Lackschäden ausbessern

So funktioniert die Lack-Reparatur

Auto lackieren: Lackschäden reparieren

Alles wieder im Lack

Eine Autolackierung ist teuer, doch mit etwas Geschick lassen sich kleine Lackschäden auch selbst beheben. AUTO BILD erklärt, wie die Lack-Reparatur funktioniert.
Lackschäden am Auto sehen nicht nur unschön aus, sie bergen auch die Gefahr von Rost. Selbst kleine Steinschläge und Kratzer bieten der Korrosion Angriffsfläche. Die Lösung ist, das Auto bzw. die betroffenen Stellen zu lackieren. Jetzt stellt sich die Frage: Zum Profi oder selber machen? Das Auto beim Profi lackieren zu lassen, geht meist ganz schön ins Geld. Doch nur der professionelle Lackierer schafft ein makelloses Ergebnis. Selbst wenn für einen Autolack der genaue Farbcode bekannt ist, gibt es noch ungefähr 15 bis 20 mögliche Abweichungen vom tatsächlichen Farbton. Auch für gelernte Lackierer ist es eine Herausforderung, die richtige Nuance zu treffen. Wer aber mit Übergängen und leichten Farbunterschieden leben kann und dazu handwerklich etwas geschickt ist, kann sein Auto selbst lackieren und die Lackschäden ausbessern. Je nach Schaden gibt es dafür verschiedene Vorgehensweisen. AUTO BILD erklärt, worauf zu achten ist.

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Wann muss ein Lackschaden lackiert werden?

Der Lack besteht aus mehreren Schichten. Ist nur der Klarlack verletzt, lassen sich Kratzer meist noch wegpolieren.

Der Autolack besteht aus verschiedenen Schichten: Unter dem Klarlack und Metalliclack befinden sich noch ein Fülllack, die Grundierung und eine Schicht aus Phosphat. Solange die kleinen Kratzer nur im Bereich des Klarlacks sind, lassen sie sich in der Regel durch gründliches Polieren oder mit einem speziellen Kratzerentferner beseitigen. Sobald der Metalliclack oder tiefere Schichten erreicht sind, kommt man mit der Poliermaschine nicht mehr weiter. Außerdem wächst die Gefahr von Korrosion. Der Lackschaden sollte schnellstmöglich ausgebessert und lackiert werden. Je nach Tiefe des Kratzers ist es ausreichend, den Bereich abzuschleifen, mit etwas Sprühspachtel zu behandeln und zu lackieren. Bei tieferen Kratzern muss detaillierter nachgebessert werden. Wie das geht, ist in den Anleitungen weiter unten erklärt.

Die Kosten für die Profi-Lackierung

Ein guter Grund das Auto selbst zu lackieren sind die Kosten. Da mit der Erneuerung des Lacks bzw. dem Ausbessern von Kratzern und Steinschlägen ein hoher Aufwand verbunden ist (Montage, Spachteln, Reinigen, Auftragen mehrerer Lackschichten), sind die Preise beim Profi hoch. So kostet das Lackieren der Motorhaube ca. 400 bis 500 Euro, ein Kotflügel 500 bis 600 Euro und ein ganzer Kleinwagen mindestens 3000 Euro. Dabei sind nach oben keine Grenzen gesetzt – auch 10.000 Euro sind ein realistischer Preis für eine Komplett-Lackierung. Die Preise variieren stark und sind von vielen Faktoren abhängig, darunter die Größe des Autos, die Art des Bauteils, der Aufwand der Lackierung (Ausbesserung von Schäden oder einfache Neulackierung) und nicht zuletzt auch die Farbe. So gelten Silbertöne und Metallic-Lacke zum Beispiel als schwierig zu lackieren. Um die Kosten für die Lackierung zu senken, gibt es die Möglichkeit den Arbeitsaufwand zu verringern, indem vorab schon einige Teile selbst abmontiert werden. Dazu sollte man aber zuvor unbedingt Rücksprache mit der Werkstatt halten. Außerdem ist vorher abzuklären, wie mit unangenehmen Spätfolgen umgegangen wird (Lack verändert sich nachträglich, Rost kommt wieder durch etc.). Gerade wenn der Lack schon verwittert und von der Sonne ausgeblichen ist, schaffen es auch die Profis nicht immer ein perfektes Ergebnis zu erzielen. Damit es im Anschluss nicht zu einem bösen Erwachen kommt, besser vorher absichern.

