Peugeot iOn: Elektroauto im Alltagstest — 15.04.2011
Im Strom des Alltags
Peugeot setzt uns unter Strom. Hat der iOn inzwischen schon die Kapazität zum Familienwagen? Und wie öko ist so ein Elektroauto wirklich, so lange wir noch Kohle- und Atomstrom nutzen?
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Heizung kostet Reichweite
Die Zeit, die es braucht, um einen Benzintank zu füllen, reicht, um einem Freund in New York eine SMS zu schicken. In der Zeit, die der iOn zum Laden seiner Batterie benötigt, kann man nach New York fliegen. Als die Kinder im Fond verstaut sind, schnellt die Ladestandsanzeige schließlich auf Maximum, der Bordcomputer errechnet 102 km Reichweite. Doch der iOn ist noch keinen Meter gerollt, als sie auf 80 fällt. Das liegt an der elektrischen Heizung, die träge wärmt, aber mächtig Saft aus dem Akku zieht. Jetzt aber los. Weil der Permanentmagnet-Synchronmotor nur leise brummt, meldet sich der iOn nach dem Schlüsseldreh mit einem Piepton startklar. Der Schalthebel rattert durch die Kulisse auf D. Fuß sacht aufs Wattpedal, und der Peugeot stromert los.
Flott in der City
Das heißt, eigentlich pirscht er sich fast lautlos durch die Straßen. Außer leisem Motorsummen, ein bisschen Reifenschmatzen und Getriebesingen umhaucht nur der Wind zart die Karosserie. Die Ruhe beeindruckt zunächst viel mehr als die 180 Nm, mit denen der iOn sich ansatzlos aus dem Stand abstemmt, falls der Fahrer Vollwatt gibt. Was selten nötig ist und die Reichweite stark mindert (siehe Bildergalerie). Doch in der Stadt schiebt der Heckmotor selbst dann flitzig voran, wenn die Nadel der Energiefluss-Anzeige nur im grünen Bereich pendelt. Mit etwas Übung kann man das Bremspedal meist links hängen lassen. Denn sobald der Fuß vom Fahrpedal geht, verzögert der Motor mit.
Für Alltag reicht's
Er arbeitet dann wie ein Dynamo und speist Energie zurück in die Batterie, was ein bisschen Reichweite bringt. Die genügt, wie das ganze Auto, für die meisten Alltagssituationen: morgens die Kinder zur Schule, dann eine Kollegin mit ins Büro nehmen, abends einkaufen und danach zum Sport. Mit etwas Planung und Zugang zu einer Steckdose bei der Arbeit bewältigt der Peugeot den Alltag so talentiert wie ein normaler Kleinwagen. 80 Prozent aller Fahrten, rechnen E-Auto-Verfechter gern vor, könnten wegen der geringen Entfernung mit so einem Strom-Zwerg erledigt werden. Sie verkennen dabei, dass wir vier Fünftel unserer Wege wohl auch mit Bus und Bahn hinbekämen.
Nichts für nächtliche Notfälle
Es sind aber die übrigen 20 Prozent, die das Besondere des Automobils ausmachen: die Freiheit und Unbegrenztheit, jederzeit fahren zu können, wohin man will. So ist der iOn eigentlich das Gegenteil eines Autos, weil er uns begrenzt. Schnell am Wochenende ans Meer? Da kämen wir mit einem Akku knapp hin, aber mit Sicherheit nicht mehr zurück. Besorgniserregend ist's aber, wenn der iOn abends seine leere Batterie lädt. Wie kommen wir schnell zum Arzt, wenn sich die Kinder jetzt Spielzeugautos an den Kopf werfen oder krank werden? Bereits sein geringes Platzangebot reduziert den iOn zum Stadt- oder Zweitwagen.
1,2 Gramm Atommüll pro Jahr
Umweltschutz geht anders
Von der Umweltverschmutzung bei der Gewinnung der Batterie-Metalle und den Problemen bei der Akku-Entsorgung reden wir da noch gar nicht. Der iOn ist also nicht die Lösung auf die Frage nach umweltfreundlicher Mobilität, sondern nur eine andere Art des Problems. Zumindest bis unser Strom überall überwiegend aus regenerativen Energien kommt. Wer jetzt wirklich etwas für die Umwelt tun will, sollte besser seine Heizung auf Erdgas umrüsten, mit dem ÖPNV pendeln und als Familienauto einen sparsamen Diesel kaufen. Das ist alles nicht nur effizienter, sondern auch günstiger als ein E-Auto. Man fährt also weiterhin besser gegen den Strom.
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Kommentare zum Artikel (22)
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Nach einer Umrüstung der eigenen Heizungsanlage mit einem Mini-Blockheizkraftwerk produziert man neben der Wärme seinen eigenen Strom zum Laden des E-Autos. Dann sieht die Energiebilanz auch besser aus.
Finde den Zusammenhang zwischen Atomstrom und E-Auto schon merkwürdig. Ein Solarcarport liefert Strom für ca. 8500 km/Jahr....Ich fahre seit 1 Jahr den SAM (elektrisch) und muss sagen, es funktioniert!!!! Infos oder mieten bei www.elemo.eu
Wie kann man einen Zusammenhang zwischen Atommüll und Elektroauto herstellen:D ?
Das kann wohl bloß die Bild (solange VW keinen Stromer auf den Markt wirft)
40.000.000.000 Liter Benzin/Diesel etc.
davonl 5% Mais/Zuckerrohr usw.
Das sind 2 Mrd. Liter
Bei Zuckerrohr 6000 Liter/Jahr/hektar
Das wären rund 3400 Km² (NUR für Deutschland!) Fläche die gerodet werden und nicht in eine Küche fließen, sondern in unseren Tank
Und jetzt an die Bild:
Rechnet doch bitte mal aus, wieviele Kinder täglich verhungern/für diesen Ackerbau pro Tag sterben ... ihr könnt sowas ja
Die BILD :D
Rechnen wir ein paar Jahrzehnte zurück, als Bertha Benz die erste Fahrt von Mannheim nach Pforzheim unternahm. Das Projekt wurde belächelt, da man den Wagen an einer Apotheke teuer betanken musste und die Reichweite nicht unbedingt grenzenlos war.
Jetzt steht da der allererste SerienStromer beim Händler und wird genauso belächelt. Keine Tankstellen, schlechte Reichweite, viel zu teuer. Wie sich das weiterentwickeln wird kann sich jeder selbst ausmalen.
@nukeUS: Mach doch nen Blog auf...!?