Nissan Patrol GR I (1988-1998)

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Nissan Patrol GR I (1988-1998)

— 22.05.2003

Ein Bulle mit heißem Herzen

Breit und wuchtig wirkt der Patrol GR der ersten Generation, gebaut von 1988 bis 1998. Unter seiner kolossalen Motorhaube pocht aber ein eher feines und nicht ganz unempfindliches Herz.

Motor und Kühlung

Ein Sechszylinder-Diesel mit 2,8 Liter Hubraum – das klingt nach schwerem Maschinenbau und unerschütterlicher Langlebigkeit. So ein Motor sitzt auch im Patrol GR der ersten Generation, die von 1988 bis 1998 in Europa angeboten wurde. Doch in Wahrheit ist der Nissan-Motor kein unempfindliches Kaltblut, sondern ein sensibler Heißsporn.

Die Maschine stammt eigentlich aus dem verblichenen Nissan-Pkw Laurel und wurde für den Einsatz im Patrol nachträglich per Turbolader von 90 auf 115 PS geliftet. Mehr Arbeitsdruck und mehr Hitze bekamen dem mit mageren fünf Liter Ölhaushalt zu dürftig geschmierten Motor nicht immer, vor allem im Sommer auf deutschen Autobahnen und im Anhängerbetrieb.

Und das hatte Folgen: zu heißes Öl, durchgebrannte Zylinderkopfdichtung, Risse im Zylinderkopf. Deshalb baute Nissan ab Modelljahr 1993 einen Motorölkühler serienmäßig ein. Umsichtige Patrol-Fahrer hatten dies zuvor auf eigene Kosten getan. Mit Kühler sieht die Bilanz wesentlich besser aus. Schäden betreffen nur noch besonders stark belastete Exemplare.

Technik und Karosserie

Wer mit einem gebrauchten Patrol GR liebäugelt, sollte sich ausgiebig mit dem Motor beschäftigen. Dazu gehört vor der Probefahrt ein echter Kaltstart, der recht gut Rückschlüsse auf den Zustand des ausgewählten Exemplars erlaubt. Der Motor sollte spontan anspringen, sofort rund laufen und dabei keine weißlich-bläulichen Rauchzeichen aus dem Auspuff absondern. Noch besser wäre ein Kompressionstest in einer vertrauenswürdigen Werkstatt.

Alle Zylinder sollten dabei gleichen Druck auf dem Diagramm zeigen. Besteht der Motor diese Prüfung, muss das restliche Auto kaum noch geprüft werden. Alle anderen wichtigen Aggregate strotzen geradezu vor Ausdauer. Getriebe, Achsen, Lenkung, Lichtmaschine, Anlasser – alles hält meist mehr als 300.000 Kilometer durch. Ein umsichtig gefahrener Patrol-Motor kann ebenfalls so lange halten. Voraussetzung ist sorgfältige Wartung. Daran haben es die Vorbesitzer oft fehlen lassen, auch weil die Ölwechselintervalle des Nissan mit nur 5000 Kilometer sehr kurz sind.

Gutes und frisches Öl ist jedoch gerade für diesen Turbodieselmotor lebensnotwendig. Gut sieht es mit der Rostvorsorge aus. Schäden am soliden Rahmen kommen praktisch nie vor. Auch die Karosserie trotzt der braunen Pest. Vorsichtshalber sollte man Türunterseiten, Radläufe und Bodenbleche kontrollieren. Eine der wenigen Schwächen des Patrol GR sind die Bremsleitungen, die zügig altern und dann vom TÜV beanstandet werden.

Patrol im Leserurteil

Patrol-GR-Besitzer sind häufig überzeugte Geländewagen-Fahrer, wie auch unsere große Leserumfrage beweist. 60 Prozent fuhren schon vorher einen Allradler, die Hälfte davon bereits einen Nissan-4x4. Die Zweitwagenquote liegt bei 64 Prozent, meist steht noch ein Kompakt-Pkw in der Garage. Zufrieden zeigen sich die Patrol- Fahrer mit den Nissan-Vertragswerkstätten. 87 Prozent haben an der Arbeitsleistung der Nissan- Betriebe kaum etwas auszusetzen.

