Mercedes-Benz V-Klasse (1996-2003)

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Mercedes-Benz V-Klasse (1996-2003)

— 30.10.2003

V wie Verzweiflung

Mit der V-Klasse setzte Mercedes seinen guten Ruf aufs Spiel. Der Van hat den Stern nicht verdient.

Qualität und Karosserie

Jeder hat mal einen schlechten Tag. Dieter Bohlen könnte damit trefflich seine Bücher rechtfertigen, Verkehrsminister Stolpe das Maut-Debakel und Mercedes die Qualität der V-Klasse. Eigentlich wollten die Schwaben im Van-Segment mit dem Duo V und Vito einen neuen Maßstab setzen. Geräumiger als der erfolgreiche Espace, dazu das Zugpferd einer starken Marke, die traditionell für Qualität steht. Immerhin schaffte ja auch VW mit dem Sharan einen kommerziellen Erfolg.

Doch wenn heute selbst ein hochrangiger Mercedes-Manager uns hinter vorgehaltener Hand und dem Netzhemd der Verschwiegenheit anvertraut, "der V verdient den Stern nicht", ist über dieses Auto eigentlich alles gesagt. Der Text könnte hier enden. Kann er aber nicht, denn das letzte Wort haben unsere Leser. Meist adressieren sie ihre Briefe an den Kummerkasten und kommen selten mit einer Seite aus. In 134 Fällen wendeten wir uns an Mercedes, und selten ging es um Kleinigkeiten.

Zeigt der jährliche AUTO BILD TÜV-Report, dass Rost heute kaum noch ein weit verbreitetes Problem ist, so gilt dies nicht für die V-Klasse. Nahezu alle Bleche gammeln in Rekordtempo, egal ob Motorhaube oder Unterboden. Rostet ein Auto derartig stark, liegt es nicht allein an mangelnder Vorsorge. Vielmehr vermuten Fachleute, dass bereits beim Stanzen der Blechteile gepfuscht wurde und unsaubere Kanten später zum Ausgangspunkt der braunen Spuren mutierten.

Motor und Technik

Während der gesamten Produktionszeit kam es hier zu keiner für den Kunden spürbaren Verbesserung. Wer einen V hat, sollte noch vor der Salzstreuung im Winter den Unterboden kontrollieren und eventuell nachbessern lassen. Wer noch keinen hat, ist bei einem Gebrauchtwagenkauf mit einem kompletten Rost-Check gut beraten und sollte – wenn er selbst nicht sicher ist – einen Fachmann zur Begutachtung heranziehen.

Neben der Karosserie ist der Motor die zweite große Schwachstelle, und zwar der gesamte Motor, also Diesel-Einspritzpumpe, Zylinderkopfdichtungen und sämtliche Nebenaggregate wie Lichtmaschine, Ölpumpe, Wasserpumpe. In einem Internetforum fanden wir den Beitrag eines V-Besitzers, der nach drei Fahrzeugen in seinem Fuhrpark die Vermutung hat, dass ein CDI spätestens nach 80.000 Kilometern Probleme bereitet.

Ob V-Klasse, wie Mercedes die geschniegelte Variante mit plüschigem Innenraum nennt, oder Vito mit Nutzfahrzeug-Genen – bei beiden ist äußerste Vorsicht geboten. Egal wie viel oder wenig der Verkäufer für sein Auto verlangt. Neben den markentypisch hohen Reparaturkosten kommt das dicke Rechnungsende, wenn der Van abgestoßen werden soll.

Der Wiederverkauf macht große Schwierigkeiten, wie ein Leser dem Kummerkasten berichtete. Ein fairer Eintausch beim Mercedes-Händler war nicht möglich, lieber verzichtete dieser auf einen Neuwagenverkauf. Und so verschleuderte der frustrierte V-Besitzer privat den Wagen nach Polen. Dort erfreut sich dieser Mercedes großer Beliebtheit, was an den günstigen Preisen und der bemerkenswert ausgeprägten technischen Begabung polnischer Schrauber liegt.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 8/96 Start der Großraumlimousine mit Schiebetür an der rechten Seite. Bis zu sieben Personen passen in den Van, der 15 cm kürzer als das T-Modell der E-Klasse ist. Motoren: 143 PS (V 230), 98 PS (V 230 TD) 9/97 Neuer V 280 mit 174 PS 2/99 Facelift mit neuem Kühlergrill; neues Design für Seitenschweller, Stoßfänger und Türgriffe. Neues im Motorraum: 163 PS (V 280), V 200 CDI (102 PS), V 220 CDI (122 PS) 7/03 Der Viano löst die glücklose V-Klasse ab

Schwachstellen • Rost kennt keine Grenzen und greift von der Motorhaube bis zur Heckklappe nahezu alle Blechteile selbst bei sehr jungen Fahrzeugen an • die gesamte Motorenpalette gilt als anfällig, wobei bei den CDI-Dieseln zusätzlich auch die Einspritzpumpen sehr anfällig sind. Durchgebrannte Zylinderkopfdichtungen sind ebenso wie Probleme mit der Elektrik nahezu alltäglich • Getriebeschäden sind nicht selten und kündigen sich durch singende Geräusche an • die Verarbeitung ist unabhängig vom Baujahr bemerkenswert schlecht • Bremsscheiben und -klötze gelten als nicht besonders haltbar, dies gilt ebenso für die Kupplung • häufig ölt der Simmering in der Kupplungsglocke, dann dringt Öl auf den Belag, und die Scheibe rutscht durch

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Mercedes V 230, 105 kW/143 PS, Baujahr 1999. Die Ersatzteilpreise sind nicht höher als etwa bei VW für den T4, allerdings war der Preis für die Arbeitszeit bei Mercedes noch nie günstig.

Fazit und Modellbeispiel

Fazit "Bei einem Vorgänger wie der V-Klasse hat der neue Viano schweres Spiel – wer kann noch einem Mercedes-Van vertrauen? Technische Probleme ohne Ende, dazu rostet das Blech rasend schnell. Unverständlich auch, weshalb ein namhafter Weltkonzern wie DaimlerChrysler ein derart problembehaftetes Auto sieben Jahre im Programm führt und die Probleme nicht in den Griff bekommt. Der Imageschaden ist erheblich. Da war Opel konsequenter – und stellte seinen Problemfall Sintra nach zwei Jahren ein." Nikolaus Eickmann Kfz-Mechaniker und AUTO BILD-Redakteur

Modell-Beispiel Mercedes V 230 (105 kW/143 PS)

Steuer/Schadstoffklasse: 141 Euro im Jahr/Euro 2 Testverbrauch: Werksangabe 11,6 Liter, gemessen 13,4 Liter (S) Versicherung: Vollkasko (24/504 Euro SB): 1458 Euro. Teilkasko (35/151 Euro SB): 396 Euro. Haftpflicht (18): 985 Euro (Basis: ONTOS-Jahrestarife für Regionalklasse Berlin, 100 Prozent) Inspektion/Kosten: nach Verschleiß, etwa 250 bis 450 Euro. Wertverlust: Dreijährige verlieren rund 50 Prozent vom Neupreis (Händlerverkaufspreis), danach jährlich um 2000 Euro Verlust

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