Fahrbericht: Porsche 911 Targa

Eine Fahrt im Porsche 911 Targa Eine Fahrt im Porsche 911 Targa Eine Fahrt im Porsche 911 Targa

Porsche 911 Targa: Fahrbericht

— 31.03.2014

Erste Fahrt im neuen Bügel-Porsche

Mit dem Porsche 911 Targa belebt der Sportwagenbauer eine traditionelle Bauart – ein Auto mit eingebautem Showeffekt. So fährt sich der Porsches Cabrio für Unentschlossene.

Video: Porsche 911 Targa

Die Legende lebt

Manchmal liegen die besten Pläne für die Zukunft im Archiv. Das hat auch Porsche erkannt und eine alte Idee buchstäblich neu aufgebügelt. Denn wenn die Schwaben im Mai den 911 zu Preisen ab 109.338 Euro wieder als Targa an den Start bringen, erinnert er mit seinem farblich abgesetzten Überrollbügel anstelle der konventionellen B-Säule mehr denn je an das Original von 1965. Das Auto hat nur noch wenig gemein mit den weichgespülten Glaskuppel-Modellen der letzten Generationen. Das gilt nicht nur fürs Design, sondern auch fürs Fahrgefühl. Wo der Targa zuletzt nicht viel mehr war als ein Coupé mit aufwendig inszeniertem Sonnendach, kann man den Sportwagen jetzt wieder in aller Offenheit genießen. Zumindest beinahe.

Sitzprobe im Porsche 911 Targa

Denn solange man nur das Verdeck, nicht aber die Fenster öffnet, fühlt man sich im Targa noch immer wie unter einem großen Schiebedach. Der Motor brüllt nicht ganz so laut und lustvoll durch den Innenraum, und selbst auf der Autobahn rauscht nur ein laues Lüftchen durch die Locken. Dafür aber muss man den Beifahrer nicht anschreien, wenn man sich nur unterhalten möchte. Und am Ziel braucht man nicht gleich einen Friseur, nur weil man vor dem Geschäftstermin oder Rendezvous offen gefahren ist. Außerdem braucht man ja nur die Fenster runterzulassen, damit der Wind zum Sturm auffrischt und intensivere Open-Air-Gefühle aufkommen. Ganz so wild wie im komplett geöffneten Cabrio ohne Seitenscheiben und Windschott wird es zwar selbst dann noch nicht. Doch für eine nette Sturmfrisur reicht es im Targa allemal – selbst wenn man nicht gleich Vollgas fährt und an der 300er-Grenze kratzt. 
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Bis zur Gürtellinie ist der Targa technisch und stilistisch identisch mit den Allrad-Cabrios. Das gilt für den etwas breiteren Hintern genauso wie für die hecklastige Kraftverteilung des 4x4-Antriebs und natürlich für die beiden Sechszylinder-Boxer: Im Grundmodell arbeitet ein 3,4-Liter mit 350 PS, im Targa S röhrt der 3,8-Liter-Boxer mit 400 PS. Je nach Motor- und Getriebevariante schafft das Cabrio für Unentschlossene den Sprint von 0 auf 100 damit in bestenfalls 4,4 Sekunden und erreicht ein Spitzentempo von maximal 296 km/h. Und wer nicht gerade Walter Röhrl heißt oder zumindest ein ähnlich empfindliches Popometer hat wie der PS-Pensionär, Porsche-Repräsentant und Entwicklungshelfer, der wird den Unterschied zwischen den beiden Modellen nie herausfahren.

Porsche 911 SC Targa

Porsche 911 SC Targa Porsche 911 SC Targa Porsche 911 SC Targa
Denn egal ob man jetzt im Cabrio sitzt oder im Targa: Beide Porsche-Varianten sind schnell und scharf und je nach Temperament des Fahrers kreuzbrav oder bitterböse. Denn genauso gelassen, wie man mit dem Open-Air-Modell eine Küstenstraße entlang cruisen oder über einen Boulevard bummeln kann, genauso so verbissen kann man damit auf einer verwinkelten Landstraße um die Ideallinie ringen und dabei seinen Führerschein schneller verlieren als den Tank leerfahren. Wobei auch das eine leichte Übung ist. Denn die Normwerte zwischen 9,2 und 10,0 Liter sind im Alltag nie und nimmer zu schaffen. Erst recht nicht, wenn man das Potenzial des Porsches ausreizt.

Bedingungslos alltagstauglicher Targa

Schön und schnell sind sie beide. Aber was den Targa ausmacht, das ist für Projektleiter Erhard Mössle vor allem die bedingungslose Alltagstauglichkeit. Nicht dass man das normale Cabrio mit seiner schnittigen Stoffmütze nur im Sommer fahren könnte. Doch das Dach des Targa wirkt zumindest für die Psyche dichter und die Notsitze im Fond gaukeln unter der Glaskuppel ein wenig mehr Platz vor. Außerdem spricht für den Targa als Ganzjahresauto die zwangsweise Kopplung an den Allrandantrieb.

Und das auffälligere Auto ist er obendrein. Denn nicht nur der silberne Bügel mit dem historischen Targa-Schriftzug ist ein Hingucker. Sondern vor allem, wenn man das Verdeck bewegt, zieht der Sportwagen eine spektakuläre Show ab: Die nach hinten klappende Glashaube, die beiden Halbschalen auf dem Bügel, die sich aufstellen wie die Ohren eines Dackels im Wind, die beiden mit Stoff bezogenen Magnesium-Platten des eigentlichen Verdecks und die vielen Streben und Spriegel – all das tanzt 19 Sekunden lang ein Ballett, bei dem Passanten stehen bleiben und staunen wie seit dem ersten Mercedes SLK nicht mehr. Da schadet auch nicht, dass man den Mechanismus anders als beim konventionellen 911 Cabrio nur im Stand bedienen kann.

Aber der neue Targa ist nicht nur der bessere Showstar, sondern im Grunde sogar das billigere Auto. Denn auch wenn rund 12.000 Euro Aufpreis zum Coupé eine schöne Stange Geld sind für ein nur etwa zwei Quadratmeter großes Stückchen vom Himmel, ist der Targa sogar noch 1000 Euro günstiger als das konventionelle Cabrio.

Autor: Thomas Geiger

Stichworte:

Sportwagen

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