Kindersitze, Teil 3

— 09.03.2009

Gruppen-Zwang

Kindersitze, Teil 3
In der großen weiten Welt der Kindersitze gibt es drei Typen-Gruppen: Babyschalen für die ganz Kleinen sowie Sitze für die Kleinen und Halbwüchsigen. autobild.de bringt Licht in den Modell-Dschungel.
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Von Birgit Meier Babyschalen, also die Sitze der Gruppen 0 und 0+, müssen grundsätzlich gegen die Fahrtrichtung (Reboard) montiert und mit dem Dreipunktgurt gesichert werden. Alternativ können sie auch auf ein Isofix-Gestell montiert werden, ebenfalls entgegen der Fahrtrichtung. Kleinkinder sollten so lange wie möglich rückwärts gerichtet transportiert werden, weil der Kopf im Verhältnis zum Körper sehr schwer ist. Bei einem Frontalaufprall (häufigste Unfallform) wird so die Belastung der Halswirbelsäule gering gehalten. Oftmals haben Eltern frühzeitig das Gefühl, die Babyschale wird für ihren Säugling zu klein. Aber auch wenn die Beinchen schon über die Sitzkante ragen und es seitlich etwas eng wird, ist es wichtig, das Kind so lange wie möglich in Gegenfahrtrichtung zu transportieren.

Ganz wichtig: Babyschalen für die Kleinen müssen immer entgegen der Fahrtrichtung montiert und mit Dreipunktgurt gesichert werden.
Ganz wichtig: Babyschalen für die Kleinen müssen immer entgegen der Fahrtrichtung montiert und mit Dreipunktgurt gesichert werden.
Eine Schale ist erst zu klein, wenn der Kopf des Babys über den oberen Rand der Schale hinausragt. Hersteller wie Concord/Jané, Maxi Cosi, HTS, Römer sowie Recaro/Storchenmühle bieten Travel-Systeme an: Schale samt Kind können nach Verlassen des Autos auf ein fahrbares Gestell geklickt werden. Meist lassen sich die Gestelle später zu einem Buggy umrüsten. Säuglinge dürfen nur vorn mitfahren, wenn der Beifahrer-Airbag deaktiviert ist. Bei einem Crash würde der Airbag den Säugling samt Schale brutal gegen die Rückenlehne des Beifahrersitzes katapultieren. Deshalb bieten immer mehr Autohersteller die Möglichkeit, den Beifahrer-Airbag manuell per Schlüssel zu deaktivieren. Mercedes setzt auf einen Sensor im Autositz, der mittels eines Transponders in der Babyschale den Airbag deaktiviert.

Sitze, die entgegen der Fahrtrichtung montiert werden, brauchen mehr Gurtband, als in Fahrtrichtung montierte Kindersitze . Babyschalen (Gruppe 0/0+) benötigen in der Regel besonders viel Gurtband. Auf dem Beifahrersitz (wichtig: Airbag deaktivieren!) reicht die Länge meist, im Fond sind die Gurte dagegen häufig zu kurz. Deshalb sollte man zum Kauf eines Kindersitzes immer alle Autos mitnehmen, in denen der Sitz hinterher zum Einsatz kommt, und den Kindersitz probehalber einbauen. Babyschalen, bei denen ein Teil der Gurtführung unterhalb der Schale verläuft, kommen in der Regel mit weniger Gurtband aus. Eine weitere Lösung sind Schalen mit Isofix-Sockel. Nachträglich die Fahrzeuggurte zu verlängern, bieten einige Pkw-Hersteller zwar an, die eingesetzten Gurtverlängerungen lassen sich aber häufig nicht durch die Gurtführungen der Kindersitze ziehen.
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Kindersitz-Gruppe 1
In der Gruppe 1 bieten die Hersteller unterschiedliche Rückhaltesysteme an. Am beliebtesten sind Sitze, in denen die Kinder per Hosenträgergurt gesichert werden. Dabei wird der Sitz mit den Fahrzeugdreipunktgurten montiert und das Kind dann mit den Fünfpunktgurten des Kindersitzes angeschnallt. Diese Sitze werden in den allermeisten Fällen in Fahrtrichtung montiert. Wichtig: Die Kinderhaltegurte sollten einfach zu straffen sein. Der Sitz muss absolut fest im Auto angebracht sein. Einige Hersteller bieten Sitze mit Fangkörper an. Dabei werden Sitz und Kind mit den Fahrzeuggurten gesichert. Diese Systeme schneiden in Crashversuchen häufig gut ab. Sie haben aber den Nachteil, dass es keine Liegeposition für das Kleinkind gibt. Viele Kinder fühlen sich zudem durch den Fangtisch eingeengt und schwitzen darunter schnell.

Ebenfalls im Angebot: Sitze, die samt Kind mit dem Dreipunktgurt des Autos gesichert werden. Einfach in der Handhabung, aber für kleine Kinder sind Sitzposition und Gurtführung oftmals nicht optimal. Es gibt keine Liegeposition, und diese Sitze sind in der Regel nicht sehr hoch, was zur Folge hat, dass die Kleinen nicht aus dem Fenster sehen können. Eine weitere Möglichkeit sind Reboard-Systeme. Die sind sehr sicher (siehe Babyschalen), aber stets etwas aufwendiger zu montieren. Manche Modelle beanspruchen zudem viel Platz im Fond. Für alle Sitze der Gruppe 1 gilt: Zu klein ist der Autokindersitz, wenn oberhalb der Rückenlehne der Kopf des Kindes harauszuragen beginnt.
Sitz-Gruppe 2/3
Ist alles richtig und sauber montiert, kann es sorgenfrei losgehen.
Ist alles richtig und sauber montiert, kann es sorgenfrei losgehen.
Ab etwa drei Jahren kommen für Kinder Sitze der Gruppe 2/3 in Frage, die immer in Fahrtrichtung weisen. Kind und Sitz werden mit dem Dreipunktgurt angegurtet. Zu empfehlen sind Sitze mit Rückenlehne, viel Seitenaufprallschutz und höhenverstellbarer Kopfstütze, so dass der Gurt optimal verlaufen kann. Dabei ist es wichtig, dass der Beckengurt über den Beckenknochen verläuft, auf keinen Fall über dem Bauch. Der Diagonalteil des Gurtes sollte über der Schulter verlaufen, nicht schräg am Hals. Die Sitze dieser Gruppe sollten nicht zu schwer sein, denn die Kleinen sollten ihren Sitz gelegentlich auch mal selber tragen können. Für Kinder, die schnell im Auto einschlafen, gibt es Sitze mit neigungsverstellbarer Kopfstütze. So kippt der Kopf im Schlaf nicht nach vorn, das Kind schläft sicher und bequem. Achtung: Diese Sitze sollen dem Kind lange passen, also beim Kauf darauf achten, dass auch große Kinder lange darin sitzen können. Einige Modelle lassen sich in der Breite verstellen. Sitzerhöhungen ohne Rückenlehne und Kopfstütze sind zwar noch zugelassen, aber nicht empfehlenswert, weil es an dem nötigen Halt für den Kopf sowie Seitenaufprallschutz fehlt.
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