Interview: Peter Schreyer über Design, Familie und Korea

Interview: Elon Musk über Tesla, Visionen und den Mars

— 11.11.2014

Geht nicht? Gibt's nicht!

Das Goldene Ehrenlenkrad 2014 geht an Tesla-Chef Elon Musk (43). Marsflug, Elektro-Sportwagen, Überschall-U-Bahn: Er packt Dinge an, die kein anderer versuchen würde.

Das Goldene Ehrenlenkrad 2014 geht an einen der jüngsten Autobosse der Welt, Tesla-Chef Elon Musk (43). Wir treffen den gebürtigen Südafrikaner in der Tesla-Fabrik in Fremont, nahe San Francisco. Er hat kein klassisches Büro. Einen Schreibtisch im Design-Center in Los Angeles, einen in der Fabrik, noch einen bei Space X, seiner Raumfahrt-Nebenbeschäftigung. Musk kommt mit einem Becher Wasser zum Interview.

Die Tesla-Fabrik in Fremont/Kalifornien kaufte Elon Musk von Toyota für 42 Millionen. Ihr Wert: ca. 500 Millionen Dollar.

©Nancy Pastor (nach Absprache mit Kersten Weichbrodt)

AUTO BILD: Nanu, Sie trinken doch angeblich mehrere Liter Kaffee und Diät-Cola am Tag. Jetzt Wasser? Elon Musk: Ja, ich schraube das gerade zurück. Acht Dosen Cola und viele Becher Kaffee waren zu viel Koffein. Das kommt aus der Zeit, als ich jede Woche noch mehr als 100 Stunden gearbeitet habe.

Und jetzt ist 37,5-Stunden-Woche? Nein, nicht wirklich, ich komme so auf 80 bis 85 Stunden.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag von Elon Musk aus? Ich stehe um sieben Uhr auf, für Frühstück ist selten Zeit. Ein Kaffee muss meist reichen. Die täglichen Termine, Besprechungen und Konferenzen reihen sich nahtlos aneinander. Mittagessen findet meist als Fünf-Minuten-Lunch während der Besprechungen statt. Ich gehe erst um ein Uhr morgens zu Bett.

Arbeiten Sie jeden Tag für eine andere Ihrer Firmen? So ungefähr. Montag ist Space-X-Tag, Dienstag und Mittwoch bin ich in Palo Alto bei Tesla, Donnerstag und Freitag im Tesla-Design-Center in Los Angeles. Am Wochenende versuche ich, für meine fünf Kinder da zu sein.

Elon Musk am Tesla Model S: Er steht jetzt in einer Reihe mit amerikanischen Ehrenpreisgewinnern wie Henry Ford II, Lee lacocca, Bob Lutz oder Allan Mulally.

©Nancy Pastor (nach Absprache mit Kersten Weichbrodt)

Wie viele Ihrer Ideen setzten Sie eigentlich um? Viel zu wenige, leider. Es ist zu wenig Zeit für die Dinge, die mir im Kopf herumschwirren. Deshalb habe ich auch die Tesla-Patente freigegeben. Ich freue mich über jeden, der an meinen Visionen mitarbeitet.

Was sind jetzt die wichtigsten Herausforderungen für Tesla? Wir haben das Model S gerade um eine 700 PS starke Allradversion erweitert, im nächsten Jahr beginnt die Produktion unseres SUV Model X, und in drei Jahren wird es das dritte Tesla-Auto geben, mit dem wir zum Massenhersteller werden wollen. Ein Elektroauto für etwa 35.000 Dollar. Und wir arbeiten mit Hochdruck am Thema autonomes Fahren.

Viele Autohersteller und Google arbeiten am autonomen Fahren. Ist einer davon Vorbild für Sie? Google hat das Eis für das autonome Fahren gebrochen. Jetzt interessieren sich die Menschen dafür. Aber wir denken das Thema ganz neu. Dabei nutzen wir natürlich bewährte Entwicklungen zum Beispiel von Bosch.

