Hyundai Ioniq vs. Toyota Prius

Hyundai Ioniq/Toyota Prius: Test

— 09.11.2016

Diese Roten sind ganz grün!

Roter Lack, grüne Seele: Diese zwei Hybride fahren sparsam – und machen auch noch Spaß. Hyundai Ioniq und Toyota Prius im Vergleichstest.

Es hat lange gedauert! Seit 1997 baut Toyota den Prius. Seitdem ist er der Inbegriff des Hybridautos. Von anderen Herstellern kam eine gefühlte Ewigkeit wenig bis gar nichts zu dem Thema. Inzwischen, 19 Jahre und über 3,5 Millionen Prius später, hat sich das grundlegend geändert. Die meisten Autobauer haben Hybridfahrzeuge im Programm – bei vielen wirkte das aber nicht so konsequent wie bei Toyota. Doch jetzt wird es zum ersten Mal richtig ernst für den Prius: Hyundai hat sich mit dem komplett neuen Ioniq bei Format und Größe ziemlich deutlich am Vorbild Prius orientiert. Also, wer kann mehr – das Original oder der Neuling?

Der neue Prius unterstreicht seine Technik auch optisch

Fast schon Avantgarde: Den neuen Prius haben die Toyota-Designer geradezu tollkühn gezeichnet.

Toyota hat den Prius ja auch gerade neu aufgelegt, und es ist, als ob sie der ganzen Idee noch mal neue Schubkraft verleihen wollen. Vergessen sind die betont bieder bis braven bisher gebauten Prius, der neue kommt mit geradezu tollkühnem Design. Steil ansteigende Gürtellinie, sehr schmale Scheinwerfer, scharfe Kanten und Sicken – sehr futuristisch. Die Designer hatten sichtlich Spaß bei der Arbeit – und wir beim Betrachten auch. Allein für die verwegen gezackten Heckleuchten würden wir gern einen Sonderpreis vergeben. Und, hey, langweilige Autos gibt es schon genug, oder? Toyotas Mut macht nicht vor den verschlossenen Türen halt. Das wild verschachtelte Cockpit mit der Instrumentenkonsole samt zwei 4,2 Zoll großen Displays in der Mitte ist alles, bloß nicht langweilig. Toyota hat hier zum Beispiel in der Mittelkonsole weißes, glänzendes Hartplastik eingesetzt. Was soll uns das sagen: Arztzimmer? Kühlschrank? Badewanne? Wir wissen es nicht.
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Mit seinem Fließheck wirkt der Ioniq schlank und modern

Der Hyundai Ioniq verzichtet auf gestalterische Experimente – er bleibt eher unauffällig.

Auf solche Experimente verzichtet Hyundai komplett. Anders als Toyota setzen die Koreaner auf zurückhaltende Formen, der Ioniq wirkt schlank, glatt und modern: Fließheck-Karosserie mit coupéhafter Form und abfallendem Dach hinten. Beide Autos haben übrigens den gleichen Luftwiderstandsbeiwert von cw 0,24. Innen macht der Ioniq auch keine Faxen, das Cockpit ist ruhig und sauber gezeichnet, ordentlich verarbeitet und problemlos zu bedienen. Beim Platz vorn nehmen sich Ioniq und Prius nicht viel, es geht hier kompaktklassenmäßig luftig zu. Im Fond hat der Toyota das bessere Raumangebot, er verfügt über spürbar mehr Platz für lange Beine, größere Leute sitzen hier bequemer. Im Hyundai müssen Menschen ab 1,80 Meter den Kopf einziehen. Und auch beim Kofferraum liegt der Prius vorn, er schluckt 501 bis maximal 1633 Liter, der Ioniq 443 bis 1505.
Alle News und Tests zum Hyundai Ioniq

Das Hybridsystem im Hyundai entspricht dem im technisch gleichen Kia Niro und besteht aus einem 1,6-Liter-Benziner mit 105 PS, einem E-Motor mit 32 kW (44 PS), dem Lithium-Ionen-Polymer-Akku (unter der Rücksitzbank) mit einer Kapazität von 1,56 kWh und einem Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe. Ergebnis ist eine Systemleistung von 141 PS.

Trotz deutlicher Verbesserung bleibt der Gummiband-Effekt

Altbekannt: Auch in der jüngsten Auflage zeigt der Prius beim Beschleunigen den Gummiband-Effekt.

Im Toyota arbeiten ein 1,8-Liter-Benziner mit 98 PS, ein E-Motor mit 53 kW (72 PS), eine Nickel-Metallhydrid-Batterie (auch unter der Rücksitzbank) mit 1,31 kWh und ein raffiniert verzwicktes Planetengetriebe, die Systemleistung beträgt 122 PS. Für den neuen Prius wurde das System überarbeitet, verbessert und verfeinert, wie bisher funktioniert es vollkommen reibungslos und unauffällig. Zuerst die gute Nachricht: Noch nie fuhr ein Prius so angenehm, so flott und zügig. Das System reagiert spürbar schneller als bisher, der Prius wirkt lebendiger. Doch jetzt kommt die schlechte Nachricht: Trotz aller Mühe und klarer Verbesserungen ist der Gummiband-Effekt geblieben. Also steigt nach dem Tritt aufs Gas erst die Drehzahl und danach und mit Verzögerung auch das Tempo. Bis zu mittlerer Geschwindigkeit bleibt der Benziner dabei zurückhaltend, meldet sich dann aber doch und knurrt auf der Autobahn kräftig. Als Reisetempo sind ungefähr 150 km/h zu empfehlen – etwa bis dahin bleibt es ganz angenehm im Innenraum, darüber steigt der Lärmpegel.

