Recht in der Werkstatt

Ratgeber Recht

— 25.04.2008

Ihr Recht in der Werkstatt

Ein Werkstattbesuch birgt viele Fallen. Egal ob normale Inspektion oder teure Reparatur, nehmen Sie sich Zeit in der Werkstatt. AUTO BILD sagt Ihnen, welche Rechte Sie haben und worauf Sie achten müssen.

Auftrag Der Reparaturauftrag sollte möglichst schriftlich vergeben werden, dabei den Reparaturumfang genau beschreiben. Beispiel: "Bremsklötze tauschen". Wichtig: keine Pauschalaufträge ("TÜV-fertig machen") vergeben. Sie sind der Freibrief für teure Reparaturen.  • Abnahme Vor dem Bezahlen der Rechnung die ausgeführten Arbeiten abnehmen und das Auto auf mögliche Reparaturschäden untersuchen. • Bezahlung Nur nach erfolgreicher Reparatur. Bei Misserfolg notfalls den Rechnungsbetrag kürzen (siehe Minderung). Vorsicht! Wird die Leistung nicht oder nur teilweise bezahlt, behält die Werkstatt das Fahrzeug oft als Pfand ein. • Ersatzteil Es gibt keine gesetzliche Pflicht, Ersatzteile eine bestimmte Zeit lang vorzuhalten. Die Autohersteller haben sich freiwillig verpflichtet, viele Ersatzteile eine bestimmte Zeit nach Auslaufen des Modells vorzuhalten. Wird ein Ersatzteil nicht oder zu spät geliefert, muss die Werkstatt alle anfallenden Kosten tragen. Dazu gehören, Arbeits-, Wege-, Transport- und Materialkosten (§ 439 Abs. 1 BGB).
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Der Kunde kann Fristen setzen

Der Reparaturauftrag sollte möglichst schriftlich vergeben werden.

Fehlersuche Der Kunde muss die Fehlersuche bezahlen. Die Werkstatt handelt "noch im Rahmen ihres Auftrages, wenn sie entsprechend der anerkannten Regeln des Kfz-Handwerks alle (...) Mängelursachen überprüft (...), bis der wirkliche Defekt gefunden ist" (OLG Köln, Az. 2 U 25/76). Beispiel: Wird zum Beheben eines Motorruckelns nach dem Tausch von Steuergerät (ca. 1000 Euro ) und Zündkerzen (ca. 100 Euro) nur ein verdreckter Luftfilter als Ursache entdeckt, muss der Kunde lediglich den Filter bezahlen (ca. 50 Euro). Die Werkstatt hätte erst den Filter als günstigstes Teil prüfen müssen. • Fristen Wurde bei der Reparatur geschlampt, kann der Kunde der Werkstatt eine Frist setzen, innerhalb derer diese den Mangel beseitigen muss. Üblich sind ein Tag bis eine Woche, je nach Ausmaß der Nachbesserung. Garantie Freiwillige Leistung der Werkstatt, kann an Bedingungen geknüpft sein (regelmäßige Inspektionen oder Ölwechsel). Werden diese nicht erfüllt, erlischt die Garantie. • Gewährleistung Gesetzlicher, bedingungsloser Anspruch des Kunden gegen die Werkstatt. Frist: zwei Jahre, kann auf ein Jahr verkürzt werden. Innerhalb der ersten sechs Monate gilt die sogenannte Beweislastumkehr: Innerhalb dieser Zeit muss die Werkstatt beweisen, dass der aufgetretene Mangel bei Übergabe noch nicht vorhanden war. Kann sie das nicht, muss sie den Schaden zahlen oder gratis beheben. Vom siebten Monat an ist der Kunde beweispflichtig.

Kostenvoranschlag Er enthält die "unverbindliche fachmännische Berechnung der voraussichtlichen Kosten". Explodieren diese, kann der Kunde die Reparatur stoppen. Er muss dann nur die bis dahin angefallenen Kosten tragen. Als Grenze gelten 15 Prozent Mehrkosten. Bei verbindlichen Kostenvoranschlägen, auch mündlichen, muss der Kunde nur den festgelegten Betrag bezahlen. Werden für den Voranschlag Gebühren verlangt, müssen diese bei einer späteren Reparatur verrechnet werden. • Kulanz Freiwillige, nicht einklagbare Leistung des Herstellers oder der Werkstatt. Wird etwa ein Auto regelmäßig in einer Werkstatt gewartet, kann der Chef bei einer größeren Reparatur oder einer Wartung einen Nachlass auf die Rechnung geben.

Leih- oder Mietwagen Einen Anspruch auf einen Leihwagen hat in der Regel nur der Besitzer eines Autos mit Neuwagengarantie, wenn dies in den Garantiebedingungen steht. Er hat keinen Anspruch auf ein gleichwertiges Auto, sondern nur darauf, mobil zu bleiben. Bei Ersatzteilproblemen gibt's den kostenlosen Leihwagen nur, wenn ein fest zugesagter Liefertermin um 24 Stunden überschritten wurde. • Minderung Sie ist immer dann möglich, wenn die Reparatur nach zwei Versuchen nicht gelungen ist. Vorsicht: Wird die Rechnung nicht bezahlt, behalten viele Werkstätten das Auto als Pfand. Da Reparaturen meist vor dem Abholen des Autos bezahlt werden müssen, enden Minderungen deshalb in der Regel vor Gericht.

