Fahrbericht Audi TT

Neuer Audi TT: Fahrbericht

— 15.07.2014

Erste Fahrt im Audi TT mit 420 PS!

Riesiger Kühlerschlund, 420 PS und unterm Blech die Technik des neuen Audi TT – wir durften das Ingolstädter Sportcoupé als Einzelstück schon mal ausprobieren.

Er schüchtert seine Umwelt ein. Wo dieser Audi auftaucht, verstummen Gespräche, und Augen werden weit. Was für ein Biest! Dabei erstarren Passanten nicht nur wegen des bedrohlich aufgerissenen Kühlermauls, sondern auch wegen der fast gewalttätigen Soundkulisse. Nicht umsonst prangt auf der Seite unserer TT-Flunder ein fetter 420-Aufkleber. So viel PS holen die Ingolstädter aus dem aufgeladenen Zweiliter-Vierzylinder. Und entsprechend forsch sprotzelt der großzügig verspoilerte Überflieger auch durch die Lande.

Mit 420 PS steht der Zweiliter-Turbo gut im Futter

An der Seite steht's geschrieben: Der Audi hat satte 420 Pferde unter Haube – aus einem Zweiliter-Turbo!

Dabei steckt unterm kristallweißen Blech weitgehend schon die Technik, die wir ab Spätherbst 2014 auch im rund 47.000 Euro teuren Serienmodell finden werden. Hier, bei unserer ersten Fahrt, gibt es zwar 420 statt der im TTS später mal aufgaloppierenden 310 PS. Lenkung und Bremse haben die Ingenieure allerdings nur wenig verändert. Deshalb darf man davon ausgehen, dass unsere ersten Fahreindrücke auf einer Privatstraße im Wesentlichen auch vom fertigen TTS Coupé vermittelt werden. Beim Einsteigen gibt sich der geflügelte Audi allerdings eher serienfern – ein Einzelstück halt. Die Fahrertür fühlt sich federleicht an, sie öffnet fast ohne Widerstand und ist an der Innenseite hauchdünn mit Kohlefaser beplankt. Diese Weniger-ist-mehr-Philosophie zieht sich wie ein roter Carbonfaden durch das gesamte Fahrzeug. Man sitzt in dünn gepolsterten Rennschalen, greift nach dem aus Aluminium gefrästen Wählhebel, blickt auf ein buntes Zentraldisplay ohne mittleren Zusatzbildschirm. Das dick mit Alcantara ummantelte Lenkrad ist ein ziemlich komplexes Gebilde mit zwei Schaltwippen und vier Drucktasten für Drive Select, Race, Klappenauspuff und Motor-Start-Stopp.

Der gewaltige Heckspoiler nagelt den TT auf den Asphalt

Gegen jedwede Flugtendenz: Der Heckspoiler sorgt am Monster mit den vier Ringen für Bodenhaftung.

Der Blick in den Innenspiegel fällt zuerst auf das schwarze Rohrgeflecht des Überrollkäfigs, dann auf den Leichtbau-Heckspoiler, der breit genug wäre für ein halbes Dutzend zwischengelandeter Königsadler. Also auf die Plätze, fertig, Zündung! Die Fahrgeräusche wummern im Takt mit Motor und Getriebe, und je dichter der Zweiliter-Turbo an den Begrenzer bei 7200 Umdrehungen herandreht, desto mehr klingt der Vierzylinder wie ein Fünfzylinder oder gar wie ein V6. Der TT 420 wiegt nur 1344 Kilo und ist antriebsmäßig ziemlich aggressiv abgestimmt. Dank Allradtraktion und dem kurz abgestuften Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe stürmt der Zweisitzer in nur 3,7 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h – ein R8 V10 plus kann das kaum besser. Im Sportmodus knallt das Doppelkupplungs-Räderwerk die Gänge durch die Schaltgassen, und das Ansprechverhalten des Motors ist unfassbar direkt. Der TT 420 fühlt sich wohl auf dieser abgesperrten Bergstrecke, die mit Mutkurven, plötzlichen Belagwechseln und Rollsplittkurven gespickt ist.

Den Dynamikbonus verdankt der weiße Wagen der sportlicheren Grundabstimmung mit tiefergelegtem Aufbau, direkter angebundenem Fahrwerk, geänderter Feder-Dämpfer-Kennung, dickeren Stabis und Dunlop-SportMaxx-Breitreifen der Dimension 255/30 R 20. Der mit einer Achslastverteilung von 54:46 Prozent gesegnete Audi verbindet hohe Kurventempi mit einem fast neutralen Einlenkverhalten.

Das ESP bleibt weitestgehend unbeschäftigt

Fahrstabil: Das Zusammenspiel von Allradantrieb und Torque Vectoring zieht das Coupé wieder auf Kurs.

In den Untiefen des Grenzbereichs beginnt der Hingucker zwar über alle vier Räder ins Off zu schieben, doch in neun von zehn Fällen zieht das Zusammenspiel von Allradantrieb und Torque Vectoring das Coupé wieder auf Kurs, noch ehe das ESP-Lämpchen aufflackert. Am Ende der Testfahrt flackern so vor allem unsere Augen. Der Vierzylinder mag etwas weniger Gänsehaut pro Quadratzentimeter erzeugen als der im TT RS plus angeblich 500 PS starke Fünfzylinder, aber er ist um 180 Kilo leichter und deutlich sparsamer. Neben dem besseren Preis-Leistungs-Verhältnis sprechen auch die noch agileren Fahreigenschaften für die Version mit dem Zweilitermotor. Am Ende unserer Dienstfahrt hätten wir jedenfalls nichts dagegen, wenn Audi den TT420 in die Serie übernähme – und der weiterhin derart überzeugend die Umwelt einschüchterte.
Georg Kacher

Georg Kacher

Fazit

Selten war ein Konzeptauto so seriennah wie der Audi TT 420. Das weiße Einzelstück mag zu grell geschminkt und zu scharf gewürzt sein. Aber es macht Lust auf den TTS – und auf den noch stärkeren TT RS.

Stichworte:

Sportcoupé

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