Neuer Ölzusatz Prolong

Neuer Ölzusatz Prolong Neuer Ölzusatz Prolong

Neuer Ölzusatz Prolong

— 10.04.2003

Eine schwierige Geschichte

Wunder gibt es immer wieder ... Nicht jedoch beim Spritsparen. Ein neues Zusatzöl verspricht das wieder mal. Und steigere die Leistung. Und biete noch Notlauf-Eigenschaften. Wir haben das alles nachgeprüft ... Wunder gibt es immer seltener.

Tolle Werbung ohne Aussagekraft

Dies ist die Geschichte von zwei Glücksrittern, die auszogen, eine sprudelnde Geldquelle zu finden. Auf einer Reise in den USA entdeckte der eine Recke in einem Fernsehspot den Ölzusatz "Prolong". Der lief so ab: Auf einer seltsamen Maschine drückte ein Reibrad auf ein Rollenlager, das gar jämmerlich quietschte, wenn es mit herkömmlichen Motorenölen geschmiert wurde. Goss der Ansager aber "Prolong" hinzu, dann flutschte alles wie in Butter. Vereinfachte Aussage: Alle Öle taugen nichts, nur das weltweit patentierte Prolong vermindert Reibung, spart Sprit, erhöht die Leistung usw.

Die unseriöse Konkurrenz von Wynn’s, Slick 50 und Co wird bei der Gelegenheit immer gleich mit abgewatscht. Hier stimmt AUTO BILD voll zu, denn von Zusätzen à la Wynn’s oder Slick 50 haben wir stets abgeraten. Voller Freude verriet uns der zweite Glücksritter noch etwas: Prolong besitze tolle Notlaufeigenschaften, der Motor könne bei einem Ölverlust noch locker 50 Kilometer ohne Schaden zurücklegen. Wir wurden hellhörig, zumal Prolong einen neutralen Test bezahlen wollte.

Schon seit Jahren lassen wir (wie auch der ADAC und andere) Spritsparer nur noch dann testen, wenn der Anbieter die Kosten übernimmt. Bei der Fülle der Schwindler, die nach einem Negativ-Ergebnis einfach den Namen wechseln und wieder auf Dummenfang gehen, würden wir sonst Pleite gehen. Eine absolut unbestechliche und neutrale Institution ist Professor Dr.-Ing. Norbert Brückner von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Dresden. Sein Fachgebiet ist die Kfz-Messtechnik. Dort testeten wir Prolong auf mögliche Verbrauchs-Ersparnis (siehe "Sparversuche") und auf Notlaufeigenschaften (siehe "Fahrversuche").

Viel Behauptung, wenig Beweis

50 Kilometer ohne Öl, das widerspricht allen Gesetzen der Schmiertechnik. Sollte dies vielleicht die Lösung aller Ölfragen sein? "Nein, nein", wiegelt das Prolong- Management ab. Natürlich soll niemand ohne Motorenöl fahren. Es zeige aber, wie gut Prolong auch bei plötzlichem Ölverlust sei. Nicht ohne Grund ziert die Rückseite der amerikanischen Prolong- Flasche ein Proträt von Al Unser sen., dem berühmten Indy-Champion. Bei dem in Indianapolis üblichen Kreisverkehr kann es durch die enorme Fliehkraft schon mal dazu kommen, dass die Ölpumpe Luft ansaugt. Notlaufeigenschaften können dann den Motor retten.

Hierzulande muss Hans-Werner Imlau ("seit über 30 Jahren im Ölgeschäft") seinen Kopf hinhalten. "Noch nie habe ich ein vergleichbares Produkt gesehen. Prolong hält, was andere nur versprechen", lobt der Inhaber einer Auto-Aufbereitungsanlage in Ahrensburg bei Hamburg. Solche Referenzen haben nur geringen Nährwert. Das störte die Anbieter aber nicht. Jeder Luftblase, die wir platzen ließen, folgte die nächste.