Autoteile selbst lackieren – Schritt für Schritt

Beim Lackieren in Eigenregie lassen sich die besten Ergebnisse mit einer Lackierpistole oder alternativ Lack aus der Sprühdose erzielen (Tipp: Für die Sprühdose sind verschiedene Sprühköpfe erhältlich, um den Sprühstrahl zu variieren). Dabei ist es wichtig, auf ausreichend Licht, Sauberkeit und am besten auch gute Belüftung der Räumlichkeiten zu achten sowie sich selbst mit Atemschutz und entsprechender Bekleidung zu schützen. Das zu lackierende Bauteil (z.B. Kofferraumklappe, Kotflügel) sollte für bestmögliche Ergebnisse zuerst abmontiert werden. Auch Komponenten, die nicht mitlackiert werden (z.B. Leuchten, Kennzeichenhalter, Plaketten, Gummidichtungen), müssen entfernt oder sorgfältig abgeklebt werden. Rostige Stellen oder tiefe Kratzer sollten zuvor entsprechend ausgebessert werden (Rost entfernen, Rostumwandler, Schleifen, Spachteln – siehe auch "Smart Repair"). Der Großteil der Arbeit beim Lackieren, entsteht durch die Vorbereitung: Die Bauteile werden mehrere Male abgeschliffen und noch öfter gesäubert, bevor die Lackpistole überhaupt in die Nähe des Blechs kommt. Doch gerade diese Vorarbeit ist ein entscheidender Faktor für das Endergebnis, deswegen ist dabei große Sorgfalt geboten.
Schritt 1: Zuerst muss die Oberfläche des Bauteils aufgeraut werden, damit der neue Lack besser hält. Dafür wird das Bauteil am besten mit einem Schleifer abgeschliffen und mit Schleifpapier oder -vlies nachbearbeitet.
Schritt 2: Schleifrückstände gründlich entfernen. Dafür das Bauteil abwaschen, mit Silikonentferner behandeln und anschließend mit einem Staubbindetuch abwischen.
Schritt 3: Das Bauteil in zwei bis drei Durchgängen mit Füller besprühen. Das glättet die Oberfläche und entfernt feine Riefen vom Schleifen. Wichtig: Dazwischen immer ausreichend trocknen lassen, ein Infrarot-Trockner beschleunigt den Vorgang. Anwendungshinweise beachten. Zwischendurch immer wieder säubern, damit sich kein Staub absetzt.
Schritt 4: Den Sprühfüller nochmal mit Wasserschleifpapier oder Schleifvlies abschleifen. Anschließend alle Rückstände gründlich mit Wasser abwaschen.
Schritt 5: Damit der Lack schneller trocknet, ist Wärme nötig. Dafür kann das Bauteil entweder mit einem Heißluftföhn erwärmt, oder – etwas bequemer – einfach mit einem Baustrahler angestrahlt werden. Vorsicht: Falls umliegende Bereiche mit Papier abgeklebt wurden, unbedingt auf ausreichend Abstand achten, da es sonst Feuer fangen kann.
Schritt 6: Auftragen des Basislacks in drei bis vier dünnen Schichten. Auf den richtigen Luftdruck der Sprühpistole achten, bevor der Farbbehälter aufgesetzt wird. Der Druck ist abhängig von der Pistole, liegt aber in der Regel zwischen 2,5 und vier bar. Die Sprühpistole wird mit etwa 20 Zentimetern Abstand zum Blech im 90-Grad-Winkel gehalten. Beim Sprühen große, horizontale Bahnen ziehen und den Lack mit ausladenden Bewegungen auftragen. Mit jeder neuen Bahn den Sprühstrahl etwa um ein Viertel versetzen, sodass ca. drei Viertel überlappen. Wichtig: Auf gleichbleibenden Abstand achten.
Schritt 7: Nach ausreichend Trocknungszeit den Basislack vorsichtig abschleifen und mit Wasser von Rückständen reinigen.
Schritt 8: Den Klarlack anmischen und in vier bis fünf Schichten in der gleichen Weise auftragen, wie den Basislack.
Schritt 9: Um den Lack das perfekte Finish zu verpassen, kann er im Anschluss poliert werden. So können kleine Ungenauigkeiten noch ausgebessert werden.

Smart Repair: Lackschäden selbst beheben

Kleine Steinschläge lassen sich noch mit Lackstift und Drahtbürstchen ausbessern.

