Reifenluft

Neue Kosten an der Tankstelle

— 26.07.2011

1x Luft holen 1 Euro

Noch mehr Kosten für Autofahrer: An 200 deutschen Tankstellen muss nun auch für Reifenluft Geld bezahlt werden. Shell testet die Akzeptanz bei den Kunden.

Philip Müller macht seinem Ärger Luft: "Reifen aufpumpen einen Euro? Das ist Abzocke! Die Mineralölfirmen verdienen schon genug", sagt der junge Mann aus Neustadt am Rübenberge. An deutschen Tankstellen fällt ein Tabu: dass Luft nichts kosten darf. Die Firma Air-Serv hat bereits mehr als 200 Luftautomaten aufgestellt. Fünf Minuten kosten einen Euro. Vorteil für den Pächter: Air-Serv wartet die Automaten, das spart Betriebskosten. In vielen Fällen Hunderte von Euro pro Jahr. Zudem ist der Tankstellenbetreiber an den Einnahmen beteiligt. In welcher Höhe, will Air-Serv nicht sagen. Ist ein Luftomat kaputt, meldet dieser sich automatisch via Handynetz in der Service-Zentrale, die einen Techniker schickt: "Bei einem Geräteausfall verdienen wir ja nichts", so Air-Serv-Chef Nick Janssen.

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Philip Müller, Autofahrer: "Das ist Abzocke. Die Mineralölfirmen verdienen schon genug."

Jürgen Ziegner vom Zentralverband des Tankstellengewerbes (ZTG) sieht die Bezahl-Luft mit "gemischten Gefühlen". Das System entlaste zwar den Pächter und sorge in der Regel für funktionierende Technik, bringe aber zusätzliche Kosten für den Autofahrer mit sich. Shell hat gerade einen sechsmonatigen Modellversuch mit bisher drei Münzgeräten gestartet – aus gutem Grund an der holländischen Grenze. In den Niederlanden ist Reifenaufpumpen bereits seit Jahrzehnten kostenpflichtig. Und weitgehend akzeptiert. Bis Jahresende will der Konzern herausfinden, ob auch deutsche Autofahrer bereit sind, für Luft zu zahlen. Wer es nicht ist, bekommt während der Versuchsphase an der Kasse entweder eine Gratis-Münze oder ein tragbares Luftdruckgerät ausgehändigt.

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Anja Ostermeier, Autofahrerin: "Es kostet doch inzwischen alles Geld – da wundert man sich nicht mehr."

Ein Beispiel dafür, dass Autofahrer sich gegen zusätzliche Kosten wehren, ist die Toilettengebühr auf Autobahnraststätten. Seit Betreiber Sanifair 70 statt 50 Cent verlangt, schlagen sich Wildpinkler vielerorts in die Büsche. Möglicher Grund: Vier von fünf Deutschen finden den neuen Tarif laut Meinungsforschungsinstitut YouGov zu teuer. Laut Sanifair-Betreiber "Tank und Rast" gebe es dieses Problem nur "an der einen oder anderen Stelle". Holländer nehmen die Sache mit dem Luft-Euro indes sportlich. An einigen Tankstellen des Landes üben sich Jugendliche in einem Wettstreit. Einsatz: ein Euro. Wer in fünf Minuten die meisten Autos aufpumpt, gewinnt.

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