Jaguar XJ Serie III (1979-1992)

Gebrauchtwagen Jaguar XJ Serie III Gebrauchtwagen Jaguar XJ Serie III

Jaguar XJ Serie III (1979-1992)

— 04.12.2002

Zum Sterben zu schön

Alter englischer Adel: lebt ewig, macht ewig Sorgen. Jaguar XJ12: die aufregendste Art, Geld zu versenken.

Karosserie und Motor

Geld hat viele schöne Seiten. Man kann sich prächtige Villen gönnen, schnittige Yachten oder edle Limousinen vom Schlage eines Jaguar XJ12. Doch im Gegensatz zu Prachtbauten und Luxusdampfern sind britische Zwölfzylinder nach einigen Jahren auch für Normalverdiener erschwinglich. Unser Test-Jaguar Sovereign XJ12 zum Beispiel schnurrt für 3000 Euro um die Gunst der Gebrauchtwagen-Kunden. Dass die Steuer – vor allem beim V12 ohne Kat (1369,44 Euro) – rechten Katzenjammer verursachen kann, wird beim Anblick des schönen Katers gerne unter dem Punkt "Nebengeräusche" abgetan. Ermuntert doch die Versicherung zum Kauf.

Haftpflichtklasse 13 ist für so ein Schlachtschiff sensationell, ein simpler Audi 80 kommt da schon teurer. Offensichtlich wird der Jaguar liebevoller bewegt, kaum ein Straßenrowdy wählt diesen noblen Wagen. Der V12 ist kein Tempomacher, er schätzt das Gleiten und den ruhigen Gasfuß, ansonsten greift er brutal in die Brieftasche. Wer das Triebwerk nicht pflegt und nach dem Start dem Öl kaum Zeit zur Verteilung im Leichtmetall-Labyrinth lässt, wird wenig Freude haben. Die Folge sind häufige Reparaturen und ein Benzinverbrauch von bis zu 25 Litern. Ob der Jaguar ein schlechtes Auto ist, lässt sich nicht mit einem Satz beantworten. Sicher, für brave Nissan-Fahrer ist der Jag nicht unbedingt das ideale Auto.

Besitzer von XJ der Serie I und II hingegen sind von der "robusten" Serie III beeindruckt. Mit den Jahren kommt aber auch hier der Rost. Erst bildet der Lack kleine Bläschen, dann werden diese mehrere Zentimeter lang. Im Endstadium verunstaltet ein großes Loch das Blech der Katzenhaut. Dann hilft nur ein teurer Besuch beim Karosserieschlosser. Besonders betroffen: alle vier Radläufe, der Rahmen der Front- und Heckscheibe, die Innenschweller und sämtliche Bodenbleche. Ein rostfreier Jaguar ist mehr als selten, den genauen Reparaturaufwand kann nur ein Fachmann bestimmen.

Fahrwerk und Elektrik

Unsere Erfahrungen mit Händlern sind allerdings nicht die besten. Beim Werkstatt-Test vor zwei Jahren bekleckerten sich die von uns besuchten Jaguar-Betriebe nun wirklich nicht mit Ruhm (Nr. 1/00). Tipp: An einen der zahlreichen Clubs wenden. Die kennen die besten Blech-Profis – und geben gerne gute Adressen weiter. Wesentlich robuster als das Blech ist die Automatik von General Motors. Schaltet der Automat nicht mehr sanft, ist eine Überholung und eventuell ein Austausch der Bremsbänder notwendig. Kapitale Getriebeschäden sind sehr selten. Häufig hingegen sind rote Tropfen am Garagenboden. In dieser Farbe markiert die Servolenkung ihr Revier.

An der Lenkung zeigt sich, ob bei den letzten Inspektionen ein Fachmann am Werk war. Der XJ hat neun Schmiernippel an der Vorderachse, sie müssen regelmäßig gefettet werden. Ausgeschlagene Haltebuchsen des Lenkgetriebes gibt es häufig, in diesem Fall reagiert die Lenkung auffallend schwammig. Die Hinterachse ist mit Silentblöcken am Unterboden befestigt. Niemals dürfen sie eingerissen oder spröde sein. Sorgen kann auch die Bremsanlage bereiten. Zieht die Feststellbremse stark einseitig, ist der Rückstellmechanismus einer oder beider Bremszangen defekt. Die Bremsscheiben können nicht nur rosten und verschleißen, auch Risse bilden sich hier gerne.

