Bilder: Land Rover DC100 Sport

Land Rover DC100 Sport: Fahrbericht

— 07.02.2012

Ab in die Zukunft

Mit dem echten Defender-Nachfolger hat die lifestylige Studie Land Rover DC100 Sport nicht viel gemein. Mit ihren Konzepten zur Zukunft der Allradtechnik ist sie dennoch interessant. Ein Fahrbericht.

An den Ur-Landy solle der DC100 Sport erinnern, sagt Chefdesigner Gerry McGovern, der erste Land Rover sei auch kurz, offen und dreisitzig gewesen. Na ja, das stimmt zwar, aber damit erschöpfen sich die Gemeinsamkeiten auch schon. Denn der erste Land Rover war eher ein Traktor als ein Auto. Er hatte mit 50 PS sehr wenig Leistung, bot keinerlei Komfort und nur die notwendigsten Zutaten für den Betrieb auf der Straße. Sein Design war nicht geplant, sondern ergab sich rein zufällig aus der Notwendigkeit, die Technik irgendwie zu verkleiden. Der DC100 Sport hingegen ist von den Scheinwerfern bis zu den Auspuffblenden durchgestylt. Als würde es sich nicht um ein Automobil für den Einsatz in rauem Terrain handeln, sondern um ein Schmuckstück, das nach dem Kauf sofort in eine geschlossene Glasvitrine wandert, damit es nicht schmutzig wird.

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Designerstück: Für einen Defender-Nachfolger taugt das Blechkleid des DC100 Sport nicht.

Wobei es hier durchaus Parallelen gibt, wenn auch nicht zu den britischen Farmern aus der Anfangszeit, aber zu Defender-Besitzern der Neuzeit, die in Großstädten wohnen, ihr Auto als Designikone betrachten und damit nie den Asphalt verlassen. Fakt ist: Ob es ein Auto wie den DC100 Sport jemals geben wird, weiß auch bei Land Rover niemand. Sicher ist nur, dass die Designer und Techniker in England im Moment an einem komplett neu konstruierten Nachfolger des aktuellen Defender arbeiten und dessen Markteinführung für 2015 vorbereiten. Bis dahin wird keine Rede mehr sein vom 510 PS starken Kompressor-V8, der in der Studie vor sich hin bollert. Diesen Motor hat Land Rover nur für die Amerikaner eingebaut, damit die sich überhaupt für den DC100 Sport interessieren. In den echten Defender-Nachfolger kommt ein neuer Vierzylinder-Diesel, den Land Rover gerade selbst entwickelt. Besonders spannend verläuft meine Probefahrt mit dem DC100 nicht. Wie immer bei solchen handgedengelten Einzelstücken.

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Technologieträger: Die Studie zeigt die Optionen neuer Allrad-Techniken.

Die fahren halt irgendwie, haben aber mit dem Serienauto, das dann in ein paar Jahren herauskommt, nichts gemein. Der bernsteinfarbene Hingucker wühlt sich tapfer durch den Sand, so wie es jeder andere Land Rover auch tun würde. Unter seiner hübschen Hülle steckt weitgehend die Technik des Range Rover Sport. Und eine ganze Reihe zukunftsweisender Technik-Highlights, die wir bei dieser ersten Probefahrt leider nicht ausprobieren können. Die neuen 4x4-Technologien, die für künftige Land Rover und Range Rover geplant sind, seien noch in der Entwicklungsphase und funktionierten noch nicht so gut, dass man sie in der Praxis vorführen könnte, sagt der Hersteller. Okay, lassen wir sie uns eben in der Theorie erklären: Erster Schritt: Das weiterentwickelte Terrain Response System, also das Geländefahrprogramm, passt sich automatisch an den jeweiligen Untergrund an. Der Fahrer muss nichts mehr vorwählen. Seine Daten erhält das System von Sensoren, die Federwege, Radschlupf, Lenkwinkel sowie die Stellungen von Gas- und Bremspedal überwachen.

Nächste Ausbaustufe des Systems ist die Kombination mit hochauflösenden Kameras, die den Untergrund vor dem Auto erfassen und das Fahrprogramm entsprechend einstellen. Zusätzlich gibt es einen Scanner im Scheinwerfer, der ein virtuelles 3D-Bild des vor dem Wagen liegenden Untergrunds erzeugt und dies dem Fahrer auf einem Display anzeigt, wie in einem Kampfjet. Der zentrale Rechner verarbeitet diese Informationen, gleicht sie mit seinen gespeicherten GPS-Daten ab und weiß dadurch, wenn ein Hindernis nicht ohne Schaden am Auto zu überwinden wäre. Dann erfolgt eine Warnung an den Fahrer mit dem höflichen Hinweis, es besser bleiben zu lassen. Für Wasserdurchfahrten arbeiten die Techniker an einem System, das auf Sonartechnik basiert. Die kannte man bisher eher von U-Booten.

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Relativ autonom: In Sachen Antrieb weiß der DC100 Sport am besten, was Sache ist.

Und so funktioniert’s: Zuerst fährt man das Auto bis über die Stoßfänger ins Wasser und bleibt stehen. Jetzt ermitteln Sensoren in Stoßfängern und Außenspiegeln die Wassertiefe und berechnen mit Hilfe von Neigungswinkelmessern, ob der Grund abfällt oder ansteigt. Per Display sagt das Auto seinem Fahrer dann, ob die Wasserdurchfahrt möglich ist oder nicht. Falls ja, pumpt die Luftfederung die Karosserie auf maximale Höhe, und das Terrain Response System wählt die passende Fahrstufe in der Untersetzung sowie die optimale Geschwindigkeit für die Flussdurchquerung. Bei der Antriebstechnik selbst kommt ebenfalls immer mehr Elektronik ins Spiel. Sie verteilt die Antriebskraft in Zukunft nicht nur zwischen den Achsen, sondern permanent variabel zwischen allen vier Räder. Sowohl im Straßen- als auch im Geländebetrieb. Offroad gelangt so immer genügend Kraft an die Räder, die den besten Grip haben. Dass wir dann überhaupt noch selbst lenken, Gas geben und bremsen dürfen, ist übrigens nur eine freundliche Geste des Systems. Nötig wäre es nicht mehr.

Ein Artikel aus AUTO BILD ALLRAD


Autor: Bernhard Weinbacher

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