Da wurde für eine Pressekonferenz angekündigt, dass Prolong Sprit spare. Der Beweis wurde gar nicht angetreten. Nach der erfolgreichen Fahrt im unpräparierten Golf wurde unsere Fahrweise kritisiert. Dann hieß es, wir hätten kein herkömmliches Motorenöl verwendet, ohne Prolong könne ein Motor gar nicht so lange halten, wie wir bei unseren Fahrversuchen herausfanden. Das Fachwissen eines erfahrenen Professors wurde ignoriert, präzise Fragen wurden verdreht beantwortet. Oder störte es, dass AUTO BILD die Schatzsuche bremste? Denn 354 ml "Prolong Motorbehandlung" kosten in den USA 19,95 Dollar, hier aber 39,95 Euro ...

Pseudomaschinchen für den Öltest

Jetzt war es an uns, einmal das Hauptwerkzeug der Glücksritter zu entzaubern: das Quietsch-Maschinchen. Solche Geräte tauchen seit Jahrzehnten immer wieder auf und haben in Fachkreisen eher Jahrmarkt-Belustigungswert. BP schrieb schon 1970: "Auf einer Reibprüfmaschine kann nicht festgestellt werden, ob ein Schmiermittel oder ein Zusatz für den Motor oder für das Getriebe geeignet ist oder nicht. Derartige Vorführungen von Zusatzmittel-Verkäufern sind also für die Praxis völlig wertlos.

Ein Kraftfahrzeug ist nun einmal nicht mit "Metallzerreibmaschinen" ausgerüstet." Die Deutsche Shell notierte 1986 in einer Untersuchung, dass Milch und Bier es auf bessere Reibwerte als Öl bringen können. In der Tat: Mit der Reichert’schen Reibverschleißwaage (so der richtige Name) werden ausschließlich Schneidöle für die Industrie getestet.

Dann versuchten die Glücksritter, sich im Schatten seriöser Marken zu sonnen. Verglichen sich mit hochwertigen Castrol- Synthetikölen (reduzierte Reibbeiwerte, weniger Verbrauch, etc.). Weil doch Prolong "all diese Vorteile mit erhöhtem Faktor bietet". In Wirklichkeit ist es genau andersherum: Wenn hochwertige Öle gemixt werden, verlieren sie einen Teil ihrer komplexen Eigenschaften. Nicht ohne Grund warnen Autohersteller in ihren Anleitungen vor Motorenölzusätzen, drohen mit Garantieverlust.

Prolong hat bisher keinerlei Freigaben

Die völlige Unbedarftheit spricht allerdings aus der uns mal gestellten Frage, warum Prolong "nicht schon längst von Herstellern für ihre Motoren als Erstbefüllung angewandt und für zukünftige Ölwechsel empfohlen empfohlen wird". Dazu muss der Ölhersteller bei den Auto- oder Motorenbauern anklopfen und sehr aufwändige Prüfstandversuche bezahlen. Und die kosten richtig viel Geld.

"Prolong Motorbehandlung" hat unseres Wissens bis heute keine Freigabe eines namhaften Fahrzeug- oder Motorenherstellers. Nach unseren Erfahrungen könnten wir Prolong jetzt zwar nicht als Spritsparer, aber wohl als Notlauf-Reserve empfehlen. Rallye-Ass Jutta Kleinschmidt käme mit einer aufgerissenen Ölwanne noch bis zur nächsten Oase, jede sibirische Jagdgesellschaft könnte trotz eingefrorener Maschine noch einem Wolfsrudel entfliehen.

Wenn nun nicht das Umweltbundesamt (UBA) wäre. Denn dem ist die Mixtur gar nicht geheuer. Rund 30 Massenprozente Chlorverbindungen sorgen nämlich für die Notlaufeigenschaften. Da Öl aber auch in die Brennräume gerät, entstehen beim Fahren kleine Mengen hochschädlicher Seveso-Gifte. Das will das Umweltbundesamt nicht akzeptieren. Wie schreibt Prolong auf seiner Homepage www.enkra.de: "Viele unabhängige Tests haben bewiesen, das 99 Prozent aller bisherigen (Anm. der Red.: Öl-Additiv-)Marken ihre Versprechen nicht einhalten können." Jetzt wissen wir, dass es korrekt 99,99 Prozent heißen muss.

