Mercedes G 270 CDI

Mercedes G 270 CDI Mercedes G 270 CDI

Mercedes G 270 CDI

— 16.04.2002

Die Eier legende Wollmilchsau

Immer wenn man denkt, jetzt ist das Konzept des alten G ausgereizt, kommt Mercedes mit einer neuen G-Klasse, die noch mehr kann.

Der Wandel vom spartanischen Militärgerät zum luxuriösen Repräsentations-Offroader ist schon beeindruckend: Wie kein anderes Auto hat der Mercedes G Charakter, Preisniveau und Käuferschicht im Laufe seines Lebens gewechselt, ohne alte Tugenden völlig aufzugeben. Noch heute gehört der G zum Bild jeder Kaserne, gibt aber auch eine gute Figur vor Nobelherbergen ab. Zuerst wurde nur die Ausstattung ein bisschen veredelt, dann näherte man sich mit einem Sechzylinder-Benziner den Wünschen der Komfort suchenden Kundschaft. Ende der achtziger Jahre wechselte der G endgültig die Zielgruppe: Bis dato eindeutig Nutzfahrzeug, buhlt er seither um betuchte Privatkäufer. Dabei wurde er ständig mit großer Geduld und Beharrlichkeit weiterentwickelt.

Bei der ergänzenden Einführung der so genannten Komfort-Baureihe G 463 erhielt er 1989 erstmals dezente Karosserie-Retuschen und ein grundlegend überarbeitetes Interieur mit einem Pkw-ähnlichen Armaturenbrett statt des alten Blechcockpits. Auch der einfach zuschaltbare Allradantrieb wurde ersetzt durch einen auch auf der Straße benutzbaren Permanent-Allrad mit Zentraldifferenzial.

Die zweite wirklich große Überarbeitung stand gut elf Jahre später an: Das neue Jahrtausend begrüßte der dienstälteste Mercedes mit abermals neuem Interieur. Dafür waren - von außen unsichtbar - tiefgreifende Karosserie-Änderungen notwendig, um Platz für eine moderne Klimaautomatik und eine Mittelablage inklusive Telefonfach und Getränkehalter zu schaffen. Damit ist der G endlich auch tauglich für den Verkauf nach Übersee. Dort findet er seither glänzenden Absatz - nicht nur bei den Promis.

Salonfähig dank Common-Rail-Turbodiesel

Auch bei uns verkauft sich der G besser als je zuvor; denn heutzutage wird er immer häufiger von Menschen geordert, die nicht wirklich ins Gelände fahren, sondern einfach nur einen besonders beeindruckenden Mercedes besitzen wollen. Nur eines fehlte ihm bislang, um richtig ins Mercedes-Pkw-Programm zu passen: Das moderne Elektronikpaket zur automatischen Regelung von Antrieb und Fahreigenschaften. Darüber verfügt er jetzt - quasi zum Modelljahr 2002 1/2. Außerdem fand ein neuer Motor Einzug unter der kantigen Haube: der Fünfzylinder-Common-Rail--Turbodiesel, den man aus dem ML 270 CDI und diversen Pkw-Modellen kennt.

Der neue G 270 CDI ersetzt genau genommen zwei Vorgänger-Triebwerke: Einmal den bisherigen Vorkammer-TD G 300 Turbodiesel in der Komfort-Baureihe G 463; daneben mehr oder weniger auch den G 290 Turbodiesel der bisherigen Nutzanwender-Baureihe 461, die mit Beginn dieses Jahres ersatzlos aus dem Programm genommen wurde. Den neuen G 270 CDI bietet Mercedes geradezu zum Discountpreis an. Würde man noch in DM rechnen, läge er als zweitüriger Station sogar noch unter der 100.000-Mark-Schallmauer (mit Mehrwertsteuer). Die getestete Version, der "Stationwagen lang" mit vier Seitentüren, ist freilich schon wieder etwas kostspieliger. Schon in Grundausstattung überschreitet er die einstige Preis-Schallmauer um sechs Prozent. Der G ist dann zwar schon vollständiger ausgestattet als jeder Basis-G einer früheren Generation und hat alle üblichen elektrischen Helfer sowie Klimaautomatik, elektrische Sitze und Multifunktionslenkrad samt Bordcomputer.

Gelassene Fahrer kommen weiter

Dennoch kann und muss man noch allerlei extra dazukaufen, was bei anderen für so viel Geld serienmäßig angeboten wird. Ledersitze etwa, Metallic-Lack und ein Schiebedach. Nimmt man dann noch angenehme Dinge wie das Navigationssystem samt Fernsehtuner oder eine Standheizung mit dazu, steigt der Preis der Extras schnell auf 10.000 Euro und mehr. So verringert sich der Preisabstand zu den von Haus aus opulenter ausstaffierten Achtzylinder-Modellen: Der Testwagen brachte es auf rund 70.960 Euro.