Wer kein Problem mit leichten Farbunterschieden hat, kann kleine Schäden am Auto auch selber lackieren. Dabei sollte sich aber jeder Hobbybastler im Klaren darüber sein, dass er zuhause nie so ein Ergebnis erzielen wird, wie ein Profi. Aber auch eine nicht ganz so professionelle Lackierung ist besser, als dem Rost das Feld zu überlassen. Wichtig: Vorab müssen die zu lackierenden Teile gut gesäubert und entfettet werden. Dafür am besten einen Silikonentferner verwenden. Schwer zugängliche Bauteile wie zum Beispiel der Stoßfänger sollten vorher abgebaut werden.
Steinschläge ausbessern: Zur Ausbesserung von Steinschlägen sind Lackstifte geeignet. Sie sind beim Hersteller in nahezu allen Original-Farben bestellbar. Meist befindet sich im Deckel eine kleine Drahtbürste, damit wird der Steinschlag angeschliffen. Danach per Pinsel den Lack vorsichtig in den Steinschlag tupfen und die frische Farbe trocknen lassen. Ganz glatt wird die Oberfläche, wenn nach dem Tupfen die Stelle mit 1000er-Schleifpapier aufgeraut wird. Anschließend polieren.
Oberflächliche Kratzer: Oberflächliche Schrammen, etwa in den Griffmulden der Türen können einfach mit Kratzerentferner behandelt werden. Einige Minuten polieren und die Reste mit einem feuchten Tuch abwischen. Jeweils 15 Minuten trocknen lassen.
Tiefe Kratzer und Lackschäden: Tiefe Kratzer, Roststellen und Lackplatzer müssen ausgebessert werden, bevor sie lackiert werden können. Je nach Position des Schadens, kann es einfacher sein, das Bauteil vorher abzubauen. Zu Beginn sollte die betroffene Stelle entlang von Kanten im Blech gut abgeklebt werden. Dabei unbedingt auf Falten und Lücken im Papier achten.
Schritt 1: Besonders tiefe Schäden müssen mit Spachtelmasse aufgefüllt werden. Dafür wird Spachtelmasse angerührt und vorsichtig auf die betroffenen Stelle aufgetragen. Ist der Schaden mit Spachtelmasse aufgefüllt, gut trocknen lassen.
Schritt 2: Die gespachtelten Bereiche gründlich abschleifen (z.B. mit Schleifmaschine oder Schleifklotz) bis keine Unebenheiten mehr zu erspüren sind. Dafür ist viel Geduld und Zeit notwendig. Am besten mit etwas gröberer Körnung beginnen und für das Finish auf eine feinere Körnung zurückgreifen.
Schritt 3: Den zu lackierenden Bereich gründlich mit Silikonentferner und Staubbindetüchern von den Schleifrückständen befreien.
Schritt 4: Anschließen kann die Fläche wie oben beschrieben mit Füller besprüht und lackiert werden.

So funktioniert die Lack-Reparatur

Kleine Schleifkunde

Allgemein kann auf zwei Arten geschliffen werden: Trocken oder Nass. Beim Nassschliff wird die Oberfläche durch das Wasser während des Schleifens gekühlt, gleichzeitig wird der Staub weggespült. Deswegen ist das Nassschleifen vor allem für Feinarbeiten geeignet. Achtung: Darauf achten, dass wasserfestes Schleifpapier verwendet wird. Trockenschleifen geht wesentlich schneller, da der direkte Kontakt zum Lack gegeben ist. Deswegen werden gröbere Vorschliffarbeiten immer trocken erledigt. Dafür besteht die Gefahr der Hitzeentwicklung, die unter Umständen den Lack schädigen kann. Außerdem kann der Staub Brösel ("Schleifläuse") bilden, die Rillen hinterlassen. Deswegen gilt hier: Schleifpapier immer wieder gut ausklopfen. Wird der Trockenschliff mit Maschine durchgeführt, auf eine gute Absaugung achten. Beim Schleifpapier gibt es verschiedene Körnungen von besonders groben Papieren (unter 40) bis zu sehr feinem Schleifpapier (über 7000). Beim Polieren eines Autos werden meist 1000er-3000er Körnungen verwendet. Für das Vorbereiten der Lackierung von Autos kommen folgende Körnungen zum Einsatz:

• Schäden/Rost abschleifen: 80er-120er Körnung
• Vorschliff zum Spachteln: 120er-180er Körnung
• Anschleifen des Spachtels: 80er-120er Körnung
• Nachschleifen: 180er-240er Körnung
• Feinschliff: Ab 320er Körnung

Weitere Tipps zum Lackieren

• Tiefe Temperaturen verhindern eine gute Lackierung, daher den Wagen warm unterstellen. Ein Heizstrahler schafft ebenfalls Abhilfe.
• Wenn möglich, sollten sich Hobbylackierer vor dem Auto ein anderes Objekt zum Üben suchen. Wie wäre es zum Beispiel mit einem alten Gartengerät?
• Bei der Arbeit mit Kompressor: Am besten nur mit Öl- und Wasserabschneider verwenden, ansonsten können Öl- und Wassertropfen das Ergebnis verschlechtern.
• Wer komplett lackieren will, sollte sich zu Beginn die ausreichende Lackmenge anmischen, damit es nicht zu Farbunterschieden kommt.
• Die meiste Arbeit fließt in das Schleifen und Vorbereiten der Fläche. Hier sollte mit viel Geduld und Sorgfalt gearbeitet werden, denn Fehler erkennt man häufig erst, wenn die Lackierung fertig ist.
• Sauberkeit ist das A und O, deswegen die zu lackierende Fläche immer wieder säubern und mit dem Staubbindetuch abwischen.
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Spraydosengriff

Sprühköpfe

Sprühspachtel

Füllspachtel

Spachtel

Silikonentferner

Staubbindetücher

Atemschutz

Schutzanzug

Kreppband

Schleifpapier

Autor: Lena Reuß

Stichworte:

Autolack Lackschaden

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