Porsche Panamera Turbo als Taxi

Porsche Panamera Turbo als Taxi Porsche Panamera Turbo als Taxi

Porsche Panamera Turbo als Taxi

— 20.04.2010

Unterwegs mit dem Panamera-Taxi

Sie haben's eilig, wollen aber nicht selbst fahren? Dann haben wir etwas Einmaliges für Sie: das schnellste und teuerste Taxi der Welt, den Porsche Panamera Turbo. Die frechste Testfahrt des Jahres!

Schon wieder geblitzt. Bestimmt schon das 50. Mal heute. Na ja, ist auch kein Wunder: 500 PS und 303 km/h Spitze machen den Porsche Panamera Turbo zur fetten Beute für jede Radarfalle. Doch nicht PS und Tempo sind der Grund, warum die Leute da draußen überall ihre Kameras zücken, sondern die Farbe des Panamera: Hellelfenbeinweiß. Er sieht nicht nur aus wie ein Taxi, sondern ist tatsächlich eines. Ein Einzelstück. Eine optische Täuschung. Ein Schock im Straßenbild. Abgehoben und doch erreichbar. Das viel bestaunte Unikat ist offen für jeden, der ein paar Euro in der Tasche hat. Andererseits: Ist er nicht für den rasanten Personentransport gemacht? Eben. Es braucht nur 25 Quadratmeter Klebefolie, gelbes Dachschild, Taxameter am Innenspiegel, Saugnapf-Schreibblock, Nichtraucher- und Kreditkarten-Aufkleber sowie eine Funkantenne. So verwandelt sich Porsches 160.000-Euro-Luxuslimousine in den Taxamera – das wohl teuerste und schnellste Taxi der Welt. Fellbezug fürs Lenkrad und Holzkugel-Sitzauflage komplettieren den authentischen Auftritt. Am Ende wirkt der Droschken-Porsche so echt, dass die halbe Stadt Kopf steht.

Überblick: Alle News und Tests zum Porsche Panamera

Noch nie ist ein AUTO BILD-Testwagen häufiger fotografiert, gefilmt, bestaunt und fassungslos kommentiert worden. Schon nach der ersten Runde durch die Hamburger City tauchen erste Fotos und Filme im Internet auf. Eindeutiges Indiz dafür, dass sich die bundesweit rund 22.000 Taxibetriebe vielleicht mal Gedanken über die Anschaffung neuer Modelle machen sollten. "Das Foto schicke ich sofort meinem Chef", sagt Kollege Frank am Taxistand. "Sonst glaubt er mir nicht, dass es auch anders geht als immer nur mit diesen Touran-Kisten." Ja – ein Panamera als Taxi ist gemein. "Wir tauschen! Du kriegst meine Frau, mein Haus, was willst du noch?", fragt Oliver Gulin, der vor dem Panamera mit seinem Mercedes E 200 CDI wartet. Angst, dass der nächste Fahrgast nicht bei ihm einsteigt, hat er nicht. "Sorgen macht mir nur dein Geisteszustand. Wie willst du mit deinem Panamera-Taxi Geld verdienen?"

Das Porsche-Taxi ist der Publikumsliebling in der Stadt

Das hat die Welt noch nicht gesehen: Das Panamera-Taxi wird von Passanten und Taxler-Kollegen neugierig beäugt.

Ach, Olli, mach dir mal keine Sorgen. Die Kollegen am Flughafen schlagen vor, das Auto über 40 Jahre abzuschreiben und den doppelten Kilometerpreis zu nehmen. Und tatsächlich: Das könnte sogar funktionieren. Es kommen viele Fahrgäste, die gar nicht Taxi fahren wollen. So wie die drei Slowenen, die Panamera statt Lufthansa buchen. "Sofort auf die Autobahn. Tiefflug ist besser als Anschlussflug", befiehlt Popa Custian. Geht leider nicht – denn das Dachschild ist laut ABE nur bis Tempo 120 zugelassen. Der nächster Fahrgast heißt Sebastian Brückmann und steht vor dem Nobelhotel "Vier Jahreszeiten". Spontan lässt der VW Eos-Fahrer die Verabredung mit seiner Freundin platzen, steigt in den Fond und sagt leise: "Das muss sie verstehen." Das Porsche-Taxi, ein kleines Wirtschaftswunder. Es erzeugt Nachfrage, wo eigentlich keine ist. "Ich fühle mich im siebten Himmel", schwärmt Okan Uyma aus Duisburg, als er mit seinem Vater am Hauptbahnhof zusteigt. "Die Tour ist jeden Cent wert."

