Nothelle Audi TT vs. EDS Opel GT
Zwischen Himmel und Hölle

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Zwei Offenbarungen, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Der strahlend weiße Audi scheint vom Firmament herabgestiegen, der düstere Opel scheint dagegen mit finsteren Mächten im Bunde.
Das klassische Dilemma: Auf der einen Schulter sitzt das Engelchen, auf der anderen macht es sich das Teufelchen bequem. Und beide versuchen, mit gewisperten Verheißungen zu punkten. Nothelle TT heißt die himmlische Versuchung. Der Audi gemahnt mit weißem Lack und weichem Leder an ein automobiles Raffaelo: die Schale knusprig-locker, der Kern sahnig-zart. Mit Frontspoilerlippe und Lüftungseinsätzen verfügt die Front über einen Schlafzimmerblick allerersten Ranges. Die Räder in 20 Zoll verlangen zwar nach viel Putzerei, entschädigen aber mit dem glanzvollen Lüster einer teuren Perlenkette. Auch das Heck gefällt mit stimmiger Schürze-Auspuff-Lösung und dezentem Flügelchen. Der diabolische EDS-Opel ist aus anderem Holz geschnitzt. Seine bullige Silhouette hat so gar nichts Lieblich-Zartes, gleicht vielmehr einer zum Zuschlagen bereiten geballten Faust. Frauen, die bei Männern auf schwellende Muskelberge stehen, werden sich in den GT verlieben. Abgesehen vom Heckflügel verzichtet EDS auf Zierrat. Grandiose 20-Zöller von Oxigin mit in Wagenfarbe lackiertem Stern unterstreichen die stramme Körperhaltung des Rüsselsheimer Pfeils.
Bis zu 350 PS sind beim GT drin

Bild: Lena Barthelmeß

Bild: Lena Barthelmeß
Diese Performance geht einher mit einem im Alltagsbetrieb mustergültigen Fahrverhalten. Der Veredler setzt auf ein Gewindefahrwerk mit einstellbarer Zug- und Druckstufe. Er widersteht der Versuchung, ein bretthartes Setup zu installieren. Stattdessen gefällt der TT im Alltagsbetrieb mit ausreichendem Federungskomfort. Zudem pflegt die üppige Bereifung ein derart inniges Verhältnis zum Asphalt, dass kaum Traktionsprobleme auftreten. Lediglich die hohe Anfälligkeit der Breitreifen für Spurrillen schmälert den Spaß. Der Opel legt einen gänzlich anderen Charakter an den Tag. Die Besatzung muss bereit sein, sich auf einen Sprung ins letzte Jahrhundert einzulassen. Die amerikanischen Wurzeln des GT sind unverkennbar: Mit hoher Seitenneigung gondelt der Opel ums Eck. Das ESP regelt viel zu früh. Der montierte Federnsatz senkt den Schwerpunkt des Fahrzeugs zwar um 40 Millimeter ab, weiß sich ansonsten aber nicht in Szene zu setzen – weder in positiver, noch in negativer Hinsicht. Auch auf der Rennstrecke wirkt der Opel anachronistisch – auf eine sehr sympathische Art allerdings.
Stört beim Anbremsen vor Kurven: das zu früh regelnde ABS
Hat man sich an das unruhige Heck erst einmal gewöhnt, kommt Freude auf. Wäre da nicht das nervige ESP, das sich nicht restlos abschalten lässt und sich regelmäßig berufen fühlt, seinen Senf dazuzugeben. Der drehmomentstarke Motor trägt zum Fahrvergnügen seinen Teil bei – nie hat man das Gefühl, im falschen Gang festzustecken. Lediglich die Bremsanlage markiert einen deutlichen Rückschritt. Die EDS-Mannen haben die Anlage aus dem Vectra OPC installiert. Dass die erst bei weit durchgedrücktem Pedal zupackt, nehmen wir noch hin. Dass das ABS jedoch Welten zu früh regelt, stört beim Anbremsen vor Kurven aber erheblich. So fühlt sich der Fahrer bisweilen wie die viel zitierte Kuh auf dem Eis.

Bild: Lena Barhelmeß
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