Mitsubishi Pajero I (1983-1990)

Gebrauchtwagen Mitsubishi Pajero I (L040) Gebrauchtwagen Mitsubishi Pajero I (L040)

Mitsubishi Pajero I (1983-1990)

— 09.05.2005

Aktion Sorgenkind

Die Preise für betagte Diesel-Geländewagen rutschen derzeit in den Keller. Doch das ist noch kein Grund, sich einen alten Pajero zu kaufen.

Karosserie und Getriebe

Autos, die auch im Alter von 15 Jahren noch zuverlässig und preiswert fahren. Ein Pauschalurteil, an dem schon etwas dran ist – aber es gibt auch Gegenbeispiele. Nehmen wir den allerersten Mitsubishi Pajero aus den 80er Jahren. Einst gefeierter Komfort-Geländewagen mit vermeintlich vernünftigem Turbodieselmotor, heute in Restexemplaren für wenige tausend Euro zu haben. Ein typischer Japaner? Ohne Risiko? Viel Allradauto für den Etat eines Rucksack-Urlaubs? Wir raten zu extremer Vorsicht.

Jedes Exemplar ist heute mindestens 15 Jahre alt, der werksseitige Korrosionsschutz war miserabel, vor 1989 nicht einmal erwähnenswert. Zwar trägt ein stabiler Leiterrahmen die Stahlblechhülle, der TÜV moniert dennoch durchgerostete Bodenbleche und Radhäuser. Ist denn wenigstens die japanische Technik robust? Leider nicht!

Das größte Risiko birgt dabei das Schaltgetriebe. Die von Mitsubishi produzierte Fünfgang-Box hat eine schier unberechenbare Lebensdauer. Mal hält sie 300.000 Kilometer, mal nur 50.000. Abhängig eher vom Zufall als von der Beanspruchung. Der Zustand des Pajero-Getriebes läßt sich am besten im kalten Zustand beurteilen. Vor der Probefahrt sollte man also durch Handauflegen auf den Motorblock prüfen, ob der Vorbesitzer nicht den Motor und damit auch das Getriebe bereits warmgefahren hat. Dann starten und sofort losfahren.

Knirsch- und Ratschgeräusche beim Hoch- und Runterschalten verraten bedenklichen Verschleiß. Je mehr Gänge kratzen und je länger das Kratzen beim Schalten trotz zunehmender Erwärmung des Getriebeöls bleibt, um so wahrscheinlicher wird eine baldige Reparatur. Mitsubishi verstärkte das Getriebe im Laufe der Bauzeit mehrmals, aber im gleichen Maße wuchs auch die Kraft der Motoren.

Motor und Technik

Besser, aber keinesfalls rosig, sieht die Bilanz bei den Motoren selbst aus. Katastrophal schneiden die ganz alten 2,3-Liter-Turbodiesel (bis 1986) ab. Durchgebrannte Zylinderkopfdichtungen und gerissene Köpfe sind häufiger als einwandfreie Motoren. Als weniger fatal erweisen sich die nachfolgenden 2,5-Liter-Versionen des Wirbelkammer-Diesel. Die Schäden sind hier zwar nicht mehr so häufig, aber genauso teuer.

Viel Aufmerksamkeit sollte man bei einer Pajero-Besichtigung auch der Lenkung widmen. Ist alles in Ordnung, fährt sich auch so ein alter Pajero überraschend manierlich, selbst aus heutiger Sicht. Viel präziser und handlicher etwa als zeitgenössische Geländegänger wie Nissan Patrol, Toyota LandCruiser oder gar ein alter Land Rover aus England.

Schlagen beim Mitsubishi aber die empfindlichen Spurstangenköpfe und der Lenkhebel aus, fährt sich die Fuhre unangenehm zickig und läuft auf Landstraßen und Autobahnen jeder Längsrinne nach. Der Geradeauslauf ist dahin. Außerdem wird das Spiel bei der nächsten Hauptuntersuchung bemängelt. Übrigens nimmt die Lebensdauer der Pajero-Lenkgelenke mit steigender Räderbreite drastisch ab. Schon deshalb Finger weg von Breiträdern.

