RDKS-Pflicht ab 1. November 2014

— 29.10.2014

Jetzt wird Reifenwechsel richtig teuer

Ab 1. November 2014 müssen viele Autos eine Reifendruckkontrolle haben – der Reifenwechsel wird teuer. Fragen und Antworten zur neuen Vorschrift!



Direkte RDKS arbeiten mit vier Sensoren an den Ventilen. Der Luftdruck wird per Funk übertragen und im Display exakt angezeigt.

Diesen Reifenwechsel wird Max Beck aus Weingarten bei Karlsruhe nicht so schnell vergessen. Als der Toyota-Fahrer mit seinem Auris in der Werkstatt erscheint, erwartet ihn eine teure Überraschung: Zu den vier Winterreifen addiert der Serviceleiter nochmals 60 Euro pro Rad für die Reifendrucksensoren – plus 54 Euro für die Initalisierung des Systems. "Dafür bekommt man einen kompletten Satz Reifen!", ärgert sich AUTO BILD-Leser Beck. So wie ihm wird es dieser Tage vielen Autofahrern ergehen. Denn Mehrkosten von 150 bis 400 Euro für das Reifendruckkontrollsystem (RDKS) sind kein Toyota-Problem, sondern treffen Besitzer viele Modelle.

Der richtige Sensor für Ihr Auto: Zum RDSK-Konfigurator des Reifenhandels
RDKS: Für Sicherheit und Umwelt
Die Regelung, die für neuere Autos ab 1. November 2014 Reifendruckkontrollsysteme vorschreibt, geht auf eine EU-Verordnung zurück. Laut Statistik fahren viele Autos mit zu niedrigem Luftdruck. Das verlängert Bremswege u d beinträchtigt die Verkehrssicherheit. Außerdem erhöht es den Schadstoffausstoß. Dem möchte die EU mit der RDKS-Pflicht entgegenwirken. Eigner betroffener Modelle, die ohne RDKS fahren, kommen spätestens im Mai 2018 nicht mehr durch den TÜV, und bei Unfällen droht ihnen eine Mitschuld. Wer sparen will, vergleicht die Preise für Sensoren.

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'Reifendruckkontrollsystem wird Pflicht: Ihre Meinung?'

Entscheidend ist, wann das Auto seine Typgenehmigung erhalten hat. Verpflichtend ist ein RDKS für alle Modelle mit Typprüfung ab dem 1. November 2012. Laut einer Schätzung des Bundesverbandes Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BRV) liegt die Zahl der betroffenen Fahrzeuge im Millionenbereich. Welche Autos unter die Regelung fallen, ist im Kfz-Schein zu erkennen: Steht unter Ziffer 6 des Scheins ein Datum nach dem 1. November 2012, ist das RDKS vorgeschrieben und muss bei einem Reifenwechsel eingebaut werden.

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Welche Systeme gibt es?

Eine Taste setzt das RDKS zurück. Verliert einer der Reifen Luft, meldet bei indirekten Systemen nur ein Warnsymbol den Druckverlust.

Bei der automatischen Reifendruckkontrolle werden zwei Techniken unterschieden: direkte und indirekte RDKS. Letztere nutzen die vorhandenen ABS/ESP-Sensoren. Verliert ein Reifen Luft, verringert sich sein Abrollumfang, er dreht sich schneller, und die Elektronik meldet dem Fahrer den Druckverlust. Nachteil: Indirekte RDKS können nicht erkennen, welches Rad schwächelt. Außerdem funktionieren sie nur bei rollendem Fahrzeug. Ihr Vorteil: Beim Reifenwechsel werden keine zusätzlichen Sensoren verbaut, Zusatzkosten entstehen nicht. Freuen dürfen sich die Fahrer von Autos von Renault und aus dem VW-Konzern. Die meisten Modelle dieser Hersteller verfügen über indirekte RDKS.
Marken-Übersicht: Diese Reifendruckkontrollsysteme sind verbaut
Hersteller Zahl der Modelle mit indirektem RDKS Anteil an der Modellpalette (%) Zahl der Modelle mit direktem RDKS Anteil an der Modellpalette (%)
Audi 86.700 60 57.800 40
BMW 0 0 136.000 100
Fiat 0 0 42.500 100
Ford 0 0 119.000 100
Hyundai 0 0 59.500 100
Kia 0 0 34.000 100
Mercedes 0 0 153.000 100
Opel 0 0 119.000 100
Renault 44.625 75 14.875 25
Seat 51.000 100 0 0
Skoda 85.000 100 0 0
Toyota 0 0 42.500 100
Volkswagen 299.200 80 74.800 20
Andere 28.050 10 252.450 90
Gesamt 594.575 35 1.105.425 65

Teurer Reifenwechsel am Toyota Auris: 60 Euro pro Rad für die Drucksensoren, plus 54 Euro für die Initialisierung des Systems.