Sparversuche mit Prolong – ohne Ersparnis

Die Prolong-Werbetexter sind mal forsch, mal vorsichtig: Im Prospekt steht, "der Kraftstoffverbrauch kann spürbar sinken". Und: "Senkt den Verschleiß." Im Internet heißt es schon dreister: "Senkt den Kraftstoffverbrauch." In persönlichen Werbebriefen wird dann nach einem angeblichen Taxen-Test behauptet: "Uns wurden Kraftstoffeinsparungen von 0,7 bis 1,5 Liter pro 100 km angegeben."

Wissenschaftlich belegbare Verbrauchstests können nur auf Prüfständen unter Laborbedingungen gefahren werden. Der Importeur von Prolong wandte sich deshalb im vergangenen November auf unsere Empfehlung an Professor Norbert Brückner an der Dresdner Hochschule für Technik und Wirtschaft. Ein BMW 316 wurde auf dem Prüfstand gemessen, danach wurde Prolong eingefüllt und nach damaliger Herstellervorschrift 1000 Kilometer eingefahren. Dann wurde wieder gewissenhaft gemessen.

Ergebnis? Langjährige AUTO BILD-Leser werden es ahnen – wie zu erwarten: keine messbare Ersparnis. Prolong passte das natürlich überhaupt nicht ins Programm und ignorierte das Ergebnis. Motto: Was nicht sein darf, kann nicht sein. Doppelt hält besser: Wir haben deshalb zusammen mit "stern TV" ausnahmsweise einen weiteren Test mit einem Ford Mondeo bei Professor Brückner gefahren. Das Ergebnis: wieder keine Kraftstoffersparnis. Dafür soll der geneigte Kunde 39,95 Euro bezahlen? Und das bei jedem Ölwechsel oder einmal im Jahr. Je nach Wagengröße bekommt man dafür eine halbe bis drei viertel Tankfüllung.

Fahrversuche mit Prolong – und ohne alles

"Prolong Motorbehandlung" verspricht Notlauf-Eigenschaften. Auch nach totalem Ölverlust sollen Autos noch 50 Kilometer fahren können. Unser erster Test bei der Dresdner Hochschule endete nach 1,5 Kilometern mit Motorschaden. In AUTO BILD Nr. 48/2002 meldeten wir es mit der Überschrift: "Abrakadabra kaputt". Prolong packte der Ehrgeiz. Am 3. Dezember demonstrierten sie mit einem Golf III, dass ihr Mittel doch die versprochenen Notlaufeigenschaften habe. Der Golf lief zweimal 25 Kilometer völlig ohne Motorenöl. Ein Blick per Endoskop in die Zylinder zeigte danach vernachlässigbare Kratzer in den Laufbuchsen. Öl aufgefüllt – der Motor schnurrte wie eine Eins.

Jetzt stand es auch eins zu eins. Deshalb luden die Importeure am 5. Februar zu einem Großversuch: Ein 3er-BMW-Langstrecken-Rennwagen, ein Ford Focus und der bekannte Golf III warteten auf den Öl-Aderlass. Um es kurz zu machen: Alle Wagen standen 25 Kilometer unter Fernseh- und Kamera-Augen durch. Das Ergebnis hielten wir für sensationell genug, verzichteten auf den 50-Kilometer-Marathon. Bei allem Ölzeug dieser Welt wollten wir nun wissen: Wie lange läuft eigentlich ein unbehandelter Motor ohne jegliche Schmierung? Zwar gibt es Stammtisch-Storys. So soll in den 50er Jahren mal ein Käfer öllos rund um den Bodensee getuckert sein oder in den 70ern ein Checker-Taxi durch Manhattan.

Doch Beweise sind nicht aufzutreiben. Deshalb hatten wir für unseren K.-o.-Test einen katlosen 85er Golf II ausersehen, der ohnehin dem Schrott geweiht war. Die Ölwanne dieses 55-PS-Motors, der sich mit rund 150.000 km noch im besten Alter befand, ließen wir leer laufen und gingen ebenfalls auf den 25-Kilometer-Parcours. Unter den Augen von "stern TV" begann die Fahrt – mit jedem Kilometer wurden die Gesichter aller Beteiligten länger. Der Golf schnurrte. Nach 26 Landstraßen-Kilometern bat der stern TV-Redakteur dann um Action. Runtergeschaltet, Vollgas gegeben – und Motorschaden. Nun unterstellte uns Prolong, wir hätten kein "markenübliches" Motorenöl verwendet, was natürlich absoluter Unsinn ist.

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