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Porsche/VW-Streit

— 29.06.2009

Rettungsanker abgelehnt

Die Zeichen stehen weiter auf Sturm: Porsche lehnt einen Einstieg von VW zu den geforderten Bedingungen ab. Zuffenhausen müsste dann einen Milliardenkredit sofort zurückzahlen.

Porsche hat im erbitterten Machtkampf mit VW einen Vorschlag der Wolfsburger für die gemeinsame Zukunft der Autobauer abgelehnt. Ein Teilverkauf des Porsche-Autogeschäfts an Europas größten Autobauer sei "nicht umsetzbar", sagte ein Porsche-Sprecher am Montag (29. Juni) in Stuttgart. "Es ist für uns kein gangbarer Weg, 49,9 Prozent der Porsche AG an VW zu verkaufen." Volkswagen wollte zu dem "Nein" aus Stuttgart keine Stellung nehmen. "Kein Kommentar", sagte ein Sprecher am Montag in Wolfsburg. Die Sportwagenschmiede setzt im Kampf gegen die drückende Schuldenlast weiter auf Katar.

Der Staatsfonds Qatar Investment Authority (QIA) habe schriftlich einen Einstieg bei den Stuttgartern angeboten, sagte ein Porsche-Sprecher. "Uns liegt ein Angebot der QIA vor, das den Einstieg bei der Porsche Holding SE beschreibt und den Kauf der Optionen auf VW-Aktien", sagte er. "Jetzt wird über den Preis verhandelt." Auch die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (30. Juni) berichtet darüber.

Das Angebot sei die Grundlage für die weiteren Verhandlungen, sagte der Sprecher. Eine Entscheidung müsse innerhalb der Eigentümer-Familien Porsche und Piëch diskutiert werden. Wann es eine Einigung geben könnte, wollte er nicht sagen. In welcher Höhe die Investoren sich an der Porsche SE beteiligen, sei ebenfalls noch nicht klar.

Auf das Angebot von Volkswagen kann Porsche eigenen Angaben zufolge dagegen nicht eingehen, weil dann sofort ein Kredit über 10,75 Milliarden Euro fällig wird, den das Unternehmen sich gesichert hatte. In dem Vertrag mit den Banken sei geregelt, dass der Kredit fällig werde, sobald sich die Eigentumsverhältnisse bei der Porsche AG änderten, erklärte der Sprecher. Grund sei, dass der Kredit unter anderem mit dem Autogeschäft der Stuttgarter abgesichert sei.

Der VW-Vorstand habe Porsche-Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche in der vergangenen Woche per Kurier das Angebot geschickt, sagte der Unternehmenssprecher. An Porsche-Chef Wendelin Wiedeking sei es jedoch nicht gegangen. "Ohne den Vorstand läuft hier nichts."

Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" will VW für den Anteil drei bis vier Milliarden Euro bezahlen. In einem nächsten Schritt würde dem Bericht zufolge das Emirat Katar VW-Aktienoptionen übernehmen, die von der Porsche Holding gehalten werden. Zum Schluss müssten die Unternehmen Porsche und VW fusionieren. Dabei könnten die Familien Porsche und Piëch dem Bericht zufolge an einem Automobilkonzern VW/Porsche mehr als 40 Prozent der Aktien halten, Niedersachsen 20, Katar rund 15 und ein weiterer Staatsfonds fünf Prozent.

Porsche ist wegen der Mehrheitsübernahme von Europas größtem Autobauer mit rund neun Milliarden Euro verschuldet und sucht händeringend nach neuen Geldquellen. Seit Monaten verhandelt Porsche mit Banken über einen Kredit von insgesamt 12,5 Milliarden Euro. Nach Banken-Zusagen für insgesamt 10,75 Milliarden Euro hatte Porsche die noch fehlenden 1,75 Milliarden Euro komplett bei der Förderbank KfW beantragt. Diese hatte ein erstes Hilfegesuch aber abgelehnt.

Bei den Anstrengungen zur Reduzierung der drückenden Schuldenlast ruhen die Hoffnungen der Stuttgarter voll auf Katar, mit dem der Porsche-Vorstand bereits seit längerem verhandelt. Das Emirat ist laut einem Zeitungsbericht jedoch zunehmend entnervt über das Gezerre zwischen Stuttgart und Wolfsburg. Der mögliche Investor fordere "eine baldige Entscheidung", die "einvernehmlich ausfallen" müsse, berichtete das "Handelsblatt" (Montag) aus Verhandlungskreisen. Ansonsten könnte das reiche Golfemirat dem Bericht zufolge als Investor abspringen.

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) verlangte von den Stuttgartern eine Entscheidung. "Es liegen jetzt alle Fakten auf dem Tisch", sagte Wulff in Berlin. Nun müsse geklärt werden, ob jeder seinen eigenen Weg gehe oder nicht. "Einen gemeinsamen Weg halte ich für sinnvoll." Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) verlangte mehr Respekt für Porsche. Volkswagen solle respektieren, "dass der Mehrheitseigentümer Porsche ist". Er halte nichts von der derzeitigen Debatte. "Der Gegner sitzt nicht in Wolfsburg oder Stuttgart."

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