Komfortabler, aber auch aufwändiger und teurer sind direkte RDKS. Sensoren an den Ventilen funken den exakten Reifendruck an die Bordelektronik; der Fahrer kann die Werte im Cockpit abrufen. Diese Technik kommt nicht nur bei den Premiummarken zum Einsatz, sondern auch bei den meisten Importeuren. Da rund 65 Prozent aller betroffenen Autos mit direkten Systemen arbeiten, müssen laut BRV mehr als 1,1 Millionen Modelle beim Reifenwechsel mit Drucksensoren ausgerüstet werden. "Leider klären die Hersteller wenig darüber auf, welche Typen betroffen sind", beklagt Hans-Jürgen Drechsler, Geschäftsführer des Branchenverbands BRV. Tatsächlich haben nur wenige Autohersteller auf die Anfrage von AUTO BILD geantwortet – siehe Tabelle ganz unten.
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Lieferengpässe bei manchen Sensoren

So plötzlich kam die Nachrüstpflicht ja nicht. Dennoch gibt es bei einigen Sensoren-Herstellern offenbar Lieferengpässe, wie der RDKS-Experte der Autoservice- und Reifenhandelskette Euromaster, Hans-Joachim Köhler, gegenüber autobild.de bestätigt hat. "Bei vielen Modellen können wir Universalsensoren einsetzen, von denen wir ausreichend vorrätig haben", sagt er. Probleme gebe es hier lediglich dann, wenn die Autohersteller in laufender Produktion die Sensoren wechselten, da die Programmiergeräte manchmal nicht rechtzeitig upgedatet werden könnten - "wir erleben hier täglich Überraschungen".

Engpässe gäbe es aber bei manchen Automodellen, bei denen nur die Originalsensoren verbaut werden können. Die Sensorenhersteller, so Köhler, seien damit ausgelastet, an die Autohersteller in der Erstausrüstung zu liefern. Originalsensoren für den Aftermarket-Bedarf seien oft kaum zu bekommen. "Ein Beispiel wäre da der Hyundai ix35. Da passt nur ein einziger Sensor, und wenn der nicht mehr geliefert werden kann, sieht's zappenduster aus", so Köhler. In der Vergangenheit habe es bereits gelegentlich Lieferengpässe gegeben.

Schwierig sei auch die Nachrüstung bei BMW 1er, 2er, 3er und 4er. "Da passt ebenfalls nur der Originalsensor, und der ist derzeit nicht zu bekommen." Ein Ausweich-Variante sei ein sogenannter Redi-Sensor, der im Gegensatz zum Originalteil nicht am Ventil sitze, sondern an der Reifeninnenseite verklebt werde. Eigentlich eine praktikable Lösung, nur: Bei Verbindungsproblemen zwischen den Sensoren und den Steuergeräten der Fahrzeuge lehnt BMW laut Köhler eine Reparatur auf Gewährleistung ab, da es sich nicht um das Originalteil handele. "Wir müssen in diesen Fällen also alle Autos nochmals in die Werkstatt holen und die Sensoren von den Sommerreifen abmontieren." Das ist nicht nur umständlich und teuer, sondern auch keine Lösung für jedermann: Die Sommer-Sensoren passen nur dann, wenn die verwendeten Winterräder für deren Einbau ausreichend Platz bieten.

Kaum Antworten von den Herstellern

Wie viel genau die Nachrüstung mit RDKS-Sensoren kostet und welche Modelle überhaupt betroffen sind, ist weiter nicht ganz klar. Auf eine umfassende Anfrage von AUTO BILD haben bislang nur einige Hersteller geantwortet – siehe Tabelle.
Marke Betroffene Modelle Kosten für Nachrüstung Anlernung nötig?
Alfa Romeo k.A.
Audi R8, RS6, RS7, Q7 V12 360 Euro zzgl. Montage ja
BMW alle 282,88 Euro zzgl. Montage; ein Winterreifenkomplettsatz mit Sensoren 60 Euro Aufpreis k.A.
Chevrolet k.A.
Citroen C4, C4 Aircross, C4 Picasso, Grand C4 Picasso, DS4, DS5, C-Zero, Berlingo, Jumpy, Jumper 200 Euro mehr für einen Reifensatz; Sensoren-Nachrüstung 381,48 Euro zzgl Montage Einmalige Programmierung nötig
Dacia k.A.
Fiat k.A.
Ford k.A.
Honda Accord, Accord Tourer, Jazz k.A. k.A.
Hyundai alle je nach Modell zwischen 96 und 324 Euro für vier Sensoren zzgl. Montagekosten k.A.
Jaguar alle XK, XF: 335,36 Euro; XJ, F-Type: 528,56, jeweils zzgl. Montage
Jeep k.A.
Kia alle modellabhängig; Überblick in der
Bildergalerie
Lancia k.A.
Land Rover alle 299,80 Euro zzgl. Montage nein
Lexus alle "keine pauschale Aussage möglich"
Mazda k.A.
Mercedes alle 245,66 zzgl Montage k.A.
Mini keine konkrete Antwort
Mitsubishi k.A.
Nissan alle Note, Qashqai, X-Trail: 246 Euro zzgl. 1,2 Stunden Einbauzeit
Opel alle Die Mehrkosten für Sensoren bei vier Winterkompletträdern liegen bei 78 Euro.
Peugeot k.A.
Porsche k.A.
Renault alle 142,80 Euro plus 0,8 Stunden Arbeitslohn ja
Seat keine
Skoda keine
Smart k.A.
Subaru alle Material: 329,87 Euro, Einbau und Programmierung ca. 100 Euro
Suzuki SX4 S-Cross, Swift, Swift Sport ca. 200 Euro nein, alle Systeme lernen sich selbst an
Toyota alle außer Aygo "keine pauschale Aussage möglich"
Volvo alle Modelle, die zwischen KW 29 und 39/2012 produziert wurden 129 Euro zzg. Montage k.A.
VW Touareg, Phaeton k.A. k.A.
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Jörg Maltzan

Jörg Maltzan

Kommentar

Als ob der Wechsel auf Winterreifen nicht schon teuer genug wäre. Nun kommen auch noch Kosten für Drucksensoren dazu. Wen es trifft? Das wissen die Autohersteller am besten. Und die haben leider bislang versäumt, ihre Kunden rechtzeitig darüber zu informieren, was ihnen beim Reifenwechsel droht.

Stichworte:

Luftdruck Werkstatt



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