Porsche Cayman GT4 (2015): Fahrbericht

Porsche Cayman GT4 (2015): Fahrbericht

— 09.03.2015

Jederzeit "ready to race"

Ist das noch ein Straßenauto? Der neue Porsche Cayman GT4 sieht so brachial aus, dass man ihn für einen Cup-Racer halten könnte. Erste Fahrt im geflügelten Cayman!

Nanu, GT-Inflation bei Porsche? Die schnellen Schwaben hauen die Straßensportler ja gerade nur so raus. In Genf macht uns eben noch der GT3 RS verrückt, schon läuft sich der Cayman GT4 zur ersten Testfahrt warm. Doch was soll's. Hauptsache, wir durften als erste ins Cockpit klettern.
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Video: Porsche Cayman GT4 (2015)

Ready to Race!

Erst mal wundern wir uns aber über die Optik. Das soll ein Cayman sein? Sieht eher aus wie der Entwurf für den nächsten Porsche-Cup-Racer. Heck und Bug wurden für Aerodynamik und Luftführung neu gestaltet, die Sideblades verraten den erhöhten Sauerstoff-Bedarf des Mittelmotors. Am krassesten fällt aber der feststehende Heckflügel auf. Das Kohlefaser-Tablet thront auf einem Alugitterwerk und verschafft dem GT4 ordentlich Abtrieb – damit uns das Heck bei artgerechter Bewegung nicht in die Quere kommt. Zusammen mit der Tieferlegung um 30 Millimeter bringen die Umbaumaßnahmen dem GT4 gegenüber einem handelsüblichen Cayman übrigens 34 Millimeter Längenzuwachs, lassen ihn 18 Millimeter flacher über dem Asphalt kauern.

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Vollschalensitze, Handschaltung – großer Sport

Der GT4 verzichtet auf ein Automatikgetriebe – hier darf der Fahrer noch schalten und walten, wie er will.

Jetzt aber rein und los. Wir sitzen noch nicht ganz, schon leuchten die Augen. Die Vollschalensitze leiht sich der GT4 gegen die stattiche Gebühr von 2802 Euro ganz selbstbewusst aus dem 918 Spyder, das griffige Lenkrad wurde von 370 auf 360 Millimeter Durchmesser verkleinert, die sechs Gänge werden immer von Hand durchgerissen – klingt nach ganz großem Sport. Ein Dreh am Schlüssel links lässt diese Hoffnung zur Gewissheit werden. Ein böses Bellen erinnert uns daran, dass hinter uns der 3,8-Liter-Sauger aus dem 911 Carrera S darauf wartet, mit 385 PS und 420 Nm Drehmoment über die Hinterräder herzufallen.

Also, bitte: Attacke! Nach nur 4,4 Sekunden reißt der GT4 völlig hemmungslos die 100-km/h-Marke, nach weiteren 10,1 Sekunden röhrt er mit Tempo 200 über die Autobahn und erst kurz vor der 300er-Markierung erreicht er seine Höchstgeschwindigkeit (295 km/h). Nicht nur der große Bruder 911 Carrera muss sich da hinten anstellen. Ganz nebenbei stimmt der GT4 ab 4000 Touren ein biestiges Boxersägen an, das sich bis zum Begrenzer kurz vor 8000 Umdrehungen zu einem infernalischen Kampfgeschrei verdichtet – nicht unbedingt was für die lange Reise, aber selten passten Sound und Selbstverständnis bei einem Auto besser zusammen.

Porsche Cayman GT4: Sitzprobe

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Der riesige Spoiler am Heck drückt den Porsche fest auf die Straße.

Auf der Rennstrecke macht der heiße Cayman dann endgültig klar, dass er trotz Straßenzulassung jederzeit "ready to race" ist. Wo andere Sportwagen eine Lenkung haben, verwöhnt der GT4 mit einem Präzisions-Richtungsskalpell, das uns mit traumwandlerischer Sicherheit durch Kurven aller Art schneiden lässt. Dabei erlaubt die riesige Keramikbremse für 7318,50 Euro (vorn 41, hinten 39 cm Scheibendurchmesser) immer noch später zu bremsen als der innere Schweinehund sich eigentlich traut, klebt der GT4 mit seinen 20-Zoll-Rädern auch bei abgeschalteter Regelelektronik wie auf Saugnäpfen im Scheitelpunkt, lassen Sperrdifferenzial und 295er Gummiwalzen hinten ihn beim Herausbeschleunigen nur ganz kurz mit dem prallen Hintern zucken. Dieser Cayman schnappt sich auf der Rennstrecke auch stärkere Gegner – die offiziellen 7:40 Minuten auf der Nordschleife sprechen da eine deutliche Sprache.

Bleibt nur die "Kleinigkeit" von 85.776 Euro, die Porsche für so einen GT4 aufruft. Doch unser neuer Lieblings-Porsche ist jeden Euro wert – der schwächere 911 Carrera kostet immerhin fast 5000 Euro mehr und verspricht weniger Spaß.

Autor: Gerald Czajka

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