Reparatur ohne Auftrag muss nicht bezahlt werden

Wird bei der Reparatur gepfuscht, muss die Werkstatt im Rahmen der Gewährleistung nachbessern.

Nacherfüllung/ Nachbesserung Wird bei der Reparatur gepfuscht, muss die Werkstatt im Rahmen der Gewährleistung nachbessern. Dabei muss der Betrieb die notwendigen Transport-, Wege-, Arbeits- und Materialkosten übernehmen. Kann er nicht reparieren, darf der Kunde die Rechnungkürzen (siehe Minderung), den Defekt selbst beheben oder beheben lassen, vom Vertrag zurücktreten oder sogar Schadenersatz wegen Nichtfüllung verlangen. • Pleite Geht eine freie Werkstatt pleite, schauen die Kunden mit ihren Ansprüchen aus Reparaturen oder für Nachbesserungen meist in die Röhre. Forderungen, etwa aus der Gewährleistung, können Sie meist nicht durchsetzen. Anders bei Neuwagen: Hier kann der Kunde seine Rechte bei jedem beliebigen Vertragshändler geltend machen. Ist die Neuwagengarantie abgelaufen, kann er auf Kulanz beim Hersteller hoffen. Vorsicht: Ohne Inspektionsnachweis oder nach dem Besuch einer freien Werkstatt gibt es keine Kulanz. • Reparatur ohne Auftrag Sie muss nicht bezahlt werden. Selbst bei Arbeiten, die aus Sicherheitsgründen nötig sind, muss die Werkstatt die Zustimmung des Kunden einholen.

Reparaturschaden Wird der Wagen während der Reparatur beschädigt, muss die Werkstatt den Schaden kostenlos beseitigen. Ist die Werkstatt nicht versichert, haftet der Besitzer der Werkstatt mit seinem Vermögen. • Reparatur, vergebliche Nach zwei vergeblichen Reparaturen darf der Kunde entweder die Rechnung mindern (siehe Minderung), den Schaden selbst beheben oder das Auto in einer anderen Werkstatt instand setzen lassen. Die Rechnung dafür geht dann an die erfolglose Werkstatt.

Geht eine freie Werkstatt pleite, schauen die Kunden meist in die Röhre.

Schadensersatz Er kann immer dann fällig werden, wenn die Werkstatt den Fehler nach zwei Reparaturversuchen noch nicht behoben hat. Der Schadenersatz bezieht sich unter anderem auf mögliche Verdienstausfälle, weil etwa das Auto nicht rechtzeitig fertig war und der Kunde dadurch einen wichtigen Termin versäumt hat. • Übergabeprotokoll Bei der Übergabe des Wagens an die Werkstatt wird darin der Zustand des Autos vor der Reparatur oder Inspektion festgehalten: Sauberkeit, Kratzer oder Beulen. • Verlängerung der Garantie Muss ein Bauteil während der Garantie ersetzt werden, verlängert sich dadurch weder die Garantiezeit des Teils noch die des Wagens. Grund: Durch die Reparatur wird kein neuer Vertrag geschlossen, sondern nur die Nachbesserungspflicht des alten erfüllt. • Vorschuss Niemals im Voraus zahlen. Die Werkstatt erst bezahlen, wenn sie erfolgreich gearbeitet hat. Zahlen Sie einen Vorschuss, müssen Sie sich bei Pfusch Ihr Geld vor Gericht zurückholen. • Zustimmung Jede Erweiterung des Auftrags bedarf der Zustimmung des Kunden, sogar bei sicherheitsrelevanten Teilen. Fehlt die Zustimmung, muss der Kunde diese Arbeiten nicht bezahlen.

Checkliste für den Werkstattbesuch – so vermeiden Sie unnötigen Ärger

Egal ob normale Inspektion oder teure Reparatur: Nehmen Sie sich Zeit für die Abgabe des Autos in der Werkstatt. • Halten Sie den Inspektions- oder Reparaturaufwand schriftlich fest. So wird nichts vergessen. Wichtig: Geben Sie keine Pauschalaufträge ("TÜV-fertig machen"). Sie sind der Freibrief für teure Reparaturen. • Machen Sie ein Übergabeprotokoll, das Beulen oder Kratzer, aber auch den Zustand der Sitze und Innenverkleidung festhält (Cabrios: Zustand des Verdecks). Schäden von Mitarbeitern muss die Werkstatt später zahlen. • Prüfen Sie nach Schweißarbeiten Lack und Bezüge unbedingt auf Beschädigungen durch Funkenflug. • Kennzeichnen Sie möglichst vor der Reparatur auszutauschende Teile. Ein simpler Kugelschreiberstrich zeigt, ob der Luftfilter auch tatsächlich getauscht wurde. • Lassen Sie sich die Altteile immer in den Wagen legen.

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