Porsche 911 Carrera S: Fahrbericht

— 09.11.2011

Nur wer sich ändert, bleibt sich treu

Ein neuer Elfer ist weit mehr als ein Modellwechsel. Es ist ein Ereignis von historischer Bedeutung. Redakteur Tomas Hirschberger im Drift zwischen Klassik und Moderne.



Der neue Porsche 911 muss den wahnwitzigen Spagat hinlegen, zwischen Stau und Startlinie jede Gangart zu beherrschen. Er darf Muttchen am Steuer nicht überfordern und sportlich ambitionierte Quertreiber nicht verprellen. Und das gelingt erneut, wie es nur Porsche gelingen kann. Noch lange bevor der erste Grenzbereich den Kreislauf auf Touren bringt, eröffnet dir der Elfer, dass er nicht gewillt ist, die straffe Gangart seines Vorgängers mitzugehen. Längerer Radstand, breitere Spur und aktives Dämpfersystem lassen dem 991 jenen Komfortfreiraum, den einer braucht, der eben auch im Auftrag des Alltags unterwegs ist.

Überblick: News und Tests zu Porsche

Video: Porsche 911 Carrera S

Erste Mitfahrt im neuen Elfer

Wer sich nun dem Albtraum hingibt, der Porsche aller Porsche sei endgültig von einer fremden Substanz infiltriert, die ihm das weitere Leben als Sportwagen unmöglich mache, sollte sich die nächsten Zeilen unters Kopfkissen legen: Nein, er ist es nicht. Den 991 als verweichlichten Erbschleicher zu diskreditieren, ist nicht nur fahrlässig, sondern schlichtweg Unfug. Nie zuvor war der Klassiker schneller unterwegs, nie leichter zu fahren, nie berechenbarer in seinen Reaktionen. Das Plus an Länge, die breitere Spur und die etwas tiefergelegte Karosserie beruhigen den 991, ermöglichen eine noch höhere, kaum für möglich gehaltene Querbeschleunigung in Kurven. Bei Testfahrten auf der Nordschleife deklassierte der neue Carrera S seinen kaum schwächeren, aber rund 40 Kilo schwereren Vorgänger um 15 Sekunden. Das sind Welten.

Lesen Sie auch: Mehr Infos zum neuen Porsche 911

Mit all seinen klugen Assistenten, vom Sport-Chrono-Plus-System über Wankausgleich mit geregelten Stabilisatoren bis zur dynamischen Drehmomentverteilung, fegen selbst Ungeübte in atemberaubendem Tempo über den Rennkurs. Das Untersteuern ist nahezu neutralisiert, den spontanen Heckschwung bändigt ohnehin das ESP. Und die neue elektromechanische Lenkung – von Elfer-Jüngern schon bei der Ankündigung als Werk des Satans verteufelt – arbeitet so präzise und reaktionsschnell, als hätte Porsche niemals eine direktere Verbindung zur Straße aufgebaut. Dreimal ließ Entwicklungshelfer Walter Röhrl sie zum Überarbeiten zurückgeben nach Weissach. Bis sie endlich passte. Mehr Fahreindrücke und viele weitere Infos rund um den neuen Porsche 911 und seine Historie finden Sie in AUTO BILD 45/2011 – ab 11. Oktober im Handel!
Tomas Hirschberger

Tomas Hirschberger

Fazit

Wenn der Puls wieder im Normaltempo pocht, lässt sich aus der Distanz das Erlebte nüchtern werten: Der Elfer mag an Charakter eingebüßt haben, aber an Klasse hat der 991 ganz klar gewonnen. Nie war der Klassiker besser als heute. Den Spagat zwischen Alltag und Rennstrecke beherrscht keiner so gut wie Porsche. Der Elfer lebt – und das hoffentlich noch lange.



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