Legendär ist die anfällige Elektrik alter Briten aus dem Hause Lucas. Alle Stromverbraucher sollten problemlos funktionieren, Spuren von laienhaften Reparaturen zwingen zu Skepsis. Die Elektrik war schon immer problembehaftet, ein selbst gebauter Kabelsalat verbessert diese Schwachstelle nicht. Ein Blick hinter das Armaturenbrett macht klüger. Also: Trotz günstiger Gebrauchtwagenpreise ist der XJ nur ein Auto für kapitalkräftige Auto-Enthusiasten. Der Sechszylinder bietet vergleichbare Laufruhe und wesentlich günstigere laufende Kosten. Fazit: Neben Benzin im Blut und Geld auf der hohen Kante sind ein solider Erstwagen und eine trockene Garage für jeden XJ-Besitzer Pflicht.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 9/68 Neueinführung des XJ der ersten Serie 9/73 XJ Serie II, überarbeitete Frontpartie und veränderter Innenraum 5/77 V12 nur mit Automatikgetriebe (von GM, USA) erhältlich 3/79 XJ Serie III, erneut wurden das Fahrzeugäußere und der Innenraum überarbeitet 10/83 Innenraum erneut überarbeitet 10/86 Produktion des Sechszylinders wird eingestellt. 12/92 Produktionsende des Jaguar XJ12 Serie III

Schwachstellen • Rost nagt an nahezu allen Stellen dieser Limousine. Ein modriger Geruch im Innenraum zeugt von Wassereinbruch. Radlauf, Schweller, Scheibenrahmen: Bis zum Bodenblech ist nahezu alles betroffen • die Motoren sind grundsätzlich sehr langlebig, allerdings gibt es kaum einen Jaguar ohne Ölverlust am Antriebsstrang • die Bremsscheiben neigen zur Rissbildung und sind vor allem an der Hinterachse sehr kompliziert zu tauschen • Risse an Verkleidungen und Cockpit bilden sich durch UV-Strahlen der Sonne, Reparaturen mit Originalteilen kommen teuer • der Lack am Walnuss-Holz platzt nach einigen Jahren auf, die Restauration sollte dem Profi überlassen werden

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Jaguar XJ V12 Automatik (194 kW/264 PS), Baujahr 1991. Wenn ein Originalteil zur Verfügung steht, sollte es dem Gebraucht-Teil vorgezogen werden, der Preisunterschied ist oft nicht so groß.

Fazit und Modellempfehlung

Fazit "Der Jaguar XJ aus der Serie III ist besser als sein Ruf und trotz seiner niedrigen Gebrauchtwagenpreise kein Auto für Schnäppchenjäger. Reparaturen sollte nur der Fachmann durchführen, gute Arbeit kostet oft sehr gutes Geld. Zwei Faustregeln: Einen alten Jaguar sollte nur kaufen, wer auch einen Neuwagen dieser Klasse finanzieren kann, und im Zweifelsfall den Wagen mit dem besseren Blech nehmen, denn Reparaturen an der Mechanik sind für geschulte Hände das geringere Problem." Nikolaus Eickmann, Kfz-Mechaniker und AUTO BILD-Redakteur

Modellempfehlung Jaguar XJ V12, Baujahr 1991 (194 kW/264 PS) Steuer/Schadstoffklasse: 585 Euro im Jahr/Schadstoffarm E1 Testverbrauch: Werk: 15,8 Liter, gemessen 18,6 Liter (Super) Versicherung: Vollkasko (25/500 Euro SB): 1735 Euro. Teilkasko (35/150 Euro SB): 428 Euro. Haftpflicht (13): 704 Euro (ONTOS-Jahrestarife, Regionalklasse Berlin, 100 Prozent, 20.000 km) Inspektion/Kosten: 12.000 Kilometer, etwa 400 bis 650 Euro Wertverlust: Zehnjährig kostet der XJ rund 4150 Euro (Händlerverkaufspreis), danach verliert er jährlich um 900 Euro

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.