut elf Kilometer zurück, erreicht ein Durchschnittstempo von 33,6 km/h. Vollgas ist tabu. Das Maximaltempo von 50 km/h (Stadt) wird nur zwölf Sekunden, die 120 km/h (außerstädtisch) nur zehn Sekunden lang gefahren. Weitere Kriterien: Jedes Fahrzeug muss mindestens 3000 Kilometer auf dem Tacho haben, der Tank zu 90 Prozent gefüllt sein. Die Lufttemperatur in der Prüfkammer beträgt zwischen 20 und 30 Grad Celsius, Luftdruck und Feuchtigkeit sind ebenfalls genau vorgeschrieben. Nach Abschluss der Fahrzyklen berechnen die Prüfer den Verbrauch aus den Abgaswerten.*
ANZEIGE
Chance auf Wandlung
Derartig hohe Abweichungen zwischen ECE-Norm und Alltagsverbrauch sind nicht nur ärgerlich für den Autokäufer, sondern unter Umständen auch für den Autobauer. Der Bundesgerichtshof hat bereits 1996 entschieden, dass ein Mehrverbrauch von über 13 Prozent zum angegebenen Verbrauch für den Käufer unzumutbar ist (Az. VIII ZR 52/96). Ausschlaggebend dafür ist der Durchschnittswert aller drei Fahrzyklen (Stadtzyklus, 90 km/h, 120 km/h). Damit misst der Gesetzgeber dem Verbrauch ähnliches Gewicht bei, wie anderen Mängeln. Auch starke Zugluft, unangenehme Wind- oder auffallend störende Antriebsgeräusche können Mängel sein, die der Käufer nicht hinnehmen muss. Wird der Mangel durch ein Gutachten bewiesen, kann der Kunde entweder den Kaufpreis mindern oder das Auto wandeln – sprich: wieder auf den Hof des Händlers stellen und sein Geld zurückverlangen.
*Maßgebend für die Rangliste in der Bildergalerie ist die jeweilige Differenz zwischen Testverbrauch und ECE-Verbrauchsangabe zum Testzeitpunkt. ECE-Werte können sich im Laufe eines Modellzyklus' durch technische Modifikationen am Fahrzeug ändern.
Mehr zum Thema

Nissan-Studie Invitation: Autosalon Genf 2012 - 07.02.2012

Ist das der neue Note?
Offiziell zeigt Nissan mit dem Invitation auf dem Genfer Autosalon die Studie einer kompakten Schräghecklimousine. Vermutlich handelt es sich aber um den neuen Note. Nissan-Studie in Genf 2012

Fiat Panda (2012): Einführungspreis - 07.02.2012

Billiges Bärchen
Fiat führt den neuen Panda zum Schnäppchenpreis ein. Bis Ende März 2012 kostet der facegeliftete Italiener 1500 Euro weniger. Ärgerlich: ESP ist auch nach der Frischzellenkur aufpreispflichtig. Panda zum Schnäppchenpreis

Mercedes Citan: Vorstellung - 07.02.2012

Hier kommt der City-Titan
Mercedes erweitert seine Transporterfamilie um den Small Van Citan. Der kleine Bruder des Sprinter soll ab Herbst 2012 die Innenstädte unsicher machen. Und zwar als Kastenwagen, Kombi und Mixto. Vorstellung Mercedes Citan
Kommentare zum Artikel (199) loader
Das sehen Sie auch so? Oder anders? Diskutieren Sie mit!
Erstellt
Text
Funktion
Seite 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 nächste Seite >
Eichinger,
03.02.2012 21:28Uhr
Hallo, ärgere mich diesbezüglich über einen MB C200 TCDI der natürlich viel mehr verbraucht als vom Hersteller angegeben.
Autohersteller und Politik, bzw. Politiker haben auf dem Punkt genau viel gemeinsam.
Alle l.... wie Münch...... .
Eintrag melden
madmarc,
27.01.2012 10:41Uhr
Finde ich lustig das die Toyota Hybrid Modelle mehrmals in der Liste auftauchen, mit unterschiedlichen Werksangaben...

Mal vom Plug in Prius abgesehen, wo ein Vorserienauto es in die Hitliste geschafft hat.

Nicht die Autohersteller machen die Verbrauchsnormen. Vielleicht sollte mal darüber nachgedacht werden den Normverbrauch nach real life Kriterien zu messen....
Eintrag melden
FNA,
25.01.2012 00:52Uhr
@gmathol(2/2): Und genau da ist wieder DIE Gemeinsamkeit zu den "Verbrennern": Abhängig von seinem Hubraum oder Gesamtkonzept ist ein jedes Fahrzeug nur in SEINEM bestimmten NUTZUNGSPROFIL überhaupt wirtschaftlich sinnvoll zu betreiben. Wer z.B. viel Stadt fährt, für den macht ein Kleinwagen Sinn, auf der Autobahn hingegen wird ein kleiner Motor bei höherer Geschwindigkeit "zu trinken" anfangen, und sogar vielleicht das Nachsehen gegen einen "Hubraumriesen" haben. Auf DIE eierlegende Wollmilchsau werden wir also weiterhin warten müssen. mfG FNA Eintrag melden
FNA,
25.01.2012 00:41Uhr
@gmathol(1/2): Das mit dem Verbrauch des Amperas ab 100km aufwärts ist wohl so richtig. Erwähnen Sie dabei jedoch bitte auch, daß das Fahrzeug für diesen Einsatzzweck nicht gedacht ist. Der Ampera verursacht auf den ersten 80 Kilometern sehr geringe Fahrkosten (Strom!) im Wert von umgerechnet nicht einmal 2 Euro/100km. Er ist als vollwertiges Pendlerfahrzeug gedacht, für Menschen die insgesamt etwa 80km täglich zur Arbeitsstätte und zurück pendeln und nur selten längere Strecken fahren müssen. Eintrag melden
FFaM,
23.01.2012 13:20Uhr
Tempolimit 120 auf der Autobahn und 70 auf der Landstraße und der Verbrauch wäre einzuhalten. Eintrag melden
icon
Kommentar verfassen
Fügen Sie Ihre Meinung der aktuellen Artikeldiskussion hinzu.
Hinweis: Die mit einem Stern * versehenen Felder sind Pflichtfelder.

Bildergalerie

Versicherungsvergleich

Vergleichen Sie kostenlos über 180 Kfz-Tarife und sparen Sie bis zu 500 Euro!

Eingabe Ortskennzeichen: (z.B. HH für Hamburg)

Social Media

Diesen Artikel

Diesen Artikel

Von Jan Kretzmann
foto_klein foto_gross Willkommen in der Realität: Angaben zum Verbrauch sind eine sinnvolle Sache für den Kunden – aber nur, wenn sie der ...
Willkommen in der Realität: Angaben zum Verbrauch sind eine sinnvolle Sache für den Kunden – aber nur, wenn sie der Wahrheit entsprechen. Und daran hapert es gewaltig. Über 50 Prozent Mehrverbrauch im Test, das ist nicht nur für den Kunden ärgerlich, sondern auch für den Hersteller, der sich damit rechtlich angreifbar macht. Also, her mit einer realistischen Verbrauchsnorm!
Online-Voting
'Verbraucht Ihr Auto mehr als im Prospekt angegeben?'
Artikel bewerten