Eine große Inspektion kostet nach Leserangaben im Durchschnitt 470 Euro. Kritik wird dennoch geübt, aber am Fahrzeug selbst. Den Dieselverbrauch von rund 13l/100 km finden 39 Prozent der Fragebogeneinsender zu hoch, 35 Prozent schelten die teuren Versicherungsklassen. Dennoch kommt der Patrol GR auf gute Zufriedenheitsquoten.

58 Prozent würden sich ihn wieder kaufen, weitere 28 Prozent haben den Kauf des aktuellen Patrol GR 3.0Di ins Auge gefasst. Bleiben 14 Prozent, die der Marke Nissan verloren gehen. Sie wandern meist ab zu Toyota und Mercedes; die Favoriten dieser Markenwechsler heißen Toyota LandCruiser D-4D oder Mercedes ML 270 CDI und Mercedes G 270 CDI. Hier hoffen sie auf ein stärkeres und ausdauernderes Dieselherz.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 1988 Modelleinführung des Patrol GR I (Typ Y60); 2,8-Liter-Sechszylinder-Reihen-Turbodiesel mit 115 PS; Zweitürer 4,32m lang, Viertürer (drei Sitzreihen serienmäßig) 4,89m lang; Breite 1,93m, Höhe 1,81m 1993 Motorölkühler ab Werk; Blinker am Heck nun in Behelfsleuchten im Stoßfänger wie zuvor schon die Bremsleuchten; vollwertiges Ersatzrad (10 R 15) statt Notrad (205 R 16) 1996 Fahrer-Airbag serienmäßig; neuer Kühlergrill, vergrößerte Mittelkonsole 1998 Ablösung durch den Patrol GR II 2.8 TD (Baureihe Y61) mit 130 PS (gleicher Motor mit Ladeluftkühlung)

Schwachstellen Der Zylinderkopf des Turbodiesels ist die Achillesferse des Patrol. Bei viel Hitze durch lange Vollgas- oder Anhängerfahrten nimmt die Neigung zur Rissbildung zu. Folgen: Leistungsverlust, Kompressionsverlust, schlechtes Startverhalten. Wer vorsichtig mit dem Motor umgeht, hat keine Probleme • mit Rost hat der Patrol GR I trotz des Alters erstaunlich wenig Probleme. Quote mit deutlichem Rost: elf Prozent • der Auspuff hält rund sechs Jahre • die vorderen Bremsscheiben halten selten länger als 100.000 km • Undichtigkeiten: 19 Prozent Kühlwasserverlust, 14 Prozent Regenwasser im Innenraum • die Zuverlässigkeit des Patrol GR ist gut. Startprobleme (drei Prozent) trotz voller Batterie liegen meist an Wegfahrsperren. Pannen auf freier Strecke (acht Prozent) haben dafür eher ernste Ursachen: Spitzenreiter ist Wasserverlust, dann erst kommt oft infolgedessen eine durchgebrannte Zylinderkopfdichtung.

Reparaturkosten Preise inklusive Mehrwertsteuer am Beispiel eines Nissan Patrol GR Viertürer, Baujahr 1997. Bremsteile und Wasserpumpe sind bezahlbar, richtig teuer ist die Lichtmaschine. Gut, dass sie und der teure Auspuff recht lange halten.

Fazit und Technik

Fazit"Der dicke Patrol GR ist eine Empfehlung wert – wenn man den Motorzustand vor dem Kauf prüft oder prüfen lässt. Alles andere am Patrol GR ist absolut unproblematisch und ausdauernd, sieht man von Kleinigkeiten wie Wasserverlusten und im Alter rissigen Bremsleitungen ab. Die Versicherung macht den Unterhalt teuer, die Lkw-Steuer versöhnt wieder." Martin Braun, Redakteur AUTO BILD alles allrad

TechnikAllradantrieb: Heckantrieb; Frontantrieb während der Fahrt bis 40 km/h zuschaltbar (automatische, auch manuell verriegelbare Freilaufnaben); Geländeuntersetzung; 100%-Hinterachssperre; kein ABS • Aufbau: Leiterrahmen, aufgeschraubte Stahlblech-Karosserie • Verbrauch: 13 Liter Diesel pro 100 km (Tankinhalt 95 Liter) • Höchstgeschwindigkeit: 148 km/h

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