Radarpistole für 29,95 Euro

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Radarpistole für 29,95 Euro

— 22.12.2006

Potzblitz!

Der AUTO BILD-Geschenktipp für Hobby-Denunzianten: eine echte Radarpistole. Für 29,95 Euro gibt's den Blitzer für den Hausgebrauch.

"Ein neuer Föhn", jubelt meine Frau. Zu früh gefreut, Schatz. Klar, das Ding sieht aus wie Mister Spocks Haartrockner. Ist aber für höhere Aufgaben gemacht. Die "Radar Gun", die Radarpistole von Hot Wheels, ist schließlich kein Kinderspielzeug. Obwohl es auf der Verpackung danach aussieht. Das Plastikteil für Jungs ab sieben soll echt bis 160 Stundenkilometer messen können. Und das für 44,95 Euro! In einigen Supermärkten oder Spielwarenläden ist die Pistole sogar schon für 29,95 zu haben. Allerdings wird immer nur die nackte Kanone geliefert. Vier "AAA"-Batterien sollten also rechtzeitig zu Weihnachten im Hause sein.

Redaktionsbote Osama Daim kachelt mit zwölf km/h über den Gang.

Aber jetzt erst mal raus aus dem Haus und ran an die Raser. Na bitte: Nachbar Wendt kachelt mit 57 durchs Eigenheim-Idyll. Und die Hausfrauen winken dem lautlosen 300er-Benz auch noch freundlich zu. Wenn ich mit meinem alten Sportwagen im ersten Gang mit Tacho Strich 30 an den Tratschtanten vorbeiröhre, ernte ich Plemplem-Gesten. Ärgerlich, dass ich pro Delikt nur einen Raser denunzieren kann. Weil das Display nach 30 Sekunden erlischt. Hier muss Hersteller Mattel/USA nachbessern. Dennoch: Danke im Namen aller Speed-Freaks, Danke auch im Namen der Amateur-Anschwärzer ohne Altersgrenze – obwohl die Werbung diese potenzielle Zielgruppe verschweigt. Peilen, pressen, petzen – könnte ich stundenlang machen!

Auf der alten Hot-Wheels-Piste soll es laut Anzeige mit 768 km/h zur Sache gehen. Wer's glaubt ...

Kernfrage: Wie genau misst der Blitzer für Besserwisser eigentlich? Lässt sich prüfen, sagt Hans-Jörg Gensch von der Hamburger Polizei. Der Oberkommissar baut seine 6000 Euro teure Riegl-Laseranlage an der Straße auf, drückt ab. Ich schieße parallel mit dem Kinderspielzeug. Immer wieder. Abweichung: maximal ein km/h. Danke, Herr Wachtmeister, nun muss ich aber. Die Bürgerpflicht ruft. Doch mein Einsatz wird leider nicht belohnt: Niemand fährt 80. Nicht mal 70. Höchstens 62. Weil jeder, der das leuchtfarbene Selbstjustiz- Instrument entdeckt, erschrocken in die Eisen geht und unschuldig lächelnd vorbeibummelt. Die Reichweite liegt eben bei nur zwölf Metern.

Nach zehn Minuten packe ich frustriert ein, fahre in die AUTO BILD-Redaktion. Meine Kollegen finden die Tempomessungen frühpubertär. Und überflüssig, weil auf den Fluren eh kein Tempolimit gilt. Einzige spannende Erkenntnis: Hausbote Osama schiebt seinen Karren mit drei km/h über die Flure. Bis die Chefredaktion nach der Post ruft – dann beschleunigt er plötzlich auf zwölf km/h. Ab nach Hause. Meine Frau saugt gerade Staub. Aber zu langsam, wie ich schlecht gelaunt befinde. Mit vier km/h schleicht der Rüssel übers Parkett. "Mach's doch selbst", kontert sie. Ich habe eine bessere Idee: Sie bekommt die Radarpistole – bevor mich das Ding ins gesellschaftliche Abseits schießt.

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