Tritt man auf das eher schwergängige Gaspedal, geht es nach einem spürbaren Turbo-Anfahr-Loch kernig voran. Bei Vollgas stürmt der G 270 recht behände davon, wechselt geschmeidig die Gänge, hat die 100er-Marke nach respektablen 14,5 Sekunden erreicht. Erst bei höherem Tempo legt er nur noch relativ zäh zu. Besonnenere Fahrweise honoriert die perfekt auf den Kraftverlauf des Motors abgestimmte Automatik mit zeitigem Weiterschalten und Einsatz der Wandlerüberbrückungskupplung. So erreicht man wunderbar niedrige Drehzahlen; und kommt dennoch angemessen voran.

Das dämpft den Verbrauch; ruhigen Fahrern genügen 11,5 bis zwölf Liter auf 100 km. Der Testverbrauch von 13,2 l/100 km kam bei gemischter, zügiger Fahrweise zustande - der Vorgänger G 300 TD tat es da nicht unter 15 Liter. Bei sehr ruhiger Fahrt kann man den Verbrauch gar auf die einst undenkbare Zehn-Liter-Marke drücken. Eine gelassene Fahrweise liegt dem G ohnehin. Man thront herrschaftlich auf den vorzüglichen Sesseln, genießt besten Überblick. Wie in einem Aussichtsturm. Komfortabel - wenn auch nicht so gut wie moderne Einzelradaufhängungen - bügeln die beiden Starrachsen Bodenunebenheiten glatt; der Fünfzylinder brummelt sein dezentes Lied dazu. Seit Einführung der verblüffend wirksamen Fenstersäulenverkleidungen sind sogar die Windgeräusche erträglich.

Schlammschlacht: Mit dem G kein Problem

Für kurvige Landsträßchen gibt es geeignetere Autos. Man kurbelt eifrig an der stark gedämpften Lenkung, dennoch folgt der schwere G den Lenkbewegungen nur träge und schwerfällig. Im Ernstfall spielt das Fahrwerk aber lange mit. Ein bemühter Fahrer erreicht durchaus akzeptable Kurvengeschwindigkeiten - und der G bleibt dabei stets berechenbar. Das ist auch ein Verdienst des ausgezeichnet auf den G abgestimmten ESP, das sanft, aber im Notfall auch beherzt eingreift.

Gut mit dem Fahrwerk harmonieren auch die gegen Aufpreis aufgezogenen 18-Zoll-Reifen von Yokohama, die beeindruckend viel Seitenführung und vor allem Bremskraft aufbauen. Serienmäßig sind beim G 270 CDI 16-Zoll-Pneus montiert. Die haften mit ihrem höheren Querschnitt zwar schlechter auf der Straße, eignen sich dafür aber eher fürs Gelände. Dass der G dort weiterhin zu Hause ist, war den Entwicklern wichtig.

Klar, dass der Klassiker nach wie vor seine beiden robusten Starrachsen hat und damit gut verschränkt. Auch die echten 100-Prozent-Differenzialsperren sind weiterhin vorhanden, die bei richtiger Bedienung noch das letzte bisschen Grip in Vortrieb umsetzen.

Neu ist, dass auch der Nicht-Experte mit dem G verblüffend weit kommt. Das elektronische Traktionssystem namens 4ETS - im Prinzip bekannt aus der M-Klasse - regelt nun auch im G die Kraftverteilung auf die vier Räder automatisch je nach Griffigkeit des Bodens, ermöglicht dabei aber auch manuelle Korrekturen. Greift man nicht ein, arbeitet das System außerordentlich harmonisch und wirkungsvoll. Dass der G zudem noch seine während der Fahrt schaltbare Geländeuntersetzung und ein bei Sperreneinsatz manuell abschaltbares ABShat, ist das Tüpfelchen auf dem i.

Fazit Mehr denn je ist der Mercedes G ein Auto mit zwei Gesichtern: robuster Durchkommer für den schweren Geländeeinsatz oder luxuriöser Komfort-Allradler. Man kann es auch anders sehen: Dann ist der G, insbesondere als sparsamer G 270 CDI, ein Universalwerkzeug, das für alle Einsatzfälle taugt - wie ein Schweizer Taschenmesser.

Preise und Betriebskosten

Robustes Auto, harter Preis: 54.520 Euro kostet der G 270 CDI in der Grundausstattung. Kleines Trostpflaster: 30 Jahre Garantie gegen Durchrostung.

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