Ob der nächste Fahrgast das auch so sieht? Dörte Spannuth steigt an der Messe ein: "Hab's eilig. Schnell zum Bahnhof." Okay, kann sie haben – mit Sport-Plus-Taste und Blitzstart, wrroooooaaaaah. Die Ernährungsberaterin ist geschockt und stottert beim Bezahlen so etwas wie "extremer Nervenkitzel". Die superscharfe Taxi-Kost bekommt eben nicht jedem. Zwischendurch gibt's Kontakt mit der Obrigkeit. Ein Polizist versperrt den Weg. Mist, das riecht nach Ärger. Sofort Ihre Nummer!" Was meint er nur? Personenbeförderungsschein? Konzession? "Nein, Ihre Telefonnummer. Heute Abend lasse ich mein Auto stehen." Geht doch. Nicht zu fassen: Selbst im graffitibeschmierten Schanzenviertel, dem Brennpunkt der alternativen Szene, gibt's Beifall. Nicht der wuchtige Panamera ist sympathisch, sondern die Tatsache, dass jeder mit ihm mitfahren darf. Schließlich haben Taxifahrer Beförderungspflicht.

In der Stadt verlangt der Panamera nach 20 Litern Super plus 

Wenn's schnell gehen soll: Porsche "Taxamera" Turbo, das wahrscheinlich teuerste Taxi der Welt.

Seine unschuldige Farbe macht aus dem CO2-Monster ein klassenloses Transportmittel. Nirgends Neid, Missgunst oder auch nur eine abfällige Bemerkung. Im Gegenteil: Wo auch immer der weiße Riese auftaucht, wird er freudig begrüßt, sogar vorgelassen und mit Fragen überhäuft: "Wie teuer? Warum nur zwei Plätze im Fond? Diesel oder Gas?" Nee, nee, Freunde – 4,8 Liter Hubraum, Super plus, 20 Liter in der Stadt. Besonders die Taxi-Kollegen sind fassungslos: Wie soll sich dieser wahnsinnige Dienstwagen jemals rechnen? Okay, sie wissen ja nicht, dass er nur drei Tage fährt. Und im Auftrag von AUTO BILD. "Demnächst landet hier noch ein Airbus 380 in Taxilackierung", sagt Lutz Kraft und schüttelt den Kopf. Er fährt einen alten Mercedes 190 D und rechnet vor: "Kostet 15 Cent pro Kilometer. Nur mit diesem Taxi kann man Geld verdienen."

Auf Dauer würde der Porsche keinen Taxler glücklich machen

Manager Thorsten Heimes (l.) ist skeptisch, Götz Hufenbach kann sich den Panamera gut als Familienauto vorstellen.

Die Faszination des Panamera gipfelt in der Begegnung mit einem Prius-Taxi. Völlig baff lässt sein Fahrer die Scheibe runter und ruft mir zu: "Ich sitze definitiv im falschen Auto. Meines mag zwar ein korrekter Öko-Hybrid sein. Tauschen würde ich trotzdem sofort." Wer nicht? Aber auf Dauer würde der Porsche keinen Taxler glücklich machen. Denn leider hat er auch ein paar handfeste Nachteile, wie die Profis vom Posten am Hauptbahnhof erklären: "Drei Fahrgastsitze sind zu wenig. Der Gepäckraum ist für große Koffer zu klein. Und die vielen Schalter im Fond werden schnell kaputtgespielt." Zugegeben: Eine klassische Stufenheck-Limousine ist wohl wirklich das bessere Taxi-Modell. Für den Biologie-Studenten Max Siemers ändert sich trotzdem die Zukunftsplanung, als er den ungewöhnlichen Porsche entdeckt: "Ich wollte ja eigentlich in die Forschung. Aber wenn ich das sehe, werde ich nach dem Examen doch Taxifahrer."

Als Panamera-Taxler braucht man gute Nerven

Papiere, bitte! Die Polizei glaubt nicht, dass hier alles mit rechten Dingen zugeht. Tut's aber.

In der Hafencity hält plötzlich ein anderer Panamera-Fahrer. Auf freundliches Winken hinterm Taxi-Lenkrad reagiert er nicht. Aha, jetzt kommt sie doch noch, die Da-verstehe-ich-keinen-Spaß-Reaktion. Er schaut kurz rüber, dann nur noch stur geradeaus. Dieser Blick sagt alles: Das kann nicht sein. Das darf nicht sein. Argh! Er ist der Einzige, der sich nicht freut. Einer von vielen, vielen Schaulustigen wie der kleine Junge, der am Jungfernstieg bis zur nächsten Ampel hinter dem Panamera-Taxi hersprintet, um ein Foto zu schießen. Schon wieder hat's geblitzt. Ein letztes Mal – bis vielleicht doch ein Taxiunternehmen mit Mut fürs Extreme die luxuriöse Marktlücke füllt. Es braucht ja nur 25 Quadratmeter Klebefolie, ein Taxischild, Taxameter am Innenspiegel. Und besonders gute Nerven.

Autor: Jörg Maltzan

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