Gibt es denn überhaupt etwas, was für den Kauf eines gebrauchten alten Pajero spricht? Immerhin – vor der geplanten Änderung der Fahrzeugbesteuerung muß niemand Angst haben. Der erste Pajero liegt unter dem magischen Gesamtgewicht von 2,8 Tonnen, nur wenige Fahrzeuge wurden auf fragliche Art auf über 2,8 Tonnen aufgelastet. Und wo kein Steuervorteil ist, kann selbst der Staat nichts streichen. Wenn es schon ein alter Pajero sein soll, dann aber ein Benziner, der im Falle eines Motorschadens viel billiger wieder flottzumachen ist als die Turbodiesel. Doch wer rechnet, schreckt beim Spritverbrauch zurück.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 11/81 Präsentation des Pajero (L040) in Tokio. Kurzer Zwei- oder langer Viertürer; 2.3-Turbodiesel, 84 PS, oder 2.6-Benziner, 103 PS 9/82 Produktionsbeginn, Einführung in Deutschland im Frühjahr 1983 10/86 2.5-Turbodiesel ersetzt den 2.3 TD; Leistung bleibt bei 84 PS 6/87 2.6-Benziner erhält Einspritzanlage und G-Kat; Leistung 103 PS 1/89 3.0 V6, 141 PS, ersetzt den 2.6; Schrauben- statt Blattfedern 3/89 2.5-Turbodiesel Intercooler, 95 PS, ersetzt den 2.5 TD, 84 PS 3/90 Hintere Schrauben- statt Blattfedern nun auch beim 2.5 TD 12/90 Produktionsende. Wird in Korea als Hyundai Galloper weiter gebaut

Schwachstellen • Rost ist das zentrale Problem beim ersten Pajero: Bodenbleche, Radkästen, Schweller, Türen und Hauben, vor allem aber die Heckpartie sind stark betroffen, besonders an Exemplaren vor Baujahr 1989, als Korrosionsschutz ein Fremdwort war • das Schaltgetriebe ist in seiner Lebensdauer schwer berechenbar. Viele Pajero hatten schon teure Getriebeschäden. Knirscht und ratscht es beim Schalten in den zweiten Gang – Finger weg • der Turbodieselmotor ärgert mit Rissen am Zylinderkopf, defekter Vorglühanlage, verendetem Turbolader und teuren Zahnriemendefekten • bei der TÜV-Prüfung wird häufig die Lenkung bemängelt: zuviel Spiel wegen vorzeitig ausgeleierter Gelenke, besonders bei Breiträdern

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Mitsubishi Pajero 2.5 TD, 70 kW/95 PS, Baujahr 1990. Die Ersatzteilpreise sind nahezu volkstümlich, geschickte Schrauber können beim Benziner vieles selbst erledigen und dabei ganz schön Geld sparen.

Fazit und Modellempfehlung

Fazit "Wer heute einen alten Geländewagen aus den 80ern kauft, ist entweder verrückt oder Liebhaber. Gerade vom alten Pajero I muß man schlicht und einfach abraten. Dieselmotor, Getriebe, Lenkung, Karosserie – überall lauern böse Überraschungen. Selbst gepflegten und hohlraumkonservierten Exemplaren sollte Skepsis entgegengebracht werden, denn auch die Technik ist teuer und gibt plötzlich auf. Wenn es schon ein Pajero I sein muß, dann ein V6 mit Automatik. Der säuft zwar, hält aber." Martin Braun, Redakteur AUTO BILD alles allrad

Modellempfehlung Mitsubishi Pajero V6 Autom. (104 kW/141 PS) Steuer/Schadstoffklasse: 454 Euro im Jahr/Euro 1 Testverbrauch: Werksangabe 13,9 Liter, gemessen 14,2 Liter (Normal) Versicherung: Vollkasko (11/1000 Euro SB): 358 Euro. Teilkasko (13/300 Euro SB): 56 Euro. Haftpflicht (21): 1175 Euro (Basis: HUK-Jahrestarife für Regionalklasse Berlin, 100 Prozent) Inspektion/Kosten: 10.000 Kilometer, etwa 350 bis 600 Euro Wertverlust: Bei derart alten Fahrzeugen stark zustandsabhängig, gepflegte Exemplare des letzten Baujahrs 1990 notieren um 3000 Euro

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.