Martin Winterkorn

Neuer VW/Porsche-Konzern

— 14.08.2009

Jagd auf Toyota

Selbstbewusste Töne von Volkswagen-Boss Winterkorn: Der Konzern will mit Porsche als starkem Partner den Marktführer Toyota stürzen. Inzwischen entschied sich auch das Emirat Katar zum Einstieg.

(dpa/cj) Der neue VW/Porsche-Konzern verfolgt mit Macht den Sprung an die Weltspitze der Automobilindustrie und damit die Ablösung des derzeitigen Marktführers Toyota. "Der Konzern hat sicher das Zeug dazu, die Nummer eins zu werden", sagte Volkswagen-Chef Martin Winterkorn, neuer starker Mann im integrierten Autoimperium, am Freitag (14. August 2009) in Wolfsburg. Der Konzern habe eine beispiellose Modellpalette, globale Präsenz und höchste Technologiekompetenz. Am Donnerstag hatten die Aufsichtsräte von VW und Porsche eine Grundlagenvereinbarung abgesegnet, nachdem sich beide Lager einem monatelangen erbitterten Übernahme-Machtkampf geliefert hatten.

Zunächst Einstieg bei Porsche AG

Im Laufe des Jahres 2011 sollen die beiden Autobauer miteinander verschmelzen. Mit dem kleinen, aber ertragsstarken Sportwagenbauer als zehnter Marke im Konzern will VW bei der Jagd auf den weltgrößten Autobauer Toyota Gas geben. Die Familien Piëch und Porsche blieben größter VW-Aktionär, sagte Winterkorn. Das Emirat Katar werde der dritte VW-Großaktionär neben Porsche und dem Land Niedersachsen. Die Vereinbarung zwischen den beiden Autobauern sieht vor, dass VW zunächst für rund 3,3 Milliarden Euro mit 42 Prozent beim Porsche-Automobilgeschäft (Porsche AG) einsteigt. Außerdem soll das österreichische Autohandelsgeschäft von Porsche mit Sitz in Salzburg für rund drei Milliarden Euro an VW verkauft werden.

Drei Milliarden Euro Synergieeffekt

Die bei Volkswagen geplante Kapitalerhöhung zur Refinanzierung der Beteiligung an Porsche solle ein Volumen von rund vier Milliarden Euro haben, sagte Finanzchef Hans Dieter Pötsch. Die Zustimmung der Aktionäre solle auf einer außerordentlichen Hauptversammlung bis Ende des Jahres eingeholt werden. Pötsch betonte, Volkswagen bleibe nach dem Einstieg bei Porsche "finanziell und strategisch voll handlungsfähig". Er versicherte: "Wir wissen, worauf wir uns einlassen." Porsche werde die Ertragskraft des VW-Konzerns deutlich stärken. Das operative Ergebnis werde jährlich um 700 Millionen Euro steigen. Die Synergien entsprechen laut Pötsch einem Barwert von drei Milliarden Euro. "Porsche und VW machen einen großen Schritt in Richtung Weltspitze."

Katar-Beteiligung perfekt

Am Freitagnachmittag wurde bekannt, dass auch der Einstieg des Scheichtums Katar bei VW und Porsche perfekt ist. Die Beteiligungsgesellschaft Qatar Holding soll laut offizieller Mitteilung zehn Prozent der Stammaktien der Holding-Gesellschaft Porsche SE aus dem Besitz der Familiengesellschafter erwerben. Die Porsche Holding SE ist Mehrheitsgesellschafter von Volkswagen. Die "Financial Times Deutschland" (Freitag) hatte zuvor über eine sich anbahnende Einigung berichtet. Allerdings sei der Handel teuer erkauft. Katar werde an die Porsche-Banken nur rund fünf Milliarden Euro für 17 Prozent der VW-Aktien zahlen. Mit den Finanzinstituten habe Porsche aber einen höheren Preis ausgemacht. Die Differenz müsse Porsche Katar erstatten. In Branchenkreisen war der Preis von fünf Milliarden Euro bestätigt worden.

Der VW-Betriebsrat strebt unterdessen eine Mitarbeiterbeteiligung an Volkswagen in der Größenordnung zwischen einem und fünf Prozent an, wie Betriebsratschef Bernd Osterloh sagte. Es gehe darum, die Belegschaft langfristig am Unternehmen zu beteiligen. Die Dividende sei für soziale Zwecke vorgesehen. Demnächst würden Verhandlungen über die Mitarbeiterbeteiligung beginnen.

Spekulationen um Karmann-Übernahme

Volkswagen bestätigte unterdessen in Wolfsburg, dass der Hersteller einen Entwicklungsauftrag an den insolventen Osnabrücker Autobauer Karmann vergeben hat. VW denke ständig über neue Cabrios nach, sagte Winterkorn. Karmann habe nach wie vor eine hohe Kompetenz. Winterkorn äußerte sich nicht zu Spekulationen, dass VW Karmann übernehmen könnte. Karmann hatte sich mit der Produktion diverser Cabrios und Coupés im Auftrag von VW weltweit einen Namen gemacht. Die Autokrise hatte den bereits angeschlagenen Osnabrücker Hersteller schwer erwischt. Ende Juni war das Insolvenzverfahren eröffnet worden.

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