Peugeot 208 e-HDi 115: Test

— 20.02.2012

Peugeots wichtigste Nummer

Am 208 hängt die Zukunft von Peugeot. Deutlich kürzer und leichter als sein Vorgänger, soll er Erinnerungen an den legendären 205 wecken. Ein erster Test des kleinen Franzosen.



Platt wie eine Flunder müsste der neue 208 eigentlich hier im Rahmen von "Test the Best" zum Schaulaufen antreten. Der Druck, der auf ihm lastet, ist brutal. Europaweit soll in Zukunft jeder zweite verkaufte Peugeot ein 208 sein. Floppt der Bursche, hängt der Patient Peugeot endgültig am Tropf. Doch statt nun besonders dicke aufzutragen, haben sich die Franzosen endlich besonnen, wieder das zu bauen, was sie können: ein kleines, leichtes, agiles und charmantes Stadtauto. Da spitzen vor allem die Mädels ihre Öhrchen, denn die fanden den 207 zuletzt gar nicht mehr sexy und strichen ihn von ihrer Einkaufsliste. Zu fett und maskulin sei er geworden, gibt heute sogar Peugeot zu. Mit dem 208 wolle man sich nun wieder bei Madame einschmeicheln.

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Ergonomischer Irrweg: Das Lenkrad verdeckt die Hälfte der Anzeigen im 208-Cockpit.

Dafür wurden im Vergleich zum 207 110 Kilo über Bord geworfen, zudem Länge (minus 7 cm), Breite (minus 2 cm) und Höhe (minus 1 cm) eingedampft. Was im Übrigen keinen Platzverlust auf den billigen Plätzen bedeutet. Das halbstarke Löwenmaul ist ebenso verschwunden wie die plumpen Überhänge. Die Flanken sind geglättet, die Proportionen wirken knuffig – ja fast wie einst beim 205, der auch bei der Gestaltung des Interieurs Pate stand. Im neuen Cockpit erkennt man – mit viel Wohlwollen – die moderne Interpretation des kleinen Nationalhelden. Völlig daneben geriet indes die Idee eines höhergelegten Displays. Die Instrumente oberhalb vom Lenkradkranz statt mittendrin sollen das Ablesen entspannter gestalten und die Augen entlasten. Wer hat sich das denn ausgedacht? Das funktioniert einfach nicht. Bei mir jedenfalls verdeckt der Lenkradkranz die halben Armaturen (siehe links). Wieder so eine Antwort auf eine Frage, die niemand gestellt hat.

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Gut abgestimmt: Der 208 lenkt, federt und fährt agil und handlich, bleibt komfortabel.

Weitere Experimente erspart sich (und uns) Peugeot. Zum Glück. Dafür war sowieso kein Geld mehr in der Kasse. Und so konventionell, wie der 208 seine Vorzüge ins rechte Licht rückt, ist es gerade recht. Man merkt, hier hat sich jemand aufs Produkt konzentriert und nicht auf irgendwelchen Schnickschnack. Genau, der alte 205-Gedanke. Also lenkt, federt und fährt der 208 so agil und handlich, wie’s der 207 nie getan hat. Dünnere Stabilisatoren an der Hinterachse sorgen für mehr Komfort. Die dicken 17-Zöller am Testwagen mit dem großen Diesel erweisen sich natürlich nicht als wirklich teamfähig und boykottieren den guten Eindruck. Am Sportsgeist der leichtgängigen elektromechanischen Lenkung zu zweifeln, kommt wohl nur uns in den Sinn. Na klar, es gibt direktere Weg-Empfehlungen mit sensiblerer Rückmeldung. Aber wer vermisst das ernsthaft auf der Fahrt zwischen Supermarkt, Kita und Tennisklub?

Beim 208 GTi (wird im März 2012 vorgestellt) muss Peugeot nachschärfen. Die gute Nachricht zum Schluss lautet, dass die Franzosen auch beim Preis das Fett abgesaugt haben. Ausstattungsbereinigt sind die Neuen 750 Euro günstiger als die Vorgänger. Los geht’s bei 11.600 Euro für den 68 PS starken Benziner, der 115-PS-Test-Diesel in Vollwertverwöhn-Ausstattung kostet 19.300 Euro. Schade, dass Peugeot wichtige Leckerchen nur mit Verspätung liefert: die neuen Dreizylinder-Sparer und Start-Stopp-System erst im Sommer, eine moderne Automatik 2014. So viel Diät musste doch nicht sein.
Fahrzeugdaten Peugeot 208
Modell Allure e-HDi FAP 115
Motor Vierzylinder, Turbo
Hubraum 1560 cm³
kW (PS) bei 1/min 84 (115)/3600
Nm bei 1/min 270/1750
Getriebe Sechsgang manuell
Antrieb Vorderradantrieb
Länge/Breite/Höhe 3962/1739/1460 mm
Kofferraumvolumen 285–1076 l
Radstand 2538 mm
Testwagenbereifung 205/45 R 17 V
Reifen Bridgestone Potenza RE 050A
Spurweite vorn/hinten 1470/1467 mm
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben
Tankinhalt 50 l/Diesel
0–100 km/h 9,7 s
Vmax 190 km/h
Leergewicht/Zuladung 1205/460 kg
Anhängelast gebremst 1150 kg
Verbrauch EU-Mix* 4,6/3,4/3,8 l
Abgas CO2 99 g/km
Preis ab 19.300 Euro
*innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km
Tomas Hirschberger

Tomas Hirschberger

Fazit

Die Strategie stimmt. Kleiner, leichter, sparsamer, billiger – so dürfte Peugeot auf die Erfolgsspur zurückfinden. Der 208 zeigt endlich wieder Charme und nicht gespielte Größe. Technisch bietet er nicht viel Neues, und der Blödsinn mit den Hocharmaturen ging in die Hose. Egal. Der Kleine ist ein ehrlicher Kerl, Komfortabel, wendig, sympathisch. Ein Franzosen-Polo mit Charakter.



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