Maserati Ghibli Zegna FL Test (2015): Sitzprobe

Maserati Ghibli Zegna FL (2015): Sitzprobe

— 10.06.2015

Maserati auf der Seidenstraße

Der italienische Herrenausstatter Zegna bestückt künftig auch die Maserati-Modelle Quattroporte und Ghibli. Wie sich das Ergebnis anfühlt: Sitzprobe!

Dieses jüngste Kapitel der 101-jährigen Geschichte Maseratis könnte niemals in Deutschland spielen. Nicht in einem Land, in dem Männer nach wie vor weiße Tennissocken in braune Sandalen stecken dürfen, ohne dafür modepolizeichlich belangt zu werden. Also spielt es – wo sonst? – in Italien. Wo der gute Stil so selbstverständlich daherkommt, als würde er bereits mit der Muttermilch verabreicht.
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Äußerlich hat sich nichts geändert. Warum auch? Der Ghibli läuft erfolgreich.

Hier, genauer in Trivero bei Biella, trafen sich vor gut einem Jahr der deutsche Maserati-Chef Harald Wester und Ermenegildo Zegna, Boss und Enkel des renomierten italienischen Herrenausstatters Ermenegildo Zegna. Man verstand sich prächtig und beschloss eine exklusive Ausstattungslinie. Okay, das alleine revolutioniert nun wahrlich nicht die Autowelt und die Nachricht alleine wäre höchstens eine Kurzmeldung wert. Wären wir nicht in Italien, wären wir nicht bei Maserati. Erst diese Kombination erklärt, dass hier und heute in einem mondänen Grandhotel am Lago Maggiore hoch bezahlte Manager von Zegna und Maserati vor Journalisten  leidenschaftlich über Vorteile, Beschaffenheit und Exklusivität von Seide im Auto referieren. Und dieser Vortrag einen in den Bann zieht, als würde hier weltexklusiv eine revolutionäre Antriebstechnik enthüllt.
Was ist neu am gelifteten Ghibli?
Übrigens: Maserati hat den Ghibli leicht geliftet. Das ist neu:
- Alle Motoren erfüllen künftig die Euro-6-Norm
- Die Benziner haben eine Start-Stopp-Funktion
- Neue Assistenten wie Totwinkelwarner, elektrischer Kofferraumdeckel und eine Spracherkennung
- gesenkte Leasingraten: Der 275 PS starke Diesel kostet im Monat 499 Euro (36 Monate Laufzeit, 14.900 Euro Sonderzahlung).

Die viertürige Limousine war seinerzeit der erste Maserati mit Dieselmotor.

Ja, meine lieben Herren und Modemuffel, jetzt ist es also tatsächlich passiert: Im Quattroporte, Ghibli und ab Frühjahr dann auch im neuen SUV Levante, hängt die Autowelt sprichwörtlich am seidenen Faden. Das hört sich banaler an, als es offensichtlich ist. "Wir mussten hier zwei Welten zusammenbringen", erklärt Wester. "Man glaubt ja gar nicht, wie viel High Tech in dieser Adaption steckt." Über ein Jahr wurde getüftelt, getestet und Probe gesessen, bis die langkettigen Eiweiße der hochwertigen Zegna-Seide dem täglichen Stress einer Autofahrt genügten – bis das Textil die Ansprüche an Sitzkomfort, Halt, Abrieb, Festigkeit, Schweißabsorbtion und UV-Beständigkeit erfüllte. Verarbeitet Zegna normalerweise 3,10 Meter Seide pro Anzug, sind es im Maserati gut zwölf Meter. Die Stilexperten aus Modena tapezieren Sitzflächen, Türverkleidungen und den Dachhimmel mit dem feinen Garn, das aus China importiert und dann in Trivero weiterverarbeitet wird. Vorerst immer in Mittelgrau, kombinierbar mit verschiedenen Tönen des edlen Poltrona Frau-Leders aus der Manufaktur des Ex-Ferrari-Chefs Montezemolo.

Maserati Ghibli und Quattroporte Q4: Fahrbericht

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Als Mensch ohne abgeschlossenes Studium an einer Mailänder Modeschule denkst du naiverweise: ja, schöner Stoff. Und da nur ein kleines Label hinter der Sonnenblende im perfektem Understatement auf Zegnas Handwerkskunst hinweist, erschließt sich dir die neue Seidenstraße, auf die Maserati nun abbiegt, nur bedingt. Doch wir sind in Italien. Wo eben viel mit Stil, Gefühl, Lebensart und Dolce Vita zu tun hat. "Vielleicht siehst du es nicht, aber du weißt es", sagt Wester und nimmt damit Ignoranten wie mir gleich mal den Wind aus den Segeln. Tatsächlich sitzt man nicht besser oder schlechter auf dem edel bezogenen Gestühl. Das gute Gefühl, in der mobilen Businesswelt richtig angezogen zu sein, wird rund 3500 Euro extra kosten. Maseratifahrer dürften diesen Betrag mit einem wissenden Lächeln als stilbildene Maßnahme verbuchen.

Gebrauchter Maserati Quattroporte im Test

Maserati Quattroporte Maserati Quattroporte Maserati Quattroporte

Autor: Tomas Hirschberger

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