Nissan Juke-R: Fahrbericht

— 26.06.2012

Völlig neben der Spur

Klar, mit 485 PS lechzt der Nissan Juke-R nach dem Nürburgring. Aber wir fahren außen herum, auf Waldwegen. Und entdecken die wahre Grüne Hölle.

Die Ringrunde beginnt wie immer: an der Schranke vor Hatzenbach, am Eingang zur Nordschleife. Ein Herr in Textmarkerweste wünscht "Gute Fahrt", von rechts springt ein junger Blech-Paparazzo heran und knipst das Bild seines Lebens: den Tacho. "Haste gesehen? Bis 340. Is’n Juke Ärr." Es ist höllisch heiß in dem Nissan, die Nüstern auf der mattschwarzen Motorhaube blasen flimmernden Atem aus. Endlich, es geht los. Nicht auf die Rennstrecke, sondern auf den ausgewaschenen Zuschauerweg daneben, direkt hinterm Zaun. Wir wollen offroad um den Ring – das wird die Grüne Hölle für den Juke-R. Denn das kleine Monster, eines von nur zwei existierenden Autos, posiert in seinem Luxus-Leben eher auf Messen und Autoshows, damit die kleinen Jungs zwischen sechs Jahren und 60 Millionen "Booh" machen vor diesem Über-GTI.

Überblick: Alle News und Tests zum Nissan Juke

Video: Nissan Juke-R

Offroad um den Ring

Dafür hat Nissan das Herz seines Renntiers GT-R in den schmächtigen Körper des kleinen Juke gequetscht. Mitsamt Allradantrieb, Transaxle-Getriebe und 20-Zoll-Rädern, die weit aus dem SÜVchen hervorquellen. Doch die flachen Rennreifen sind offroad etwa so geeignet wie Slipper beim Bergsteigen. Wir tasten uns durch eine Zeltstadt von Ringbesuchern, die neben der Strecke campen und am Montagmittag bei Bier und Bratwurst schon mal das kommende Rennwochenende einläuten. Kundiges Publikum, so wie Sören und Marius aus Neunkirchen, die den Exoten sofort erkennen. "Was kost’ der?" 450.000 Euro. Ihr Blick sagt, dass sie diese Summe in Gedanken in Bier umrechnen. Deshalb hat Nissan auch Xavi mitgeschickt. Xavi ist Katalane, Barcelona-Fan, Aufpasser und unerbittlicher Scout, der bei der kleinsten Bodenwelle aussteigt, um uns per Funk zentimetergenau den Weg vorzuschreiben. Sein Lieblingswort heißt "slow". Langsam, hmmh. Ich kann ja verstehen, dass er sein Baby verteidigt, aber Katalanen hatte ich heißblütiger erwartet. An der Brücke bei Hocheichen öffnet Revierförster Rolf Lück uns die Schranke zum Waldweg Richtung Schwedenkreuz. "Ausnahmsweise", und wir müssen versprechen, darauf hinzuweisen, dass Autos hier sonst niemals durch dürfen. Der Nürburgring hat’s gut: Da ist sogar der Revierförster ein bisschen autobegast.

Überblick: Alle News und Tests zu Nissan

Bloß nicht aufsetzen: Nissan-Betreuer Xavi misst die Tiefe einer Pfütze am Adenauer Forst.

Links von uns, am Schweden-Kreuz, würden die Rennwagen mit über 200 Sachen vorbeifliegen. Heute ist der Ring gesperrt. Bauarbeiten. Auf dem Feldweg zuckeln wir so langsam, dass zwei Mountainbiker das Schleich-SUV überholen. Als Xavi einmal aussteigt und nicht aufpasst, kann ich nicht anders und gebe Gas. Kleine Steinchen spritzen rechts und links, hinten und vorn aus den Radhäusern, der Juke-R schießt nach vorn. Aus dem Funk krächzt es: "Slow, slow! Crazy?" Nein, aber Godzillas Kinderwagen reizt nun mal gewaltig. Die Rennschalen pflanzen mich tief ins Auto, der Überrrollkäfig steht vorn, hinten, eigentlich überall im Blickfeld. Fünfpunktgurte tackern den Körper unerbittlich in den Juke. Die englische Rennschmiede RML, wo beide Einzelstücke entstanden, hat zwar eine Klimaanlage eingebaut, aber offensichtlich vergessen, sie anzuschließen. Die Lüftung funktioniert auch nicht. Und das mit dieser Höllenmaschine direkt vor den Knien. Ich beginne zu kochen. Am Adenauer Forst misst Xavi die Tiefe einer Pfütze, in die jeder Golf hineinbrettert, ohne mit der Achse zu zucken. Doch der Nissan hat gerade mal zwölf Zentimeter Bodenfreiheit, seine Schürze schnüffelt so knapp überm Boden wie die Nase eines Wildschweins. Dieses Spielzeug ist wirklich komplett ent-SUVt – weniger Offroad-Talent hat nur ein Formel-1-Renner.