In Sachen Fahrleistungen liegt der Hyundai vorne

Geht ganz ordentlich: Messbar und vor allem spürbar ist der Ioniq das dynamischere Auto.

Wie der Toyota startet auch der Hyundai elektrisch, rollt sanft und leise an, auch hier schaltet sich der Benziner relativ schnell dazu. Wie beim Prius sind rein elektrisch längere Strecken mit den kleinen Akkus kaum möglich. Den wesentlichen Unterschied zum Prius macht im Ioniq das Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe, das für das Zusammenspiel zwischen Verbrenner und E-Motor zuständig ist. Und das reagiert ganz einfach schneller und direkter als das verzweigte Planetengetriebe im Toyota. So fährt sich der Hyundai unvermittelter, fühlt sich weniger abgekoppelt an und ist tatsächlich – die Messwerte bestätigen das – jeweils etwas zügiger unterwegs als der Toyota. Er fühlt sich lebhafter an, fährt leichtfüßiger – und das ist auch ein Verdienst der strafferen Fahrwerksauslegung. Die hat Hyundai wirklich gut hinbekommen, der Ioniq besitzt dezent sportliche Qualitäten.

Weitere Details zu den beiden Hybriden finden Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es als Download im Online-Heftarchiv.
Fahrzeugdaten Hyundai Toyota
Modell Ioniq Hybrid 1.6 GDI Prius Hybrid
Motor Vierzylinder plus E-Motor Vierzylinder plus E-Motor
Hubraum 1580 cm³ 1798 cm³
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2
kW (PS) Verbrenner 77 (105)/5700 min 72 (98)/5000 min
kW (PS) E-Motor 32 (44) 53 (72)
max. Drehmoment 147 Nm/4000 min + 170 Nm 142 Nm/3600 min + 163 Nm
kW (PS) Systemleistung 104 (141) 90 (122)
Energiespeicher 1,56 kWh 1,31 kWh
Vmax 185 km/h 180 km/h
Getriebe Sechsgang-DSG stufenlos variables Planetengetriebe
Antrieb Vorderradantrieb Vorderradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 225/45 R 17 W 215/45 R 17 W
Reifentyp Michelin Primacy 3 Toyo Nano Energy R41
Radgröße 7,0 x 17" 7,0 x 17"
Abgas CO2 92 g/km 76 g/km
Verbrauch* 3,9/3,9/3,9 l 3,3/3,3/3,3 l
Testverbrauch
Sportverbrauch** 7,5 l/100 km 6,5 l/100 km
Testrunde*** 5,2 l/100 km 4,7 l/100 km
Sparverbrauch**** 4,0 l S 3,5 l S
Tankinhalt 45 l/Super 43 l/Super
Kältemittel R1234yf R1234yf
Vorbeifahrgeräusch 70 dB (A) 67 dB (A)
Anhängelast gebr./ungebr. -/- 725/725 kg
Kofferraumvolumen 443–1505 l 501–1633 l
Länge/Breite/Höhe 4470/1820–2055/1450 mm 4540/1760–1990/1470 mm
Testwagenpreis 30.270 Euro 30.690 Euro
* innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km (Herstellerangabe); ** 54 km Autobahn, davon 20 km Vollgas; *** Durchschnitt der 155-km-Testrunde von AUTO BILD; **** 101 km Stadt und Land mit wenig Gas
Messwerte Hyundai Toyota
Beschleunigung
0–50 km/h 3,5 s 3,8 s
0–100 km/h 10,4 s 10,8 s
0–130 km/h 17,4 s 17,7 s
Zwischenspurt
60–100 km/h 5,6 s 6,0 s
80–120 km/h 7,4 s 7,5 s
Leergewicht/Zuladung 1450/420 kg 1419/371 kg
Gewichtsverteilung v./h. 59/41 % 61/39 %
Wendekreis links/rechts 11,2/11,3 m 11,7/11,7 m
Bremsweg
aus 100 km/h kalt 36,0 m 36,9 m
aus 100 km/h warm 36,4 m 37,4 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 59 dB (A) 59 dB (A)
bei 100 km/h 66 dB (A) 66 dB (A)
bei 130 km/h 69 dB (A) 70 dB (A)
Abgas CO2 124 g/km 112 g/km
Reichweite 860 km 910 km

Ioniq gegen Prius: Diese Roten sind ganz grün!

Der vollständige Artikel ist ab sofort im unserem Online-Artikelarchiv erhältlich. Hier können Sie das Original-Heft-Layout als PDF-Dokument downloaden. Der Artikel handelt vom Hyundai Ioniq, Toyota Prius sowie dem BMW i3 und dem Hyundai Ioniq als Elektroversion (Vergleichstest).

Veröffentlicht:

08.11.2016

Preis:

1,00 €

Autor: Dirk Branke

Stichworte:

Hybrid

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