Elon Musk präsentiert das SUV von Tesla. Das Model X hat hinten Flügeltüren – eine Reminiszens an den Mercedes-Flügeltürer.

©DPA

Das Model X hat hinten Flügeltüren. Wie sind Sie darauf gekommen? Ich habe immer von zwei Autos geträumt, die ich mir aber nicht leisten konnte: vom Mercedes SL-Flügeltürer und vom Jaguar E. Die Flügeltüren sind eine Reminiszenz an den SL.

Und hat es mit dem Jaguar denn noch geklappt? Ja, von der ersten Gratifikation meines Lebens – das waren 40.000 Dollar – habe ich mir meinen Traum erfüllt. Ein E-Type-Roadster, Baujahr 1967, für 35.000 Dollar. Ich war unglaublich stolz und glücklich. Leider nicht sehr lange. Der Jaguar ging schon auf der Heimfahrt kaputt ... Heute steht das Auto aber fahrbereit in meiner Garage. Neben einem Ford Model T übrigens, die beiden einzigen Autos mit Verbrennungsmotor, die ich besitze.

Und Sie haben für 850.000 Dollar den tauchenden Lotus aus dem James-Bond-Film "Der Spion, der mich liebte" ersteigert. Was tun Sie damit? Das Auto war ein Traum meiner Jugend. Wir bauen gerade eine sehr originalgetreue Replica. Und dann kann das Auto wirklich fahren und tauchen. Selbstverständlich mit Elektroantrieb.

Welches Auto hat Sie in letzter Zeit besonders beeindruckt? Ich habe zu wenig Zeit für die Erprobung anderer Autos. Aber ein Modell hat mich schon immer besonders beeindruckt – der Porsche 911 Turbo. Das Auto war früher sogar unser Familienauto – meine Zwillinge saßen auf den hinteren Notsitzen.

Wie würden Sie sich beschreiben? Das ist schwer. Ich war schon als Kind sehr ehrgeizig und wollte immer Dinge erfinden. Alles Technische habe ich geliebt. Physik und Computerwissenschaft waren meine liebsten Fächer. Ich frage oft nach der tieferen Wahrheit von Dingen und gehe ihnen ganz auf den Grund. Vielleicht bin ich auch deshalb anders, weil ich manches als offensichtlich erkenne, was andere gar nicht zu sehen scheinen. Welche Firmengründung war die riskanteste? Das war Space X.

Haben Sie damit gerechnet, mit Space X und Tesla erfolgreich zu sein? Nein, ganz im Gegenteil. Ich hatte erwartet zu scheitern. Ich glaube an den Satz "Wer nicht scheitert, war nicht innovativ genug".

Nach drei Fehlstarts war Space X 2008 fast am Ende. Der vierte Versuch klappte, seitdem sind 14 Raketen erfolgreich ins All geflogen.

©DPA

Da haben Sie ja auch fast recht behalten. Ende 2008 drohte alles, was Sie mit dem Geld Ihres PayPal-Anteils aufgebaut hatten, zu scheitern. Das waren die schlimmsten Monate meines Lebens. Privat lief meine Scheidung, geschäftlich ging auch alles schief. Ich war kurz vor einem Nervenzusammenbruch. Ich wollte die Hälfte der 165 Millionen PayPal-Dollar in Tesla und Space X investieren. Am Ende steckte ich alles rein. Nach dem Scheitern der dritten Rakete war das Ende ganz nah. Mit geliehenem Geld von Freunden habe ich eine vierte Rakete gestartet. Die allerletzte Chance. Und es ging gut. Am nächsten Tag rief die NASA an und sicherte Aufträge im Wert von 1,5 Milliarden zu. Seitdem sind 14 Raketen ins All geflogen. Am letztmöglichen Tag stiegen dann auch Investoren bei Tesla ein. Sonst wäre Tesla pleite gewesen.

Satelliten auszusetzen oder Nachschub zur ISS zu transportieren genügt Ihnen aber nicht. Sie wollen zum Mars. Warum? Weil es wichtig ist für die Menschheit. Genau wie eine neue Energieversorgung auf der Erde übrigens. Ich bin überzeugt, dass die Menschheit auf dem Mars weiterexistieren kann. Ich würde auch mitfliegen.