Wie gut, dass der Juke-R zumindest bei der Anfahrt über die Autobahn peitschen durfte. Das Gesicht des Touareg-Fahrers, der drohend im Rückspiegel auftauchte, hätten wir gern länger gesehen – aber es verschwand rasend schnell, als der Nissan Ernst machte. 220, 230, hooo, ruhig, Kleiner, ruhig. Mit seinem kurzen Radstand hüpfte der Doping-SUV hin und her über die linke Spur. 257 km/h Spitze gibt Nissan an, ohne damit zu übertreiben. Zum Verbrauch nur so viel: Es empfiehlt sich, neben der eigenen Rennstrecke auch eine eigene Ölquelle zu besitzen. Als der Juke-R am Adenauer Forst wieder mal steht und wartet, wird Xavis Hochsicherheitsring plötzlich unerwartet durchbrochen. Ein, sagen wir mal, Rennbesucher donnert, sicher jenseits der 0,8 Promille, auf einem Rollbrett talwärts, um Biernachschub zu besorgen. Wie ein Torpedo schießt er in Knöchelhöhe knapp an der sündteuren Frontschürze des Nissan vorbei. Unser Aufpasser pfeift blitzschnell zum Aufbruch!

Überblick: Heiße Sportler bei AUTO BILD SPORTSCARS

Endlich Asphalt: Als Offroader ist der Juke R nicht so der Hit, auf der Rennstrecke macht er richtig Spaß.

Als Rolf Lück uns hinter Breitscheid auf einem schmalen, zugewachsenen Weg Richtung Bergwerk lotsen will, ist Schluss. Der Subaru Forester des Försters (er fährt wirklich einen) käme noch durch, der arme Juke-R sähe danach aus wie ein Safari-Jeep nach der unfreiwilligen Begegnung mit Nashörnern. Also nehmen wir die Landstraße bis zur Steilstrecke, einem alten Streckenstück im Wald. "Backstage Nordschleife", dort wäre der Juke-R als Rennwagen nie hingekommen. Die 27 Prozent Steigung nimmt der Allradler mit müdem Grinsen. RML hat nicht nur den Antrieb des GT-R eingebaut, sondern auch das komplette Elektronik-Chichi, das in der Mittelkonsole auf Fingertipp alle möglichen G-Kräfte anzeigt: fürs Beschleunigen, Bremsen oder für Kurvenfahrten. Nebenan, auf der Rennstrecke, würden die Anzeigen zwischen dem Karussell und Brünnchen verrückt spielen – auf unserer Offroad-Piste verfallen sie in Dornröschenschlaf. Wir holpern über Wurzeln, staksen durch den Wald, bis die Zeltstadt hinterm Brünnchen den Weg versperrt. Durchfahrt unmöglich, da hilft auch kein Rolf Lück. In diesem Revier ist der Förster kurzzeitig entmachtet. Karneval in der Eifel.

Als wir am Galgenkopf ankommen, steht unsere Zeit bei 7:30. Wohlgemerkt: sieben Stunden, dreißig Minuten, für eine Ringrunde offroad. "Auf der Piste sind unter acht Minuten möglich", schätzt Rennfahrer Frank Eickholt. "Aber da musst du Eier haben." Der hohe Schwerpunkt, ist ja klar.

Technische Daten Nissan Juke R: V6, Biturbo, vorn längs • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 3799 cm³ • Leistung 357 kW (485 PS) bei 6400/min • max. Drehmoment 588 Nm bei 3200/min • Allradantrieb • Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe • Leergewicht 1806 kg • L/B/H 4135/1910/1575 mm • Radstand 2530 mm • Spurweite vorn/hinten 1586/1598 mm • Bodenfreiheit 115 mm • 0–100 km/h 3,7 s • Spitze 257 km/h • Verbrauch EU-Mix keine Angaben • CO2 keine Angaben • Preis: 450.000 Euro

Den kompletten Artikel gibt's im Online-Artikelarchiv als PDF-Download.

Mit 485 PS offroad um den Nürburgring

Nissan Juke R (Typ F15):
Der vollständige Artikel ist ab sofort im unserem Online-Artikelarchiv erhältlich. Hier können Sie das Original-Heft-Layout als PDF-Dokument downloaden.

Veröffentlicht:

14.06.2012

Preis:

1,00 €


Joachim Staat

Joachim Staat

Fazit

Er hat geschnaubt, gezittert, gekocht. Wir haben den Juke-R missbraucht, ihn dorthin gefahren, wo das Show-Mobil niemals hingehört: in den Dreck rund um den Ring. Das Auto, Nissan und Förster Lück haben die Extrem-Tour bestanden. Die Zeit, sieben Stunden dreißig, steht für immer, denn Nachfahren ist in Zukunft verboten! Schade, dass wir hinterm Brünnchen nicht weiterkamen. Da habe ich geschnaubt, gezittert, gekocht ...

Diesen Beitrag empfehlen

Artikel bewerten

Bewerte diesen Artikel

Fremde Bewertungen

Weitere interessante Artikel

Weitere interessante Videos

Anzeige

Versicherungsvergleich

Neuwagen

NEUWAGEN zu Top-
Konditionen, mit voller
Herstellergarantie
und zu attraktiven
Zinsen finanziert.

Hier klicken zu den Top-Angeboten

Gebrauchtwagen

Günstige Gebrauchtwagen-Angebote

Finden Sie Ihren Gebrauchtwagen.

Gebrauchtwagen-Angebote
Anzeige