Angela Merkel

Rettung der GM-Tochter Opel

— 18.05.2009

Merkel will Treuhänder

Die Bundesregierung will den angeschlagenen Autohersteller Opel von einem Treuhänder verwalten lassen, bis der Verkauf abgewickelt ist. Inzwischen wurden weitere Details aus den Plänen der Kaufinteressenten Fiat und Magna bekannt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hält an einem Treuhandkonzept für den angeschlagenen Autobauer Opel fest. Es gehe jetzt in die "entscheidende Phase" der Verhandlungen, so Merkel. Deutschland werde seine Interessen dabei wahren. Das Konzept sieht vor, Opel-Anteile befristet von einem Treuhänder verwalten zu lassen, um dem Autobauer mehr Zeit für die Verhandlungen mit potenziellen Investoren geben. Diese müssen bis zum Mittwoch (20. Mai 2009) dem Bundeswirtschaftsministerium in Berlin ihre Ideen vorlegen. Die Konzepte würden umgehend geprüft, sagte Merkel. Letztlich entschieden aber General Motors (GM), der US-Mutterkonzern von Opel, und die US-Regierung. Die Frage werde sein, wie GM-Europe und damit Opel Deutschland aus dem Gesamtkonzern herausgelöst werden könnten und wie dieser Prozess für die Investoren überbrückt werden könne. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) verwies auf eine möglichen Insolvenz von Opel als Ausweg, wenn andere Rettungsversuche scheiterten. "Sollten die Konzepte nicht taugen und stünde Opel vor der Illiquidität, sähe ich kaum eine andere Option als eine geordnete Insolvenz", sagte er der "Welt am Sonntag".

Magna will offene Plattform schaffen

Nach einem anderen Bericht sicherte Fiat-Chef Sergio Marchionne bei einem Treffen mit dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU) am Wochenende in Köln zu, alle Opel-Standorte in Deutschland halten zu wollen, auch Bochum mit 5000 Arbeitsplätzen. "Über den Inhalt des Gesprächs wurde Vertraulichkeit vereinbart", sagte ein Sprecher. Als wichtigste Interessenten für Opel gelten der kanadisch-österreichische Autozulieferer Magna und der italienische Autokonzern Fiat. Daneben soll es weitere namentlich nicht genannte Interessenten geben. Magna will im Falle eines Einstieges bei Opel laut einem Magazinbericht in den Werken auch Autos anderer Marken produzieren. Laut weiteren Berichten wolle Magna eine offene Plattform für eine Vielzahl von Autoherstellern schaffen. Die Autohersteller PSA (Citroën, Peugeot) und Ford hätten bereits Interesse an einer Beteiligung geäußert. Unter anderem wegen dieser Pläne wolle Magna alle Opel-Standorte in Deutschland erhalten. Bochum, Rüsselsheim und Eisenach seien für Magna interessante und effiziente Werke, heißt es unter Berufung auf das Unternehmensumfeld. Auch das Opel-Werk Kaiserslautern solle nicht geschlossen werden. An den Werken in Antwerpen in Belgien und Luton in Großbritannien festzuhalten, werde jedoch schwer.

Fiat will Opel als starke Marke erhalten

Der Opel-Interessent Fiat hat mit einer weltweiten Automobilgruppe aus Fiat, Opel und Chrysler dagegen komplett andere Pläne mit dem deutschen Traditionshersteller. Saab soll mit Chrysler verschmolzen werden und sportlich ausgerichtete Modelle und Cabrios bauen, Alfa Romeo könnte von der Opel-Technik profitieren und ein weiteres großes Modell bekommen. Der neue Großkonzern solle mehr als fünf Millionen Autos pro Jahr produzieren und neue Märkte über das bisherige GM-Geschäft in Asien und Südamerika erschließen. "Wir werden in den vorgeschlagenen Zusammenschluss unsere dann effektiv schuldenfreie Autosparte einbringen. Und deren Cashflow wird Opel helfen, mit den eigenen Verbindlichkeiten fertig zu werden," sagte Marchionne. Für Fiat sei es entscheidend, dass Opel als starke Marke am Markt erhalten bleibe. "Die Präsenz von Fiat etwa in Russland, Indien, der Türkei und, noch wichtiger, in Nord- und Lateinamerika wird eine Schlüsselrolle für die künftige Entwicklung von Opel spielen." Ziel sei es, Kräfte zu bündeln, um einen starken gesamteuropäischen Player zu schaffen. Ein Treuhand-Modell solle nicht unter Führung des Staates entstehen, betonte Guttenberg. Auch die staatliche Bankengruppe KfW käme nicht als Treuhänder infrage. "Bei der privat ausgestalteten Treuhänderkonstruktion kann ich mir eine Beteiligung von GM und Vertretern der Gläubiger vorstellen", sagte der Minister. Das Treuhandmodell kann nach seiner Ansicht auch im Interesse der US-Regierung liegen. Nach Medienberichten stößt die Idee in den USA jedoch auf Widerstand. General-Motors-Chef Fritz Henderson trete die Eigentumsrechte nicht ab und auch die US-Regierung stelle sich quer, berichtete ein Nachrichtenmagazin unter Berufung auf deutsche Regierungskreise. (dpa)

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