Und da sterben? Vorher würde ich schon noch mal zurückkommen. Aber wenn es irgendwann so weit ist – warum nicht?

Und die Asche wird im All verstreut? (Lacht) Wenn es vorbei ist, ist es vorbei. Aber das wäre schon cool.

Tesla, Space X, Solar City – das ist nicht alles. Sie wollen auch eine Art Überschall-U-Bahn von San Francisco nach Los Angeles bauen. Den Hyperloop. Eine unterirdische Röhre. Was sehen wir zuerst: die erste Fahrt durch diese Überschallröhre oder den ersten Menschen auf dem Mars? Ich glaube, der Hyperloop liegt vorn. Aber vielleicht mit einer anderen Strecke. Es gibt Interesse für die Strecke Los Angeles–Las Vegas.

Was war Ihre beste Idee? Space X? Meine beste Idee war, von Südafrika in die USA, ins Silicon Valley zu gehen. Da war ich 16 Jahre alt. Woanders wäre das alles unmöglich gewesen.

Die beste Erfahrung in Elon Musk Lebens? "Mein erster Schnee in Österreich. Das ist unvergessen!"

©Nancy Pastor (nach Absprache mit Kersten Weichbrodt)

Waren diese Erfolge die beste Erfahrung Ihres Lebens? Nein, die beste Erfahrung meines Lebens hatte ich mit zwölf Jahren, als wir in Österreich waren und ich zum ersten Mal Schnee gesehen habe. Das ist unvergessen.

Gibt es etwas, das Sie nicht noch einmal tun würden? Ja, rückblickend hätte ich gleich den Job als Vorstandsvorsitzender bei Tesla selbst machen sollen. Die Fehlversuche mit anderen Kandidaten haben uns viel Zeit gekostet. Es ist deutlich schwerer, eine Firma aufzubauen, als eine laufende Firma zu führen.

Welche Fähigkeiten müssen Mitarbeiter überhaupt mitbringen, um bei Tesla anfangen zu können? Mir ist wichtig zu erfahren, wann Bewerber das letzte Mal eine schwere Entscheidung getroffen haben. Und mit welchem Ausgang. Wo sie studiert haben, ist nicht wichtig, sie müssen nicht einmal ein abgeschlossenes Studium haben. Schauen Sie sich Bill Gates oder Steve Jobs an, die hatten auch keinen Abschluss.

Was haben Sie mit Bill Gates oder Steve Jobs gemein? Sicherlich die Kombination aus technischer Begabung und wirtschaftlichem Verständnis. Ganz wichtig ist am Ende aber, dass man in der Lage ist, geeignete Leute zu finden und für sein Projekt zu begeistern. Nur dann wird ein Start-up erfolgreich. Und das ist uns allen gelungen.

Wie lange wollen Sie Tesla-Chef bleiben? Auf jeden Fall noch so lange, bis unser Model 3 auf der Straße ist. Das wird 2017 sein – dann sehen wir weiter.

Tesla-Besitzer können ihr Auto an Superchargern kostenlos laden. Ziel ist der Betrieb mit Solarenergie.

©Nancy Pastor (nach Absprache mit Kersten Weichbrodt)

Das Model 3 soll Tesla vom Nischenanbieter zum Massenhersteller machen. Wie wollen Sie den Preis für das Auto auf die angepeilten 35.000 Dollar senken? Das Model S kostet jetzt mindestens 70.000 Dollar. Das wird in erster Linie über den Antrieb funktionieren. Die Akkus müssen preiswerter werden. Deshalb habe ich eine Batteriefabrik gegründet, deren Bau in Kürze beginnt.

Haben Sie ein Lebensmotto? Ich möchte gern nützlich sein.

Das Gespräch mit Elon Musk führten Christin Martens und Joachim R. Walther
Fotos: Nancy Pastor (nach Absprache mit Kersten Weichbrodt) , DPA

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.